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Rostock Stadt sagt Schmierereien den Kampf an
Mecklenburg Rostock Stadt sagt Schmierereien den Kampf an
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00:00 23.04.2013
Auf Matthias Hansen wartet eine ganze Menge Arbeit: Bis Freitag soll die Reinigung des Jakobikirchplatzes dauern. Quelle: Steffen Thimm
Stadtmitte

Illegale Graffiti haben im vergangenen Jahr allein an öffentlichen Gebäuden der Hansestadt mehr als 30 000 Euro Schaden angerichtet. Jan Eisenberg, Abteilungsleiter für Grünflächenanlagen vom Grünflächenamt Rostock, hat diesen Wandschmierereien jetzt den Kampf angesagt. Angefangen wird beim Jakobikirchplatz, wo Matthias und Christian Hansen mit ihrer Firma „Cleansmann“ die betroffenen 300 Quadratmeter des Platzes von Schmierereien befreien.

„Das wird die ganze Woche dauern“, stellt Matthias Hansen fest, was bedeutet: Eine fünfstellige Summe könnte allein hier am Ende für das Grünflächenamt zusammen kommen. Eisenberg sagt: „Gerade im Stadtteilzentrum versuchen wir, die Flächen sauber zu halten.“ Graffiti sei ein gesamtgesellschaftliches Problem und schwer, dagegen anzukommen. Matthias Hansens Finger im Schutzhandschuh reiben über einen der Schriftzüge auf der Mauer, die Farbe hat sich fest in den Beton gefressen.

„Jeder Untergrund, jedes Graffiti ist anders“, sagt er und ergänzt: „Deshalb fangen wir immer mit dem schwächsten Lösungsmittel an und prüfen, welche Stärke die Säure der aufgesprühten Farbe am effektivsten löst. Vom Graffiti soll später nicht mal mehr ein Schatten zu sehen sein.“

Kriminalhauptkommissar Jürgen Burow ermittelt seit zwölf Jahren in der Szene, kennt die Sprayer und ihre Gepflogenheiten. „Illegal ein Graffito zu sprayen ist Sachbeschädigung und wird dementsprechend bestraft. Viele Täter agieren aus der Gruppe heraus, sie wollen für ihre Tat Lob und Anerkennung“, erklärt Burow. Elf bis 16 Jahre seien die Sprayer für gewöhnlich alt, geschuldet auch der Pubertät und dem Gruppendenken. 618 Fälle von Graffiti auf Häuserwänden seien es letztes Jahr gewesen, der Schaden variiere je nach Eigentümer. Über mehrere Monate hinweg habe ein Sprayer mehr als 120 000 Euro Schaden angerichtet.

„Graffiti kann man nicht aus dem Stadtbild verbannen, aber es eindämmen“, sagt Burow. Er setze auf Deeskalation, gebe Jungtätern eine Chance zur Rehabilitation: „Man muss ihnen zeigen, dass sie Mist gebaut haben.“ Manche Täter glaubten, erst ab 18 verurteilt werden zu können — dem widerspricht Burow: „Schon Kinder ab sieben Jahre können für Sachbeschädigung verantwortlich gemacht werden. In so einem Fall haftet dann ihr Vormund.“

Manches sehe zwar „top“ aus, sei aber trotzdem illegal. Positive, legale Beispiele, so Jürgen Burow, gebe es aber trotzdem: wie das Auftragsgraffito im neu gestalteten Fußgängertunnel der Warnemünde-Werft.

Graffiti und die Folgen
Wer ein Graffiti illegal auf Flächen sprüht, begeht Sachbeschädigung. Darauf stehen Geldstrafe, zwei Jahre Gefängnis oder je nach Alter Jugendarrest. Kinder ab sieben Jahre können Sachbeschädigung begehen — hier muss den entstandenen Schaden der Vormund zahlen. Welchen Schaden ein Graffiti verursachen kann, hängt ab von Größe, den benutzten Farben und dem jeweiligen Wert des betroffenen Hauses. Die Zahl der angezeigten Graffiti in Rostock nimmt mit etwa 80 pro Monat immer mehr zu.

Steffen Thimm