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Rostock Spitzen-Athleten studieren in Rostock
Mecklenburg Rostock Spitzen-Athleten studieren in Rostock
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00:00 31.07.2018
Zahlreiche Spitzensportler studieren an der Rostocker Universität. Quelle: Foto: Norbert Fellechner
Stadtmitte

An der Universität Rostock gibt es 18 junge Leute, für die Sport weitaus mehr ist als eine Freizeitbeschäftigung. Sie trainieren nicht für ihre persönliche Fitness, sondern für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Doch sind Hochleistungssport und Studium miteinander vereinbar? An der Universität Rostock klappt dieser organisatorische Spagat sehr gut. Die Alma Mater ist deutschlandweit als „Partnerhochschule des Spitzensports“ anerkannt und wird empfohlen.

Alma Mater ist „Partnerhochschule des Spitzensports“

So auch von Gordan Harbrecht, dem Experten im Surfski, einer Hochseedisziplin des Kanurennsports. Der Rostocker ist Mitglied der Nationalmannschaft, hat erst im April bei der Euro Challenge über 19 Kilometer auf dem Mittelmeer vor Villajoyosa bei Alicante als zweitbester Europäer einen hervorragenden Platz vier belegt. Den größten Anteil seiner leistungssportlichen Karriere hat der 32-jährige Paddelrecke im olympischen Kanurennsport auf der 1000-Meter-Distanz verbracht. Als Hochleistungssportler blickt Gordan nach dem Abschluss seines Maschinenbau-Studiums in voller Dankbarkeit auf eine wichtige Etappe zurück. „Ich habe hier an der Uni Rostock immer die notwendige Hilfe und Unterstützung bekommen. In Phasen, wo der Sport dominierte, konnte ich meine Prüfungen verschieben, Hausarbeiten etwas später als normal abgeben und, falls notwendig, ein Urlaubssemester in den Studienablauf einbauen“, nennt er die Vorteile der „dualen Karriereplanung“.

Kooperationsvereinbarung geschlossen

Möglich wird das nur durch eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität Rostock, dem Studierendenwerk Rostock-Wismar, dem Landessportbund MV, dem Olympiastützpunkt MV und dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband. „Diese Vereinbarung ist das aktuell Beste, was wir uns gemeinsam für die studierenden Leistungssportler vorstellen können“, sagt der Laufbahnberater am Olympiastützpunkt (OSP M-V), Andreas Kriehn. „Wir haben eine sehr gute, unkomplizierte Zusammenarbeit mit allen neun Fakultäten“, lobt er. Er könne die Uni Rostock als „Partnerhochschule des Spitzensports“ für ein „Modell Deutschland“ nur weiterempfehlen. So habe sich der Zehnkämpfer Ben Thiele aus Neubrandenburg entschieden, in Rostock zu studieren, auch die Top-Triathletin Lena Meißner nehme als Perspektivkader ab Herbst ein Studium in Rostock auf. Kanute Gordan Harbrecht sieht es ähnlich. Er will 2018 noch Rennen in Portugal, Sardinien, Irland, Holland, Spanien, Frankreich, Hongkong und natürlich in Deutschland bestreiten. Er rät jüngeren Hochleistungssportlern, in Rostock zu studieren: „Neben der Unterstützung durch die Uni waren Sponsoren und andere Förderer immer fester Bestandteil für meine Karriere“. Heute arbeitet Gordan bei einer Rostocker Ingenieurgemeinschaft in Teilzeit. Eine individuelle Studienförderung erhalten Studenten, die vom Olympiastützpunkt MV als Olympiakader, Perspektivkader, Nachwuchskader 1 oder Nachwuchskader 2 (neue DOSB-Kaderbezeichnung) über die Spitzenfachverbände bestätigt sind. Aber auch Einzelfallentscheidungen bei Landeskadern, die perspektivisch dieses Niveau an Kaderstatus erreichen können, dürfen gefördert werden. Die Universität Rostock hilft den Sportlern durch Mentoren, die in Konfliktfällen mit Dozenten einspringen. Für wichtige Meisterschaften werden Urlaubssemester genehmigt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemüht sich die Hochschule zudem, Spitzensportlern bei der Vergabe von Studienplätzen eine akademische Ausbildung zu ermöglichen.

Sonderstudienpläne für geförderte Sportler

Andreas Kriehn wünscht sich für die nahe Zukunft, dass die erhoffte Profilquote für Spitzensportler in das Bildungsgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern integriert wird, um allen Universitäten und Hochschulen im Land die Bereitstellung von Studienplätzen für Bundeskader zu erleichtern. Monika Nitz aus dem Studienbüro der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik kennt das Hilfsprogramm bestens: „Für geförderte Sportler werden Sonderstudienpläne besprochen.“ Vorrangig werde bei Prüfungsfristen auf die Termine für Wettkampfvorbereitung und Wettkämpfe Rücksicht genommen. In Extremfällen würden Prüfungen auf Antrag mit individuellem Prüfungstermin abgehalten.

Im straff zu organisierendem Medizinstudium gibt es vier Hochleistungssportler. Dazu sagt der Studiendekan der Universitätsmedizin, Professor Attila Altiner: „Leistungs-Sportler bringen erfahrungsgemäß ein hohes Maß an selbstorganisatorischen Fähigkeiten mit. Sie sind zudem sehr engagiert und ambitioniert.“ Das Medizin-Studium erfordere gerade in den ersten vier Semestern viel. „Wir besprechen das immer individuell mit den Sportlern“, sagt Professor Altiner. Fabian Gering ist einer von Ihnen. Der 21-Jährige entschied sich bewusst für Rostock – und für die Doppelbelastung Studium und Sport. „Hier kann ich Studium und Sport unter einen Hut bringen“, sagt der Langstreckenläufer. Er fand mit Fiko Rostock einen Verein, der jetzt sein sportliches Zuhause ist. „Was ohne die nötige Selbstdisziplin nicht funktionieren kann.“

Das bestätigt auch Julia Leiding. Die 24-jährige Grundschul-Lehramtsstudentin bereitet sich aktuell auf die vom 2. bis zum 5. August in Glasgow stattfindenden Europameisterschaften im Rudern vor.

„Ich möchte gerne eine Medaille holen“, sagt Julia. Für den Erfolg kämpft sie hart. „Partyleben findet neben dem Studium nicht statt“, betont die Studentin. Im August startet sie bei der Studierenden-Weltmeisterschaft in Shanghai. Am Anfang sei es schwer gewesen, Studium und Sport zu koordinieren. „Mittlerweile kenne ich viele Dozenten und bekomme Unterstützung“. Problem sei mitunter allerdings die Anwesenheits-Pflicht. „Da muss ich dann viel erklären.“

Der Prorektor für Studium, Lehre und Evaluation, Professor Patrick Kaeding, hat den Verbesserungsbedarf bei der Arbeit mit den Sportlern fest im Blick. Und auch für die Aus- und Fortbildung von Trainern werde sich die Uni starkmachen. Das Institut für Sportwissenschaft habe das Know-how.

Wolfgang Thiel

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