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Trainer-Abschied ohne Happy End

Rostock Trainer-Abschied ohne Happy End

Rostocks Eishockey-Urgestein Wolfgang Wünsche verliert sein letztes Pflichtspiel. Piranhas unterliegen Herne.

Rostock. Denkwürdiger Moment in der Schillingallee: Trainerlegende Wolfgang Wünsche leitete gestern Abend sein letztes Pflichtspiel als Coach des Rostocker Eishockeyclubs (REC). „Ein ganz Großer verlässt die Bande“, betonte REC-Präsident Peter Dickmanns. Wünsche hatte feuchte Augen, als die Fans skandierten: „Wolfgang, wir danken dir!“ Dass die Piranhas sich dem Herner EV mit 6:10 (2:5, 1:4, 3:1) geschlagen geben mussten und damit noch den vierten Rang in der Playoff-Gruppe B verspielten, interessierte nur am Rande.

Wünsche wurde schon vor dem ersten Bully mit einem Danke-Plakat begrüßt. Der 75-Jährige winkte in Richtung Tribüne. „Es waren emotionale Momente. Der Abschied fällt mir schwer“, sagte der gelernte Glasbläser nach seinem 297. Spiel als REC-Coach. 15 Jahre lang betreute der 38-malige DDR-Nationalspieler Teams des Rostocker EC, seit 2008 war er in seiner dritten Amtszeit für die erste Mannschaft verantwortlich. Schon Ende der 50-er Jahre wechselte Wünsche als Spieler aus seiner sächsichen Geburtsstadt Weißwasser an die Küste zu Dynamo Rostock. Er war angedacht als Leihspieler für ein Jahr.

Doch Wolfgang Wünsche blieb an der Ostsee. Zuletzt war Wünsche ältester aktiver Eishockeytrainer Deutschlands. Zweimal die Woche stand er noch auf dem Eis. „Die Übungen konnte ich aufgrund meines künstlichen Kniegelenks zwar nicht mehr vormachen, aber fit genug habe ich mich noch gefühlt“, meinte der Fachmann, der von Paul Stratmann als Spielertrainer unterstützt wurde.

Die Belastung zerrte schon an „Opa“, wie er von Freunden und Fans nur liebevoll gerufen wird. Einmal musste sogar der Notarzt alarmiert werden, weil Wünsche an der Bande einen zu hohen Blutdruck hatte. „Jetzt hat meine Frau Erika gesagt, eine weitere Saison macht sie nicht mit, dann streikt sie“, erzählt die Eishockey-Legende: „Ein wenig sehne ich mich auch nach dem Ruhestand.“ Doch ganz aufhören wird der Trainerfuchs nicht. In Zukunft will er seinem Verein als Berater zur Seite stehen.

„Wolfgang war ein kompetenter Trainer, der uns viel mitgegeben hat. Dazu war er ein netter Mensch. Wir werden ihn vermissen und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute“, sagte REC-Kapitän Eric Haiduk. „Opa hat hier tolle Arbeit geleistet und Spuren hinterlassen“, lobte REC-Chef Peter Dickmanns, der gleichzeitig Schwiegersohn ist. Wünsches Nachfolger soll der Deutsch-Russe Sergej Hatkevitch (47) werden, der zuletzt den EHC Nürnberg betreute.

Am gestrigen Abend hatte Wünsche wenig Grund zum jubeln. Die Piranhas kämpften gegen Herne zwar aufopferungsvoll, waren den schnellen Gästen aber von Beginn an unterlegen. Bereits im ersten Drittel brachten sich die Raubfische selbst ins Hintertreffen. Vor dem 0:1 verloren sie den Puck leichtfertig im eigenen Drittel. Beim 0:3 standen sie völlig offen und wurden ausgekontert. Im Mitteldrittel baute Herne den Vorsprung aus. „Ich hätte mir gewünscht, mit einem Sieg aufzuhören. Aber so ist eben der Sport“, haderte Wolfgang Wünsche.

Bereits am Freitag hatten sich die Piranhas in Duisburg wacker geschlagen und nur mit 1:4 verloren. In der Abschlusstabelle der Playoff-Gruppe B belegt der REC (9 Punkte) Platz fünf. Duisburg gewann gestern Abend das Topspiel in Kassel mit 2:1 im Penaltyschießen und zog als Gruppensieger in die nächste Playoff-Runde um den Aufstieg in die 2. Bundesliga ein.

 



Tommy Bastian

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