Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Stadt verbietet Einsatz von Glyphosat
Mecklenburg Rostock Stadt verbietet Einsatz von Glyphosat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:18 10.01.2018
Symbolfoto: Kanister mit einem glyphosathaltigen Mittel stehen in einem Lagerraum. Mehr als 40 solcher Unkrautvernichter sind für den Einsatz im Haus- und Kleingartenbereich zugelassen. Quelle: Jens Büttner/dpa
Rostock

Die Entscheidung schlug Wellen: Die EU hat den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat weitere fünf Jahre zugelassen – mit dem Segen von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), der im Alleingang zustimmte. Rostock hingegen verbietet das Unkrautgift jetzt: Die Stadtverwaltung untersagt ab sofort allen neuen Vertragspartnern, auf kommunalen Flächen Glyphosat einzusetzen. Das geht aus einer Antwort von Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) auf eine Anfrage der Bürgerschaftsfraktion „Die Linke“ hervor.

Hintergrund: Glyphosat steht im Verdacht, Krebs auszulösen. Umweltschützer fürchten zudem negative Folgen für Tier- und Pflanzenwelt. Matthäus sieht das Rathaus hier in einer besonderen Verantwortung: „Wir sind in unserer Hanse- und Universitätsstadt größter Grundbesitzer.“ Selbst außerhalb des Stadtterritoriums sei Rostock Eigentümer von Wald-, Acker- und Wiesenflächen. Die aktuellen Vertragspartner sollen nun zunächst schriftlich darauf hingewiesen werden, dass der Einsatz von Glyphosat auf kommunalen Flächen unerwünscht sei, so Matthäus.

Drei Viertel der Insekten in Deutschland verschwunden

Naturschützer begrüßen den Vorstoß: „Städtische Grünflächen werden immer wichtiger, weil die industrielle Landwirtschaft die Lebensräume außerorts zunehmend vernichtet“, sagt Susanne Schumacher vom BUND in Rostock. Sie wirbt für ein Leben ohne Pestizide. Drei Viertel der Insekten seien in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland verschwunden – das belege eine langjährige wissenschaftliche Studie in Naturschutzgebieten. „Ein Grund für den Artenschwund ist die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen sowie dem Einsatz künstlicher Dünger und Pestizide“, sagt Schumacher.

Für Insekten, zum Beispiel Bienen, und Vögel, vor allem Singvögel, seien pestizid-freie Grünflächen überlebenswichtig. „Viele Kommunen verwenden jedoch noch Glyphosat und andere Unkrautvernichtungsmittel“, so Schumacher. Dass Rostock nun bei Aufträgen die Verwendung von Glyphosat vertraglich ausschließen will, sei daher ausgesprochen gut.

Umweltsenator Matthäus will sogar prüfen lassen, den Einsatz aller chemischen Gifte zu verbieten. Auf kommunal bewirtschafteten Flächen, wie Parks, Wäldern oder Sportplätzen, werde das bereits zu 100 Prozent praktiziert. In der Rostocker Heide untersage seit 2001 die sogenannte FSC-Zertifizierung die Verwendung chemischer Mittel und setze nur auf ökologische Bewirtschaftung. „Und es funktioniert auf 60 Quadratkilometer Wald und Wiesen“, sagt Matthäus.

Grundhaltung der Kleingärtner: Keine Unkrautgifte verwenden

Für Kay Nadolny von der Linken- Bürgerschaftsfraktion geht das Glyphosat-Verbot in die richtige Richtung. „Wir wollen Glyphosat nicht eingesetzt sehen, bis grundsätzlich geklärt ist, inwiefern es die Gesundheit schädigt“, sagt der Stadtvertreter. Was ihm zu denken gebe, sei jedoch, dass das Grünamt den Einsatz des Unkrautgifts nach eigenen Angaben nicht überprüfen könne. „Vielleicht gibt es dort mehr Möglichkeiten. Wir werden das Thema in unserer Fraktion noch diskutieren“, sagt Nadolny.

Schwierig sei die Kontrolle auch in Rostocks Kleingärten. „Wenn ein Einzelner Glyphosat verwendet, können wir das nur schlecht nachweisen. Und eine rechtliche Handhabe gibt es auch nicht“, sagt Christian Seifert, Verbandschef der Rostocker Gartenfreunde. Er geht aber davon aus, dass Kleingärtner grundsätzlich keine Unkrautvernichtungsmittel einsetzen. „Wir als Kleingärtner stehen für Naturnähe und sind gegen den Einsatz von Chemikalien. Unsere Grundhaltung ist, dass wir uns sehr umweltbewusst verhalten. Glyphosat hat daher bei uns nichts zu suchen“, betont Seifert.

Verzicht auf künstlichen Dünger als nächster Schritt

Aus Sicht des BUND sollte die Stadtverwaltung in einem nächsten Schritt auf die Verwendung von künstlichen Düngemitteln verzichten – und das Ganze schriftlich fixieren. Umweltsenator Matthäus stimmt zu: „Das müsste vertieft geprüft werden. Versuchen sollten wir es“, sagt er.

Generell fordern die Naturschützer das Anpflanzen von mehr heimischen Arten auf städtischen Flächen in Rostock. „Dadurch würde es überall schön blühen und die Tierwelt wird geschützt. Gleichzeitig steigt der Erholungswert für die Bewohner", sagt Schumacher. Auch seien die Flächen dann kostengünstiger und einfacher zu bewirtschaften. „Ein, zwei Mal im Jahr zu mähen, würde reichen.“ Positiv sieht der BUND daher, dass das Grünamt zum Stadtjubiläum neun Blühwiesen anlegt.

46 glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel sind laut Umweltinstitut München für den Einsatz im Haus- und Kleingartenbereich zugelassen. Diese werden in Garten- und Baumärkten sowie über das Internet vertrieben, sind also für jedermann zugänglich. Generell sind die Anwendungsbereiche von chemischen Pflanzenschutzmitteln laut Gesetz auf forst- und landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Flächen beschränkt. Spritzmittel dürfen nicht auf versiegelten Flächen ausgebracht werden, wie Garagentoreinfahrten, Gehwegen, Plätzen oder Schulhöfen oder in unmittelbarer Nähe von Gewässern.

André Wornowski

Die Biologen der Universität Rostock ziehen endgültig aus der Wismarschen Straße 8 aus. Das Land prüft nun, ob eine Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes möglich ist oder ob das Haus verkauft wird.

08.01.2018

Warnstreiks in norddeutscher Metallindustrie beginnen +++ Jugendhilfeausschuss berät zu Misshandlungs-Fall +++ Film zeigt 70. Greifswalder Bachwoche +++ Probenstart für Muscial „Jekyll & Hyde“

08.01.2018

In ihrer Freizeit bastelt die 19-jährige Anje-Marieke Handrock Aida-Schiffe im Miniaturformat. Jedes Modell wird mit einem Ritual abgeschlossen.

08.01.2018