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Rostock Mangel an Schiedsrichtern im Verband
Mecklenburg Rostock Mangel an Schiedsrichtern im Verband
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00:00 25.03.2014
Schiedsrichter Toralf Block (l.) sieht sich aufgebrachten Spielern ausgesetzt. Quelle: Johannes Weber

Er ist nicht selten der meist hinterfragte Akteur auf dem Spielfeld: Der Schiedsrichter. Mit Kritik muss man leben können, wenn man einer Sportart nachgeht. Doch als solche wird das Schiedsrichterwesen von vielen nicht gesehen.„Schiedsrichter müssen endlich als Teil des Fußballs anerkannt werden und nicht als das notwendige, dazugehörige Übel“, fordert der Geschäftsführer des Landesfußballverbandes (LFV) MV und FIFA—Schiri Bastian Dankert.

Derzeit zählt der LFV 843 Unparteiische. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Nur 26 von ihnen sind Frauen und Mädchen. Im bundesweiten Vergleich liegt der Verband damit auf dem vorletzten Platz. Zwar gab es 2013 einen Aufwärtstrend bei den Neuausbildungen (167), eine negative Entwicklung ist trotzdem unverkennbar. Ähnliche Trends sind auch in anderen Sportarten festzustellen. So startete der Handballverband (HVMV) die Kampagne „Helden gesucht“, um das Rekrutierungsproblem im Land in den Griff zu bekommen.

Im Handball, wie auch im Fußball liegt die Verantwortung auch bei den Vereinen, welche verpflichtet sind, Schiedsrichter zu stellen. Wird sich nicht daran gehalten, drohen Strafen. „Die Sanktionen reichen von geringen Geldstrafen bis hin zu Punktabzügen“, erzählt Enrico Barsch, Schiedsrichter-Lehrwart des LFV. Doch auch derartige Maßnahmen genügen nicht mehr, um eine ausreichende Anzahl Unparteiischer zu gewährleisten.

Die Gründe für den enormen Rückgang sind also an anderer Stelle zu suchen. Laut Daniel Rühling, selbst viele Jahre von der Kreisliga bis zur Landesklasse im Raum Nordvorpommern/Rügen aktiv, liegt der Hauptgrund im Umgang mit den Schiedsrichtern in den unteren Spielklassen. „Zwei Mal wurde ich körperlich angegangen. Es wäre wohl schlecht für mich ausgegangen, wenn nicht jemand eingegriffen hätte“, erinnert sich der ehemalige Amateur-Schiri. Die Arbeit zwang ihn, Mecklenburg-Vorpommern zu verlassen.

„Der demographische Wandel ist ein weiterer Grund für den Rückgang“, so der 28-Jährige. Der Verbandsligaschiedsrichter Felix Ernst schließt sich dem Argument des schlechten Umgangs mit den Schiedsrichtern an: „Einige Szenen im Fernsehen haben abschreckende Wirkung“, meint der Rostocker. Desweiteren mangelt es ihm an Werbung für diesen Sport. „Speziell an Schulen könnte man mehr darauf aufmerksam machen, dass der Bedarf groß ist. So könnten wir vor allem wieder die Jugend erreichen“, sagt Ernst.

Gerade auf diese komme es an, weiß auch Bastian Dankert. Auch ihm ist das respektlose Verhalten ein Dorn im Auge: „Leider betrifft das nicht nur die Spieler, sondern auch viele Trainer. Diese sollten mit gutem Beispiel vorangehen.“

Abhilfe soll die 2013 ins Leben gerufene „AG Schiedsrichterentwicklung“ schaffen. Sie gibt Leitlinien für die optimale Ausbildung vor und stellt jungen Schiedsrichtern erfahrene Ausbilder als Mentoren zur Seite. „Es muss mit Fingerspitzengefühl und Kommunikation alles getan werden, um das Hobby des Unparteiischen wieder attraktiver zu gestalten“, erklärt Dankert. Dass man sich, je nach Spielklasse, einen akzeptablen Nebenverdienst sichern kann und freien Eintritt in alle deutschen Fußballstadien erhält, dürfte den meisten wohl bewusst sein. „Viel wichtiger ist aber die Stärkung der eigenen Persönlichkeit und der bessere Umgang mit Menschen“, weiß Daniel Rühling. Und so ganz nebenbei freut sich auch jeder Personalchef über den Zusatz „lizensierter Schiedsrichter“ in einer Bewerbung. „Wenn man Herr über 22 Mann auf dem Rasen sein kann, hat man es auch im Berufsleben leichter“, ist Rühling sicher. Gründe um mit dem Pfeifen anzufangen, gibt es also zur Genüge...

Zahlen und Fakten
843 Schiedsrichter sind beim Landesfußballverband MV für den Spielbetrieb aller Altersklassen und Ligen im Land registriert. Die meisten leiten Spiele auf Kreisebene.
26 Unparteiische im Spielbetrieb des Landesfußballverbandes MV sind weiblich.
Der Umgang mit den Schiedsrichtern ist miserabel und abschreckend.“Daniel Rühling (28),
ehemaliger
Schiedsrichter



Flemming Goldbecher

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