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Stadtwerke gehen ins Internet

Schmarl Stadtwerke gehen ins Internet

Der Rostocker Energieversorger steigt in das Online-Geschäft ein und will ein schnelles Glasfasernetz aufbauen – im ersten Schritt für Unternehmen.

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Roland Schulz (l.) und Thomas Schneider von den Stadtwerken halten ein Glasfaserkabel in den Händen.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl (3), Margit Wild

Schmarl. Strom, Gas, Wärme – das alles haben die Rostocker Stadtwerke bereits im Angebot. Nun will das umsatzstärkste kommunale Unternehmen in ein neues Geschäftsfeld einsteigen – und zum regionalen InternetRiesen werden. Weil der Ausbau der Hochgeschwindigkeitsnetze in der Hansestadt ins Stocken geraten ist, sollen nun die Stadtwerke ran und ein eigenes Glasfaser- Netz aufbauen. „Wir sind leider kaum mehr als ein digitales Entwicklungsland. Das gilt auch für Rostock“, sagt Rostocks Vize- Oberbürgermeister Chris Müller- von Wrycz Rekowski (SPD). Um das zu ändern, will die Hansestadt nicht den großen Konzernen, sondern der eigenen „Tochter“ vertrauen.

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Der Rostocker Energieversorger steigt in das Online-Geschäft ein und will ein schnelles Glasfasernetz aufbauen – im ersten Schritt für Unternehmen.

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Gewerbegebiete haben Priorität

Während Bund und Land im Landkreis Rostock 200 Millionen Euro in den Ausbau schneller Internet- Verbindungen investieren, droht Rostock den Anschluss zu verlieren. „Für den privaten Gebrauch mag die Infrastruktur in unserer Stadt ausreichend sein. Für viele Unternehmen ist sie es aber nicht“, warnte der Finanzsenator bereits im vergangenen Jahr. Nun sollen die Defizite endlich angegangen werden: Der städtische Wirtschaftsförderer Rostock Business erhebt gerade Daten, wo schnelle Glasfaserleitungen besonders fehlen – und die Stadtwerke sollen sie dann verlegen. Das Hauptaugenmerk des Energieversorgers liegt dabei zunächst auf der Wirtschaft: „Die zukunftsfähige Breitbandversorgung in Gewerbegebieten ist für uns ein wichtiger Bestandteil für die Digitalisierung in unserer Stadt“, sagt Stadtwerke-Vorstand Oliver Brünnich. Den Segen des Aufsichtsrates und der weiteren Aktionäre der Aktiengesellschaft soll Brünnich für die Internet-Pläne bereits eingeholt haben. Zudem wollen sich die Rostocker Hilfe aus dem Land holen: Die Stadtwerke sind Teil der Landwerke MV – und die wiederum haben bereits Breitbandnetze gebaut. Zum Beispiel in Teterow und Neustrelitz. Zudem wollen die Landwerke das schnelle Internet nach Graal-Müritz und Dummerstorf bringen.

Stadtwerke haben bereits Glasfaser-Netze

Noch sind viele Details für die Expansion in ein neues Geschäftsfeld ungeklärt, aber: Die Stadtwerke wollen zunächst ihre vorhandene Infrastruktur nutzen. „Sie betreiben bereits eigene Glasfaser-Netze“, sagt Vize-OB Müller-von Wrycz Rekowski. Die Leitungen würden heute aber nahezu ausschließlich für die Steuerung eigener Anlagen genutzt. Künftig sollen auch andere Unternehmen über diese Leitungen Zugang zum Hochgeschwindigkeits-Internet bekommen. „Wir werden die vorhandenen Glasfasernetze, die wir im Zusammenhang mit unserer Netzleitstelle nutzen, zu einer nachhaltigen Infrastruktur entwickeln“, sagt Brünnich. Die Glasfaser-Leitungen sollen dann erweitert und bis in die Gebäude der künftigen Internet- Kunden verlegt werden. Zu denen zählen Arztpraxen, vor allem aber mittelständische Unternehmen: „Vor allem die Technologiebranche beklagt zu langsame Leitungen in Rostock“, sagt Müller-von Wrycz Rekowski.

Neue Leitungen erst im zweiten Schritt

Während sich die Stadtwerke selbst zu ihren Plänen noch bedeckt halten, geht der Vize-OB in die Offensive: Zwar sei noch unklar, was der Einstieg ins Internet- Geschäft kosten wird und auch die Zahl der potenziellen Kunden werde noch ermittelt, aber Müller-von Wrycz Rekowski denkt bereits weiter: Ja, auch der Bau komplett neuer Glasfaser-Trassen durch die Stadtwerke sei denkbar. Und: Ja, in einem zweiten Schritt könnten sich die Stadtwerke auch als Internet-Anbieter für Privatkunden positionieren. „Die Digitalisierung der Wirtschaft und auch unseres Alltags schreitet immer schneller voran. Die Bereitstellung schneller und leistungsstarker Datenverbindungen wird daher als Standortfaktor von Tag zu Tag wichtiger.“ Kommunen, die keine schnellen Netze bieten können, hätten einen klaren Standortnachteil. „Um das zu ändern, müssen alle Akteure Vollgas geben.“

Gewinne und Steuern sollen in Rostock bleiben

Der Senator treibt das städtische Unternehmen an: Ja, Kooperationen mit den großen Anbietern, wie der Deutschen Telekom oder Vodafone, seien nach wie vor nicht ausgeschlossen. Aber erstens würden die „Großen“ oft eine Mindestanzahl von Kunden zur Bedingung für den Netzausbau machen, und zweitens würde das Geschäft mit dem Internet dann nicht in Rostock gemacht. „Unser Ziel muss es sein, die mit der Breitbandversorgung verbundene Wertschöpfung in möglichst großem Umfang in der Hansestadt zu behalten.“ Im Klartext: Steuern und Gewinne aus dem Geschäft sollen in der Stadt bleiben. Und:

„Über die Stadtwerke hätte die Hansestadt Einflussmöglichkeiten auf räumliche Schwerpunkte, auf die Geschwindigkeit des Netzausbaus und nicht zuletzt auch auf die Preisgestaltung für schnelle Internet-Zugänge.“ Andere Städte würden seit Jahren vormachen, wie die „eigenen“ Stadtwerke auch im Internet helfen können. Das beste Beispiel sei Köln. NetCologne – die Internet-Tochter der Stadtwerke, der Sparkasse und der kommunalen Verkehrsbetriebe – macht mittlerweile mehr als 250 Millionen Euro Jahresumsatz.

Energieversorger bestätigt Vorstand

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Rostock AG hat den derzeitigen Vorstand des Unternehmens bestätigt. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Vorstandsvorsitzender Oliver Brünnich und Vorstandsmitglied Ute Römer wurden für weitere fünf Jahre bestellt.

Mit dem Beschluss des Aufsichtsrates führe der Energiedienstleister seine kontinuierliche Entwicklung und erfolgreiche Arbeit in der Hansestadt und der Region fort, erklärt Johann-Georg Jaeger, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Rostock AG.

Brünnich und Römer hatten im November 2013 die Unternehmensspitze übernommen.

Andreas Meyer

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