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Rostock „Trabanten“ für das eigene Glück
Mecklenburg Rostock „Trabanten“ für das eigene Glück
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16:40 02.12.2017
Im Sommer fährt Marco Schlie fast jeden Tag mit einem seiner Oldtimer durch das Rostocker Umland. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Der Lack glänzt, sodass man sich spiegeln kann. Die Armaturen haben diesen besonderen Geruch, und die Polster des hellblauen Trabant 600 aus dem Jahr 1964 laden dazu ein, es sich für eine Tour auf ihnen gemütlich zu machen. Neben dieser Rarität pflegt und restauriert Marco Schlie eine reiche Sammlung von Kultautos, die in der DDR produziert wurden.

Marco Schlie pflegt eine Sammlung von Oldtimern, die in der DDR produziert wurden. Recherche, Restauration und Trabbi-Treffen: Das Hobby kostet viel Zeit, doch das zahlt sich aus. Denn „Sammler sind die glücklicheren Menschen“, sagt der Rostocker.

Trabi, Wartburg und Co.: Die IFA Freunde Rostock erhalten die Kultobjekte für die Nachwelt. Wir haben einen ihrer Schrauber mal besucht. http://bit.ly/2kgUGMo

Gepostet von Ostsee-Zeitung Rostock am Samstag, 2. Dezember 2017

„Ich habe Anfang der 90er meinen ersten Trabant von meinem gesparten Jugendweihegeld bezahlt“, erzählt Marco Schlie. Eines Abends, als er gerade von einem Auftritt als DJ zurückkommt, steht sein Schmuckstück aber nicht mehr auf der geparkten Stelle. „Einen Parkplatz weiter fand ich das Auto dann komplett ausgeschlachtet“, sagt der selbstständige Büroeinrichter. Doch damit nicht genug: „Mein zweiter Trabant war eine 1981er bali-gelbe Genex-Limousine, die ich einer alten Dame für einen Euro abgekauft habe. Die habe ich dann nach einem Ausflug in den Studentenkeller kaputt gefahren“, sagt Schlie und schämt sich auch heute noch etwas dafür.

DDR-Autokultur für die Nachwelt erhalten

Sowohl diese traumatischen als auch positive Kindheitserfahrungen, etwa auf dem Rücksitz von Opas Trabi, haben in dem Familienvater etwas ausgelöst: eine Sammelleidenschaft, die viel Zeit und auch Raum einnimmt. „Ich möchte etwas von dem ostdeutschen Kulturgut für die Nachwelt erhalten“, sagt Schlie.

Heute hat er in mühsamer Arbeit eine unscheinbare Halle aufgebaut, in der sich eine Vielzahl von Fahrzeugen befindet. „Das Älteste ist ein 1957er Wartburg 311, ein ganz seltenes Stück, welches lange Zeit in Finnland gefahren wurde“, sagt der 41-Jährige. Ein Sammler holte das Auto zurück, bevor Schlie ihm ein Angebot machte, das der Inhaber nicht ablehnen konnte.

Alles muss original sein

Die Leidenschaft für die alten Fahrzeuge teilt er mit den rund 30 Mitgliedern der Fan-Clubs „Ifa-Freunde“ und „Ifa-Kollektiv ROS“. Hier übernimmt der Büroeinrichter einen großen Teil der Organisation und Verwaltung. Während viele Vereinigungen die Fahrzeuge tunen und Sonderbauten fertigen, legen Schlie und seine Schrauberfreunde Wert auf Originalität. So werden nur Bauteile verwendet, die auch wirklich für die Fahrzeuge vorgesehen waren. Solche Elemente zu finden, kann dauern und Nerven kosten.

An einer kahlen Karosse des Wartburg 311 Coupé schraubt Schlie nun schon seit zehn Jahren. Das Langzeitprojekt soll „bald“ fertig sein, und das bedeutet im Kosmos des geduldigen Schraubers in zwei Jahren. Denn Beruf und Familie lassen nur wenig Raum für die Leidenschaft. „Zwei Abende die Woche schaffe ich es, mich um die Oldtimer zu kümmern“, sagt Schlie.

Ein Museum – nur für Freunde und Familie

Eintritt in sein „Museum“ erhalten nur Freunde und Familie. Ansonsten bekommt man seine Raritäten bei Trabi-Treffen, Ausstellungen oder in Film- und Werbeproduktionen zu Gesicht. Und nicht selten kommt es danach vor, dass er Anrufe mit Angeboten für seine Autos erhält. „Der Preis ist egal“, bekommt er zu hören. Er lehnt dann zufrieden ab, weiß um den Wert seiner Arbeit und macht sich auf die Suche nach seinem nächsten Oldtimer.

Die OZ sucht schöne Trabi-Geschichten

Wenn auch Sie, liebe Leser, Trabi-Fahrer waren, melden Sie sich bei uns. Wir sind gespannt auf Ihre Geschichte und Ihre Fotos. Schicken Sie uns gerne historisches Bildmaterial, auf dem Sie und Ihr Trabi zu sehen sind.

Bilder und Texte einfach über die Funktion FOTO HOCHLADEN unter dem Artikel schicken, per Post an OSTSEE-ZEITUNG, Ressort MV/Reportage, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock, Stichwort: Trabi oder per E-Mail an: leserreporter@ostsee-zeitung.de

Moritz Naumann

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