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Rostock Tourismuschef wirbt für privates Magazin
Mecklenburg Rostock Tourismuschef wirbt für privates Magazin
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00:00 09.03.2013
Die Einladung zur Pr�sentation eines neuen Magazins durch die Tousimusmarketing-Gesellschaft wird kritisiert.
Stadtmitte

Greift ein städtisches Unternehmen unzulässig in den Markt ein? Genau diese Frage muss sich Matthias Fromm, Direktor der Tourismuszentrale und Geschäftsführer der Rostocker Gesellschaft für Tourismus und Marketing (RGTM), dieser Tage gefallen lassen. Die kommunale RGTM hat zur Präsentation eines neuen Magazins mit dem Titel „Der Rostock & Warnemünde Navigator“

eingeladen — was bei den Teilnehmern der Veranstaltung zu Unmut führte. Grund: Der Anbieter ist ein privater.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rostock liegen mehrere Beschwerden vor, wegen Eingriffs „eines kommunalen Unternehmens in den privatwirtschaftlichen Bereich“. Das bestätigt IHK-Sprecherin Sabine Zinzgraf. Inzwischen habe es ein Gespräch mit RGTM-Geschäftsführer Matthias Fromm gegeben. Nach einer schriftlichen Stellungnahme, um die gebeten wurde, werde es eine Bewertung der IHK geben, man werde mit jenen sprechen, die das Vorgehen angeprangert haben.

Eine Beschwerde über den gesamten Vorgang sei inzwischen auch bei ihr auf dem Tisch gelandet, erklärt Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU). Auch sie wünsche Aufklärung. Eine solche Einladung, um für ein privates Produkt zu werben, halte sie für problematisch.

Nach OZ-Informationen soll der Tourismusdirektor bei der umstrittenen Veranstaltung erklärt haben, dass die RGTM nicht als Herausgeber des neuen Blattes fungiere und die Verantwortung dafür bei einer Agentur liege. In der Einladung zur Präsentation heißt es aber, dass der „Navigator“, das bisherige Veranstaltungsheft „Was? Wann? Wo?“ ersetzen solle — auf „Initiative von Rostock Marketing“ und „in neuem Format und ansprechender Qualität“.

Matthias Fromm selbst befindet sich derzeit bei der Reisemesse ITB, um für die Hansestadt Rostock und ihr Seebad Warnemünde zu werben. Per Mail teilt er mit, dass er sich erst nach der Rückkehr aus Berlin äußern wolle. Die Antwort auf die Frage, wieso die Rostocker Tourismusmarketing-Gesellschaft die Werbetrommel für das private Magazin rührt, bleibt Fromm damit bislang schuldig.

Klärende Worte wird er voraussichtlich aber auch dem Aufsichtsrat seiner Gesellschaft liefern müssen, der sich nach Aussage von Mitglied Anke Knitter (SPD) noch nicht mit dem Thema befasst hat. Wenn eine städtische Gesellschaft für ein privates Produkt werbe, sei das nicht in Ordnung, sagt Knitter und kündigt an, den Vorwürfen nachgehen zu wollen.

Die RGTM wurde Mitte 2010 gegründet, um die Privatwirtschaft an den Kosten für das Tourismusmarketing zu beteiligen und die Einführung einer Fremdenverkehrsabgabe zu verhindern. Zunächst war sie eine hundertprozentige Tochter von Rostock Business. Im November entschied die Bürgerschaft, die Gesellschaft ab Januar 2013 unter dem Dach der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding (RVV) zu führen.

Nach Angaben Matthias Fromms hat die RGTM derzeit 340 Partner aus der Tourismuswirtschaft.

Fehlendes Fingerspitzengefühl
Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht an dieser Stelle überhaupt nicht um privatwirtschaftliches Engagement. Wer den Mut hat, mit einem neuen Produkt an den Markt zu gehen, der weiß, welches Risiko er eingeht — egal in welcher Branche. Was jedoch nicht sein darf, ist Starthilfe eines städtischen Unternehmens, die dann vielleicht zu Lasten Dritter geht. Die haben dann jedes Recht, sich zu beschweren. Ob bewusstes oder grob fahrlässiges Handeln, sei dahingestellt. Ein städtischer Angestellter — das ist ein Tourismusdirektor und Marketing-Geschäftsführer in Rostock nun mal — sollte an dieser Stelle mehr Fingerspitzengefühl beweisen. Sonst gerät er schnell in den Verdacht, dass auch anderes vielleicht nicht mit rechten Dingen zugeht. So dass dann ganz genau hingeschaut wird. Es existieren genug Beispiele in Deutschland, dass Mauscheleien schnell mal in der Öffentlichkeit landen und jemandem auf die Füße fallen.

Thomas Niebuhr

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