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Rostock Uni Rostock will wissen: Wie geht es den Versuchstieren?
Mecklenburg Rostock Uni Rostock will wissen: Wie geht es den Versuchstieren?
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08:10 23.10.2018
In einem Labor wird eine Labormaus für einen Versuch vorbereitet. Tierversuche sind umstritten. Quelle: Jan-Peter Kasper/dpa
Rostock

Naturwissenschaftler sind sich meist einig, dass Forschung in der Medizin oder Pharmazie ohne Tierversuche nicht auskommt. Genauso einig sind sie sich, dass den Tieren so wenig wie möglich Leid zugefügt werden darf. „Das Problem ist, dass wir bislang kaum erkennen können, wie es den Tieren geht“, sagt Brigitte Vollmar vom Rudolf-Zenker-Institut für Experimentelle Chirurgie an der Universitätsmedizin Rostock. Das soll sich ändern.

Mit einer Kombination aus Verhaltensbeobachtungen und Messung von physiologischen Parametern wollen in Deutschland und der Schweiz arbeitende Forschergruppen die Belastungen der Tiere über objektive Parameter einschätzen. „Wir wollen einen international gültigen Standard etablieren.“ Mit einfachen Methoden sollen dann Aussagen über das Wohlbefinden der Tiere getroffen werden.

Der Gesetzgeber schreibe vor, dass vor Tierversuchen die mögliche Belastung der Tiere eingeschätzt werden. Dazu gibt es vier Kategorien, die von keiner bis hin zu schwerer Belastung reichen. Die Hürden für Tierversuche seien in den vergangenen Jahren höher geworden. „Es ist richtig, dass wir gezwungen sind, die Belastung einzuschätzen, um eine ethische Abwägung gegenüber dem Erkenntnisgewinn machen zu können“, bekräftigt Vollmar. Ziel sei es, Beeinträchtigungen weiter zu reduzieren. „Wir widmen uns mit hoher Empathie dem Tierschutz.“

44.000 Tiere in einem Jahr

Der Bedarf ist groß. Alleine im Nordosten wurden 2016 mehr als 44.000 Tiere in Versuchen eingesetzt - nicht nur Säugetiere, auch Fische. Nach Angaben des zuständigen Landesamts fanden die meisten Versuche an den beiden Universitäten Rostock und Greifswald sowie an den Forschungsinstituten für Tiergesundheit auf der Insel Riems und für Nutztierbiologie in Dummerstorf statt. Auch Firmen testen Impfstoffe und andere Medizinprodukte an den Tieren, bei denen es sich überwiegend um Mäuse handelte.

Nun versuchen die Forscher in Rostock, über das natürliche Verhalten der Tiere - in Rostock sind es Ratten und Mäuse - Rückschlüsse auf deren Belastung zu ziehen. Sie verstecken beispielsweise Futter in speziellen Röhren und lassen die Tiere danach buddeln. Je intensiver das vorangeht, desto besser geht es dem Tier, sind die Forscher überzeugt. Das Gleiche gelte beim Nestbau: Wenn die Tiere in ihrem Käfig etwa Watte zur Verfügung bekommen, werden sie sofort anfangen, das Material zu verbauen. Tiere, die eine hohe Belastung empfinden, werden das nicht tun. Und je wohler sich ein Tier fühle, desto mehr interessiere es für die Umgebung oder pflege sich.

„Es ist notwendig, auf diesem Gebiet weiter zu forschen“, betont Bettina Kränzlin. Sie ist Präsidentin der Gesellschaft für Versuchstierkunde mit Sitz in Marburg und begrüßt die bundesweiten Anstrengungen der Forscher. Seit vielen Jahren werde versucht, das Verhalten der Versuchstiere einzuordnen. Auch die Genehmigungsverfahren forderten diese Einordnung ein. Mit den Buddeltests kämen die Wissenschaftler auch weiter, wichtig seien jedoch harte biochemische Parameter. Davon gebe es nicht so viele.

Ausschüttung von Stresshormon liefert Anhaltspunkt

Dies ist der Arbeitsgruppe um Vollmar gelungen, sie kann das Verhalten mit physiologischen Parametern in eine direkte Verbindung setzen. Einer der Werte ist das Corticosteron, ein Stresshormon, das bei Angst oder Schmerzen ausgeschüttet wird. Die Forscher konnten zeigen, dass Einschränkungen von Nestbau und Buddelverhalten mit einem erhöhten Corticosteron-Spiegel einhergehen. Die Ergebnisse aus Rostock fließen mit denen der anderen Arbeitsgruppen zusammen. Vollmar hofft, dass bis 2020 ein Katalog vorliegt, der es ermöglicht, die Belastungen von Versuchstieren objektiv einschätzen zu können.

RND/dpa

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