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Rostock Tabuthema: Trauer im Betrieb
Mecklenburg Rostock Tabuthema: Trauer im Betrieb
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06:00 04.12.2018
Gemeinsam eine Kerze anzünden, irgendwo ein Bild vom Toten aufstellen… für Birgit Lamprecht gibt es viele Wege, mit Trauer umzugehen. Welcher der Richtige ist, muss jeder für sich herausfinden. Quelle: Katja Bülow
Stadtmitte

„Trauer am Arbeitsplatz, das ist ein schwieriger Balanceakt“, versichert die Frau, die sich nach jahrelanger ehrenamtlicher Trauerbegleitung vor fast zwei Jahren selbstständig gemacht hat. Im Job gehe es natürlich vorrangig um Produktivität, darum, etwas zu schaffen. „Und dann kommen da Mitarbeiter, die ein Trauerthema haben. Die sind nicht belastbar, können sich nicht konzentrieren, ermüden schnell, weinen vielleicht sogar...“ Die Unsicherheit, wie man damit umgehen soll, ist meist groß. Aus Angst, ja nichts falsch zu machen, werde um den eigentlichen Kummer gerne ein großer Bogen gezogen. Doch gerade das ist nach der Erfahrung von Birgit Lamprecht der falsche Weg. „Trauer auf den Feierabend verschieben, das geht nun mal nicht.“

Wenn jemand nach einem schweren Verlust wieder zur Arbeit kommt und alle mit ihm umgehen, als wäre nichts geschehen, dann empfinden viele das als eine echte Kränkung, meint sie. Und auch nett gemeinte Bagatellisierungen, wie „das wird schon wieder“ oder „der war doch schon so alt“, seien wenig hilfreich.

Lange schon kümmert sich Birgit Lamprecht um Eltern, die ihre Kinder verloren haben, jetzt hat sie das Thema Trauer im Betrieb als weiteres Schwerpunktthema auserkoren. Sie bietet Firmenleitung, Mitarbeitern und auch den Trauernden selber Unterstützung an. Erstere seien beispielsweise gut beraten, wenn sie sich Gedanken darüber machen, ob der Betroffene voll einsetzbar ist, oder ob er gelegentliche Auszeiten braucht. Im Team gehe es ganz einfach darum, zu sensibilisieren, sich zu fragen: Was würde mir in dieser Situation helfen? „Meist sind das gar keine großen Dinge, sondern simple Gesten. Das Stück Schokolade auf der Tastatur, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit oder einfach mal eine Hand auf der Schulter.“

Eine schwierige Begleiterscheinung: Die Trauer eines Kollegen führt nicht selten dazu, dass auch bei anderen Mitarbeitern unverarbeitete Schicksalsschläge an die Seelenoberfläche kommen. Auch darauf müsse ein Betrieb vorbereitet sein. Und nicht zuletzt richtet sich Birgit Lamprecht auch an die Trauernden selber. Denn deren Aufgabe sei es, ihrer Umwelt mitzuteilen, welche Art von Anteilnahme ihnen wirklich gut tut. „Ansonsten ziehen sie sich immer weiter zurück und die Kollegen fragen sich, was sie falsch gemacht haben.“

„Trauer“ - laut Herkunftswörterbuch ist der Begriff ursprünglich verwandt mit dem altenglischen „drüsian“ - sinken, matt, kraftlos werden. Für Birgit Lamprecht dagegen hat er einen ganz anderen Ursprung: „Ich glaube, es hat etwas mit ,sich trauen‘ zu tun. Es ist eine Wahnsinns-Stärke, Trauer wirklich zuzulassen. Da kämpfen ganz starke Gefühle miteinander und es ist gar nicht so leicht, sich dem zu stellen.“ In ihrer Beratung will sie auch Unternehmen dazu ermuntern, Stärke zu zeigen. Wobei sie betont: „Ich bin Trauerbegleiterin. Wenn wirklich psychologische Betreuung notwendig ist, muss ich an andere Spezialisten weiterverweisen.“

Katja Bülow

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