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Rostock Traum vom eigenen Land lockte die Menschen in die USA
Mecklenburg Rostock Traum vom eigenen Land lockte die Menschen in die USA
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00:59 02.05.2018
New York war das wichtigste Ziel der europäischen Auswanderer. Von 1882 bis 1954 wurden die Immigranten auf Ellis Island vor der großen Metropole in Empfang genommen. Sie passierten zunächst die große Ankunftshalle. Heute ist das Gebäude ein Museum. Quelle: Foto: Ralph Latteck

Auf den mecklenburgischen ritterschaftlichen Gütern bestimmte der Eigentümer seit Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1820, wem er einen Arbeitsplatz anbot und wann er Arbeiter wieder entließ. Die Arbeitssuche in den landwirtschaftlichen Betrieben anderer Domanialdörfer verlief für Tagelöhner meist ergebnislos, weil auch hier ein Überschuss an Personal bestand. Eigenes Land konnten die Tagelöhner und Knechte nicht erwerben, und in den Städten erhielten sie nur schwer eine Erlaubnis für eine Niederlassung, denn hier ließ der Niedergang von Kleingewerbe ebenfalls viele Handwerker kaum Arbeit finden. Obwohl sich die Industrie in Deutschland in diesem Zeitraum rasant entwickelte und neue Erwerbsmöglichkeiten bot, lebte der größte Teil der Menschen noch auf dem Lande unter extrem schlechten Bedingungen und ohne Perspektive. Das erklärt eine höhere Auswanderungszahl aus ritterschaftlichen Dörfern als aus Städten und Domanialdörfern im Besitz des Landesherren.

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Für viele Mecklenburger begann das Abenteuer Auswanderung in Hamburgs Hafen

Der Autor

Dr. Jürgen Jahncke, geboren 1938 in Bad Doberan, lebt in Kühlungsborn. Bis 1990 war er Lehrer und unterrichtete Deutsch und Sport. Im Ruhestand wandte er sich lokalhistorischen Forschungen zu und wurde Autor. Zwölf Bücher und viele einzelne Beiträge hat er bisher veröffentlicht.

So lag es nahe, sich in der Fremde ein Leben nach eigenen Vorstellungen aufzubauen. Die Auswanderung nach Nordamerika schien besonders verlockend. Man warb mit höheren Löhnen für Arbeiter und garantierte niedrige Preise für den Erwerb von Grund und Boden. Gerade Letzteres war für viele Emigranten aus Mecklenburg mit dem Wunsch, eigenes Land zu bewirtschaften, außerordentlich anziehend.

Zudem förderten private Kontakte zu bereits zufriedenen Ausgewanderten den Entschluss, ihnen zu folgen. Häufig handelte es sich um Auswanderung im Familienverband oder um eine sogenannte Nachwanderung sowie um Nachzug von Angehörigen bzw. von Freunden. Junge Menschen wanderten oft in Gruppen aus Abenteuerlust aus.

In den Listen der ersten Auswanderungswelle von 1863/1865 fanden sich neben den Knechten Peters, Rohde, Schweder und Rehn aus Satow auch auffällig viele junge Männer und Frauen aus den Gemeinden Rakow (Lange, Anna; Schmidt, Carl) und Teßmannsdorf (Lange, Sophie; Lange, Emil; Lange, Wilhelm) mit der Berufsbezeichnung Knecht. Auch die Brunshauptener (so hieß damals Kühlungsborn Ost) Johann Westphal, geboren 1836 (Knecht), Sophie Westphal, geboren 1837, unverheiratet, Georg Westphal, geboren 1842 (Knecht), gehörten in diesem Zeitraum zu den Auswanderern. In den Listen der Auswanderer aus Mecklenburg in diesem Zeitabschnitt überwogen Berufsangaben wie Knecht, Tagelöhner und Arbeitsmann. Nachzulesen sind Angaben wie Kuhhirte, Müllergeselle, Schäfer und Gärtner sowie Tischler-, Stellmacher- und Schneidergeselle; ja sogar Lehrling war aufgeführt. Die damals Ausgewanderten hatten sich auch nicht durch Warnungen vor den Gefahren des in Amerika herrschenden Krieges zwischen den Nord- und Südstaaten abschrecken lassen. Die zweite große Ausreisewelle fand in den Jahren 1880 bis 1883 statt. Eine Notiz im „Rostocker Anzeiger“ vom 27. Oktober 1882 gestattet eine ungefähre Vorstellung über die große Zahl der Auswanderer aus hiesiger Gegend in diesem Zeitraum. „Mit den Morgenzügen fuhren an den beiden letzten Tagen etwa 150 Auswanderer aus der Gegend von Tessin nach Hamburg, um von dort die Reise übers Meer nach Nordamerika anzutreten. Wie uns mitgeteilt wird, sind zum Frühzug am Montag bereits wieder etwa 250 Personen aus der Gegend von Sülz

angemeldet, welche ebenfalls nach Amerika auswandern wollen.“ Nach einer Veröffentlichung im „Ostsee-Boten“ vom 26. Januar 1884 betrug im Jahre 1883 die Gesamtzahl der deutschen Auswanderer nach Übersee 166119, davon stammten allein aus dem Herzogtum Mecklenburg-Schwerin 4779 Personen.

Diese zweite große Ausreisewelle aus Mecklenburg war vorrangig mit dem zeitgleichen wirtschaftlichen Aufschwung der Vereinigten Staaten von Nordamerika und der Stagnation der Entwicklung in den Großherzogtümern Mecklenburgs zu erklären. Hauptsächlich fanden sich folgende Berufsgruppen unter den Auswanderern: Landarbeiter, Tagelöhner, kleinstädtische Handwerker, Handwerkergesellen, denen das Geld für eine Meisterprüfung fehlte. Zu ihnen zählten aber auch Kaufleute, Juristen und Pastoren. Der Reichskommissar für Auswanderung schrieb in seinem Bericht: „Die im Jahre 1881 aus den deutschen Häfen beförderten Auswanderer schienen ihrer äußeren Erscheinung nach fast durchgängig einer bemittelteren Klasse als die Auswanderer früherer Jahre anzugehören.“ Das traf für etwa 20 Prozent der Auswanderer zu, die mit einem Billet befördert wurden, das bereits von Verwandten oder Freunden in Nordamerika bezahlt worden war. Insgesamt verließen gut fünf Millionen Menschen Europa zwischen 1850 und 1934 über den Hamburger Hafen.

Die Fahrt über den Atlantik war gefährlich

Die Reise über den Atlantischen Ozean war für ungezählte Auswanderer eine kaum vorstellbare Strapaze und zuweilen lebensgefährlich. Die Fahrt mit einem Segelschiff kostete zwar weniger als mit einem Dampfschiff, doch man benötigte für die Passage oft sogar mehr als drei Wochen. Das Zwischendeck dieser Schiffe diente als Aufenthalts-, Schlaf- und Essensraum zugleich, die Verpflegung fiel karg aus. Die Reeder berechneten auf den Segelschiffen für vier Erwachsene einen Raum von 1,80 x 1,80 Meter. Auf See drohte Lebensgefahr durch Sturm, Feuer an Bord oder Kollision mit anderen Schiffen aber auch durch ansteckende Krankheiten. Nicht alle Segel- und Dampfschiffe erreichten ihr Ziel.

Das Dampfschiff „Austria“ der HAPAG sank auf der Reise von Hamburg nach New York nach Feuer an Bord am 13. September 1858 vor den Neufundlandbänken. Bei der Katastrophe starben 465 Menschen, nur 85 konnten gerettet werden. Der Untergang dieses Schiffes zählt zu den verheerendsten Seeunfällen zur Zeit der Auswanderung nach Amerika.

Arme waren nicht willkommen

1884 häuften sich Mitteilungen aus Amerika, in denen von der Zurückweisung bestimmter Einwanderer durch die amerikanischen Behörden berichtet wurde. Das las sich am 4. Oktober 1884 im „Ostsee-Boten“, einer in Kröpelin erscheinenden Zeitung, so: „Auf dringendes Verlangen der New Yorker Armenverwaltung hat die dortige Einwandererkommission wiederholt europäische Einwanderer auf die Schiffe, mit denen sie hinübergekommen waren, zurückgeschickt, weil dieselben sich über ihre Erwerbsfähigkeit nicht gehörig ausweisen konnten.“ Ob sich davon jemand abschrecken ließ, ist nicht überliefert.

Jürgen Jahncke

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