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Rostock Tourismus-Käpt’n geht von der Brücke
Mecklenburg Rostock Tourismus-Käpt’n geht von der Brücke
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00:01 15.08.2017
Roman Ferken (links) folgt Bernd Kuntze als Kurdirektor von Graal-Müritz nach. Der 15. September ist der letzte Arbeitstag des 65-jährigen Kuntze. Seinen Nachfolger arbeitet er seit Mitte Juli ein. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Graal-Müritz

Chef geht. In der Tourismus- und Kur GmbH (TuK) Graal-Müritz nennen ihn alle nur „Chef“. Mit Hochachtung und großem Respekt. „Wir schätzen ihn sehr. Er macht den Job mit großem Engagement und viel Leidenschaft“, sagt Verwaltungsleiterin Dr. Benita Chelvier, die sechs Jahre lang Tür an Tür mit „Chef“ gearbeitet hat. „Er hat ein gutes Händchen, wenn es darum geht, das Beste aus den Mitarbeitern herauszuholen und sie gleichzeitig wertzuschätzen“, ergänzt Doris Rosengarten, Teamleiterin im Veranstaltungsbereich.

„Wir liegen in der Bettenauslastung an der Spitze in Mecklenburg- Vorpommern. Frank Giese Bürgermeister von Graal-Müritz

Nun geht Dr. Bernd Kuntze, Geschäftsführer der TuK, nach 18 Dienstjahren in den Ruhestand. Der 15. September ist der letzte Arbeitstag des 65-Jährigen. Seinen Nachfolger arbeitet er seit Mitte Juli ein. Roman Ferken übernimmt das Tourismusruder auf der Graal-Müritzer Seebrücke. Der 47-Jährige kommt aus der Hotel- und Gastro-Branche und hat zuletzt 13 Jahre lang das Steakrestaurant „Block House“

in Rostock geleitet. Von 43 Bewerbern für das Amt erhielt Ferken die Zustimmung der TuK-Gesellschafter.

1,2 Millionen Übernachtungen und 180000 Gäste

Die Fußstapfen, in die der Neue tritt, sind groß. 1,2 Millionen Übernachtungen, 180000 Gäste zählt das Ostseeheilbad heute, doppelt so viele wie bei der Amtsübernahme von Kuntze. Die war 1999, und der gebürtige Thüringer sollte die defizitäre kommunale Kurverwaltung in ein stabiles privates Wirtschaftsunternehmen überführen. „Skeptiker haben der GmbH eine Pleite in nur drei Jahren vorausgesagt“, erinnert sich Kuntze.

Doch sie haben sich geirrt, nicht mit dem Ehrgeiz des studierten Sport- und Geschichtslehrers gerechnet, der nach der Promotion noch bis 1993 Sportlehrer an der Universität Rostock ausgebildet hat.

Kuntze kam als Seiteneinsteiger zum Tourismus, hatte sich zum Hotelmanager weitergebildet und war bis 1999 vier Jahre lang im Grandhotel Graal-Müritz, später Ifa-Hotel, für Marketing verantwortlich.

Als TuK-Chef hat er für Graal-Müritz eifrig die Werbetrommel gerührt und das Ostseeheilbad „durch viel Marketing“ bekannter gemacht.

Die Bettenzahl erhöhte sich von 5000 im Jahr 1999 auf heute 8200. Dabei sei es in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde immer darum gegangen, „keine Massenansiedlungen von Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen“ zuzulassen. „Wir haben den Bettenzuwachs im Vergleich mit anderen Seebädern moderat gehalten“, stimmt Bürgermeister Frank Giese zu. „Unser Anspruch ist eine gute Auslastung der Kapazitäten“, sagt der Rathauschef und sieht sich in diesem Bemühen bestätigt: „Wir liegen in der Bettenauslastung an der Spitze in Mecklenburg-Vorpommern.“ Auch ein Mit-Verdienst Kuntzes. „Er hat die TuK sehr souverän und erfolgreich geführt“, lobt der Bürgermeister, der mit Kuntze eine „immer sehr direkte und vertrauensvolle Zusammenarbeit“ gepflegt habe.

Graal-Müritz befinde sich ständig im Spagat zwischen Tourismuszentrum und Kurort mit sieben Kurkliniken, beschreibt es Kuntze. 1960 habe Graal-Müritz als erster Ort in der DDR den Status Ostseeheilbad verliehen bekommen, dieser wurde 1998 für weitere 30 Jahre erneuert. „Die einen wünschen also Ruhe und Entspannung, genießen die Natur und unseren sechs Kilometer langen Strand“, erklärt Kuntze, „die anderen, vor allem Jüngeren, wollen Action.“ Mit Angeboten für Großeltern mit Enkeln, Veranstaltungen im Rhododendronpark, dem alljährlichen Moorfest, das 1999 von Anwohnern der Strandstraße initiiert wurde, und vielen anderen Aktionen das ganze Jahr über versucht die TuK, allen Altersgruppen und den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Dennoch warnt der scheidende Tourismuschef davor, sich „nicht zu verzetteln“. Graal-Müritz müsse sein Profil schärfen, Alleinstellungsmerkmale fördern. Und die sieht Kuntze beispielsweise im Gesundheitssegment. „Wir haben uns als Gesundheitsort etabliert, haben mit sieben Kurkliniken medizinische Kompetenzen, die Hotels noch viel mehr nutzen können.“ Kuntze rät, Netzwerke zu schaffen und die „Gesundheitskarte“ besser auszuspielen.

Graal-Müritz könnte Gesundheitszentrum werden

Ein Thema, dass Nachfolger Ferken gern aufgreift. „Wir sollten Graal-Müritz zu einem modernen Gesundheitszentrum entwickeln. Wir haben Traditionen, Kompetenzen und gute natürliche Gegebenheiten“, bemerkt Ferken, der seit 1983 im Ostseeheilbad zu Hause ist, Hotels in Rostock und Greifswald waren Zwischenstationen.

Auch die Anregung von Kuntze, über die historischen Persönlichkeiten den Bekanntheitsgrad von Graal-Müritz zu erhöhen, nimmt der künftige TuK-Chef auf. „Wir hatten hier bekannte Literaten wie Kafka, Fallada, Kästner, Kempowski. Graal-Müritz war eine Künstleroase, da lässt sich viel mehr draus machen, als bisher geschehen“, ist Kuntze überzeugt. Doch dafür müsse Geld in die Hand genommen werden, die Gemeinde müsse sich entscheiden, „wo sie einmal hin will“.

Kuntze will im Ruhestand zunächst an die italienische Amalfiküste, „zwei Wochen Urlaub machen“. Dann freue sich der Garten in Rostock, „mich öfter zu sehen“. Außerdem warten vier Enkelkinder und die kleinen Handballerinnen des TSV Rostock, die der 65-Jährige seit Februar trainiert. An Graal-Müritz hänge sein Herz, gesteht der Rostocker. „Sie kommen doch ab und zu mal vorbei, ’ne Chef“, sagt Benita Chelvier, „vielleicht als Moorgeist.“ Auf jeden Fall. Er werde Vorträge halten, Orts- und Moorführungen machen.

Sein Nachfolger werde einen guten Job machen, ist Kuntze überzeugt. „Er saugt derzeit alles auf wie ein Schwamm, muss viel kennenlernen, aber dann seinen eigenen Weg finden.“ Ferken bezeichnet den TuK-Chef als „guten Lehrmeister“ und kündigt an: „Ich werde nichts auf Kraft durchdrücken, wir machen gemeinsam die Reise.“ Als Fußballer in der Graal-Müritzer Alte-Herrenmannschaft und Stand-up-Paddler hat auch der Neue sportlichen Ehrgeiz.

Doris Deutsch

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