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Rostock Still ruht die Ostsee? Von wegen!
Mecklenburg Rostock Still ruht die Ostsee? Von wegen!
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00:01 14.10.2017
Die Ostsee: Selbst bei eisigen Temperaturen gibt es Pflanzen und Tiere, die sich unter Wasser vermehren. Quelle: Foto: Iow
Warnemünde

Jetzt im Herbst, wenn die Spaziergänger am Ostseestrand wieder Mützen tragen, beginnt auch unterhalb der Meeresoberfläche eine neue Jahreszeit. Eine, über die die Wissenschaft im Grunde viel zu wenig weiß, meint Stefan Forster vom Institut für Meeresbiologie an der Rostocker Universität. Denn anders als viele glauben, ist selbst unter dickem Wintereis noch allerhand los. Die Gründe, warum Forschungsergebnisse darüber noch rar sind: „Zum einen laufen viele Prozesse dann sehr langsam. Zum anderen frieren auch Forscher nicht so gerne, wenn sie etwas beobachten.“

Viele Tiere und Pflanzen in der Ostsee tun das, was der Laie von ihnen erwartet: Sie gönnen sich eine Ruhephase. Wechselwarme Lebewesen fahren ihre Körpertemperatur herunter, Fische schwimmen nur noch ganz gemächlich, könnten zwar bei Bedarf auch schneller werden, tun dies aber selten. Sogenannte Fraßräuber, wie Schnecken, Würmer und Krebstiere, bewegen sich langsamer und atmen weniger – eine gute Taktik in Zeiten, zu denen das Nahrungsangebot knapp wird, weil es unter anderem keine Algenblüte gibt. Trotzdem: „Bis zum Frühjahr nehmen beispielsweise Muscheln jedes Jahr kräftig ab“, sagt Forster. Gemeinsam mit Kollegen hat er das einige Male überprüft, die Tiere vor und nach der kalten Jahreszeit auf die Waage gelegt.

Für andere Arten ist kaltes Wasser das beste Fortpflanzungs-Milieu. Die von Badegästen im Sommer oft als Plage bezeichnete Ohrenqualle Aurelia aurita gehört zu ihnen. Während ihre weiß-gelben gewölbten Schirme noch im August im Wasser schwebten, entstehen aus ihren Larven bei größerer Kälte kleine, nur mit der Lupe erkennbare Polypen, die sich fest am Meeresgrund verankern. Von ihrem Körper gehen mehrere Fangarme ab, die in der Lage sind, mehrere Schichten abzutrennen und so neue Quallen entstehen zu lassen. Auch die Großalgen am Meeresgrund nutzen die Gunst der Stunde. Während Kleinalgen im aufgewühlten Wintermeer wie in einem Fahrstuhl von der Oberfläche bis in 60 Meter Tiefe nach unten und wieder aufwärts geschleudert werden, blühen ihre größeren Artgenossen auf. Obwohl die Tage jetzt kürzer sind, bekommen sie im Winter deutlich mehr Licht und Nährstoffe, weil die Mikroalgen keine Konkurrenz mehr darstellen. Sie wachsen, bilden Fruchtstände, legen Reserven an, während andere hungern.

Forster erklärt: „Es ist vielen nicht klar, dass die Photosynthese, also die Umwandlung von Licht in Energie, weitgehend temperaturunabhängig funktioniert. Man hat erst in den 1990er Jahren festgestellt, dass zum Beispiel in der Antarktis selbst unter dicken Eisschichten noch Eisalgen blühen.“

Die Kleinalgen in der Ostsee gewinnen manchmal schon im Februar, bei klarem, windstillem Wetter, wieder die Oberhand. Dann kommt es zu einer Erwärmung des Wassers bis in 50 Zentimeter Tiefe, was wiederum zu einer Stabilisierung führt, also dazu, dass die kleinen Algen nicht mehr ständig in die Tiefe gewirbelt werden. Selbst an eisigen Wintertagen kann es so plötzlich zur ersten Algenblüte des Jahres kommen.

Die Schichten der Ostsee

In der Ostsee findet man mehrere Wasserschichten mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Bis in etwa 60 Meter Tiefe besteht sie aus relativ salzarmem Brackwasser, darunter, getrennt durch die sogenannte Salzsprungschicht, deutlich salzigeres Wasser.

Der Dichteunterschied darüber und darunter ist so groß, dass sich die beiden Wasserkörper auch im Winter, bei Wind und Wellen nicht vermischen. Zwar wird die Brackwasserschicht im Winter kräftig durcheinander gewirbelt und auf diese Weise mit frischer Luft versorgt. In den tieferen, salzreichen Schichten funktioniert dieser Mechanismus nicht.

Die tieferen Schichten werden nur bei bestimmten Wetterlagen – starken Ostwinden über mehrere Tage gefolgt von anhaltenden Westwinden - mit Sauerstoff versorgt, wenn bei anhaltenden Westwinden salz- und sauerstoffreiches Wasser aus der Nordsee in die Ostsee einströmt. Das passiert vor allem im Winter.

Quelle: Volker Mohrholz, IOW

Katja Bülow

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