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Rostock Studentenwerk will alte Orthopädie abreißen
Mecklenburg Rostock Studentenwerk will alte Orthopädie abreißen
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00:01 03.06.2017
Die kleine Mensa reicht nicht mehr aus, für einen Neubau soll die alte Orthopädie an der Ulmenstraße abgerissen werden. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Eine neue Mensa mit 400 und eine angrenzende Cafeteria mit 80 Plätzen sowie ein Wohnheim für mindestens 70 Studenten sollen entstehen. Dafür plant das Studentenwerk den Abriss der alten Orthopädie an der Ulmenstraße. Dagegen formiert sich jedoch Widerstand in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt.

„„Ich habe die Aufgabe, eine Mensa und ein Wohnheim zu bauen, aber kein unendliches Budget. Ich glaube nicht, dass der Zustand und die Struktur des Gebäudes das ermöglichen.“Kai Hörig Geschäftsführer Studentenwerk

Die Rostockerin Kristina Koebe und einige Mitstreiter haben im Internet am 31. Mai eine Online-Petition zum Erhalt von Gebäude und Park gestartet. Der Abriss widerspreche auch der Erhaltungssatzung für die KTV, erklärt Kristina Koebe. Bis gestern Nachmittag bekannten sich bereits 137 Unterstützer zu dem Anliegen. Hannes Rother vom Verschönerungsverein sorgt sich vor allem um die alten Bäume und den Park hinter dem Bau. Der Ortsbeirat Kröpeliner-Tor-Vorstadt will sich in der nächsten Sitzung intensiv mit dem Thema beschäftigen.

Es sei nicht das Ziel, „irgendetwas plattzumachen“, versichert Kai Hörig, Geschäftsführer des Studentenwerks. Das Anliegen, das alte Gebäude zu erhalten, kann er nachvollziehen. Dennoch: „Ich habe die Aufgabe, eine Mensa und ein Wohnheim zu bauen“. Das sei durch die millionenschwere Erweiterung des Ulmencampus’ der Universität durch das Land dringend notwendig. Nach Prüfungen musste das Studentenwerk feststellen, dass Zustand und Struktur der alten Orthopädie ungeeignet sind, um die Pläne zu realisieren. „Ich habe auch nur ein begrenztes Budget“, erklärt Kai Hörig.

Kristina Koebe sieht sehr wohl die Notwendigkeit für eine neue Mensa. Ob an dieser Stelle ein Wohnheim nötig sei, wäre zu prüfen. Das Geld scheint ihr allerdings das zentrale Problem. „Es geht ja nicht darum, das Studentenwerk anzuschreien. Ich verstehe die Not“, sagt die KTV-Bewohnerin. Sei das Studentenwerk aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, die Mensa im alten Gebäude unterzubringen, dann müsse das Land unterstützen. „Wir wollen ein kooperatives Miteinander“, hebt Kristina Koebe hervor. Aktuell dränge sich aber der Eindruck auf, dass in Rostock historisches Erbe oft mit der Begründung „Funktionalität“ geopfert werde. „Im Moment wird zu schnell abgerissen.“

Die Stadt prüft bereits den Abriss und der Antrag liegt vor, das geht aus einer Stellungnahme zu einer Anfrage der Bündnisgrünen in der Bürgerschaft hervor. Doch da könnte noch der Denkmalschutz ins Spiel kommen. Beim Landesamt für Denkmalpflege liegt der Antrag einer Einzelperson vor, das 1907 als „Landeskrüppelanstalt“ gebaute Gebäude und den dazugehörigen Park unter Schutz zu stellen. „Das Ensemble hat für die Stadt Rostock sowie darüber hinaus für das Land Mecklenburg-Vorpommern in mehrfacher Hinsicht eine große Bedeutung, die einen Abriss nicht rechtfertigt“, heißt es im Antrag.

Der wurde allerdings abgelehnt teilte gestern Nachmittag das Bildungsministerium mit. „Eine Denkmaleigenschaft konnte nicht nachgewiesen werden.“ Somit würden die Pläne des Studentenwerks nicht beeinträchtigt. Die Stadt hatte eine solche Entscheidung erwartet, wie aus der Stellungnahme auf die Grünen-Anfrage hervorgeht. Alle medizinischen Bauten wurden 2006 untersucht. Schon da wurde das Gebäude als nicht denkmalwürdig angesehen.

Kai Hörig zeigt sich irritiert, dass so lange dem Verfall zugeschaut wurde und niemand aktiv wurde. Seit 2004 steht das Haus leer.„Es wurde umgebaut und überbaut. Das Gebäude ist nicht mehr original.“ Zudem wurde bei Untersuchungen eine Belastung mit Schadstoffen festgestellt. In jedem Fall verspricht Studentenwerk-Chef Hörig, „noch einmal intensiv zu prüfen“. Dann hofft er eine Lösung anzubieten, mit der alle leben können.

Im Augenblick stecke das Projekt noch in einer sehr frühen Phase, betont Kai Hörig. „Wir suchen einen Planer.“ Auf der Internetseite ist die Ausschreibung zu finden. Bekomme das Studentenwerk die Genehmigung, könnte das Gebäude 2018 abgerissen werden. Zwei Jahre später würden Mensa und Wohnheim zur Verfügung stehen. Aus Sicht der Stadtplaner scheint es sinnvoll, das Gelände bis zur Waldemarstraße zusammen zu entwickeln – inklusive Neubau einer Kita und Erweiterung des Horts.

Erst „Landeskrüppelheim“, dann Uni-Orthopädie

Das Gebäude mit der Parkanlage wurde 1907 in Nachbarschaft das Armenarbeitshaus errichtet und beherbergte das 1886 von Herzogin Elisabeth gegründete „Landeskrüppelheim“. 1913 waren 65 Kinder untergebracht. Ab 1919 wurde das Haus von Professor Paul Friedrich Scheel geleitet, dem damals einzigen Facharzt für Orthopädie in Mecklenburg. Das Haus wird umgebaut, um es als Klinik betreiben zu können. 1946 wird das Elisabeth-Heim umbenannt – von nun an beherbergt es den Lehrstuhl für Orthopädie der Universität Rostock. Seit der Zusammenlegung der beiden Frauenkliniken und dem Umzug der Orthopädie in die Doberaner Straße im Jahr 2004 steht das Gebäude leer.

Thomas Niebuhr

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