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Rostock Traum von den eigenen vier Wänden – Bauland wird knapp
Mecklenburg Rostock Traum von den eigenen vier Wänden – Bauland wird knapp
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19:19 15.05.2018
Stefanie Glockzin (33) mit Amelie (6) und Marcel Günther (32) mit Piet (1) haben sich den Traum von den eigenen vier Wänden in Sanitz erfüllen. Drei Jahre lang haben sie nach einem Grundstück gesucht. Quelle: Frank Söllner

Grundstücke sind in Rostock heiß begehrt. Für Einfamilienhäuser gibt es aktuell jedoch keine verfügbaren Flächen mehr, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Den Schwerpunkt legen die Stadtplaner derzeit auf den Bau von Mehrfamilienhäusern. 120 000 Wohnungen gibt es in Rostock, davon sind nur 13 000 in Ein- und Zweifamilienhäusern.

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Der Bauboom in Mecklenburg-Vorpommern hält an. 2017 wurden landesweit 6827 neue Wohneinheiten genehmigt, so viele wie zuletzt 2004. Jede dritte Wohnung wird dabei als Eigenheim errichtet. Die große Nachfrage sorgt für steigende Baukosten.

Bis 2023 könnten insgesamt 9600 neue Wohneinheiten entstehen, davon 6710 im Rahmen der Bebauungspläne, knapp 2000 auf kommunalen Flächen im unbebauten Innenbereich und etwa 1000 Wohnungen auf Privatflächen im unbeplanten Bereich, heißt es von der Stadt. Das bedeutet aber nicht, dass in den kommenden Jahren keine Einfamilienhäuser mehr gebaut werden. So gibt es momentan Planungsrecht für insgesamt 120, davon 20 in Diedrichshagen, 50 im Dorf Toitenwinkel und 50 im Wohngebiet Kalverrad. „Wir gehen davon aus, dass diese Häuser auch 2018 fertiggestellt werden“, sagt Kunze. Nach Angaben des Stadtplanungsamtes könnten im kommenden Jahr noch je 50 Einfamilienhäuser in der Neubrandenburger Straße und im Kiefernweg entstehen, 2020 weitere 200 Einfamilienhäuser im Kiefernweg und 150 im Melkweg.

„Für 2021 rechnen wir derzeit mit weiteren 80 Einfamilienhäusern an der oberen Warnowkante in Gehlsdorf und 100 weiteren im Melkweg“, verrät der Stadtsprecher. Die Pläne für einen neuen Stadtteil mit dem Namen „Groß Biestow“ mit viel Platz für Häuslebauer verschwanden erst einmal wieder in der Schublade.

Sehr zum Unwillen von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) planen die Nachbargemeinden indes neue Wohngebiete. Erst Anfang des Jahres hatte Methling Klage gegen die Gemeinden Rövershagen und Nienhagen eingereicht, die an ihren Plänen zur Erschließung neuer Baugebiete festhalten. Der Gang zum Oberverwaltungsgericht war die Eskalation eines lange schwelenden Streits zwischen Rostock und 17 Umlandgemeinden. Methling wollte den Gemeinden untersagen, neue Baugebiete auszuweisen – ohne Ausgleichszahlungen an die Hansestadt. Der Grund: Die Einwohner des Umlandes würden viele Einrichtungen der Stadt nutzen, die Kosten würden aber lediglich Rostocker Steuerzahler tragen.

Der bisherige Raumentwicklungsplan sieht vor, dass einige Gemeinden bis 2021 ohne die Zustimmung Rostocks nur bis zu drei Prozent wachsen dürfen. Allerdings wird an dieser Klausel seit Wochen heftig gebastelt.

In anderen stadtnahen Gemeinden wird unterdessen fleißig gebaut. In Sanitz beispielsweise werden bis 2021 vier Wohngebiete mit etwa 140 bis 150 Grundstücken erschlossen und zur Vermarktung angeboten, teilt Ralf Höring, Fachbereichsleiter der Bau- und Grundstücksverwaltung der Gemeinde mit. Aktuell entwickelt wird das Wohngebiet „Sülzer Straße“ in Sanitz. Erschließungsträger ist die Stäbelower Entwicklungsgesellschaft. Die insgesamt 47 Grundstücke werden zwischen 600 und 800 Quadratmeter groß. Ein knappes Jahr hat die Stadt Tessin für die Erschließung ihres jüngsten Wohngebietes benötigt. Ende Mai wird „Am Spälbarg“ an die Häuslebauer übergeben. 42 Baugrundstücke entstehen auf dem 3,6 Hektar großen Gelände. 21 sind bereits verkauft, neun reserviert. Der Preis für das voll erschlossene Bauland beträgt 90 Euro pro Quadratmeter. Tessins Bürgermeisterin Susanne Dräger freut sich über die große Nachfrage. „Wir haben Rückkehrer, junge Familien, die sich nach Ausbildung und ersten Berufsjahren wieder in Tessin ansiedeln wollen.“ Aber auch ältere Menschen würden in der Recknitzstadt mit guter Infrastruktur in Wohneigentum investieren.

Bentwisch plant ein Wohngebiet mit 50 Grundstücken, auch Kritzmow hat fertige Pläne in der Schublade. In der Stadt Schwaan gibt es derzeit keine erschlossenen Baugrundstücke. Im Moment werde das Baugebiet Vorbecker Landweg West/Böhlenrade überplant, sagt Bürgermeister Mathias Schauer. Die Erschließung solle voraussichtlich 2019 beginnen, „sodass dann wieder etwa 50 Baugrundstücke in Schwaan zur Verfügung stehen“.

XXL-Wohngebiet in Doberan

250 neue Grundstücke entstehen aktuell auf dem erweiterten Kammerhof in Bad Doberan – sie sind fast alle verkauft. Die Grundstückspreise bewegen sich zwischen 120 und 140 Euro pro Quadratmeter. Damit leben in der Münsterstadt künftig gut 13 000 Einwohner – Rekord.

Der Bedarf an Wohnraum ist damit noch längst nicht gedeckt. Deshalb sucht die Stadt weiter nach geeigneten Flächen – und ist offenbar an der Nienhäger Chaussee fündig geworden. Demnach könnten auf der aktuell noch unbebauten, etwa 2,5 Hektar großen Ackerfläche 24 Grundstücke für Einfamilienhäuser entstehen.

„Diese Parzellen haben eine Größe zwischen 500 und 700 Quadratmetern“, erklärt Norbert Sass, Leiter im Amt für Stadtentwicklung. „Der Bebauungsplan sieht hier eine ein- oder zweigeschossige Bauweise vor – Ferienwohnungen sind ausgeschlossen.“

Darüber hinaus soll in Abstimmung mit der Raumordnung der Flächennutzungsplan geändert werden – um so Voraussetzungen zu schaffen, etwa das Gewerbegebiet „Eikboom“ mit Wohn-Grundstücken erweitern zu können, erklärt der Bauamts-Chef: „Konkret könnten nordöstlich des Parkentiner Landweges Einfamilienhäuser und Wohngebäude mit bis zu drei Vollgeschossen entstehen – angedacht sind hier etwa 100 neue Grundstücke.“

Auch in Neubukow wächst die Einwohnerzahl über die bisherige Prognose hinaus. Wurden für das vergangene Jahr 3836 Einwohner vorhergesagt, zählte die Stadt tatsächlich 3925. „Die Bevölkerungsentwicklung geht in kleinen Schritten nach oben, daher wird Wohnraum benötigt“, sagt Planerin Li Patzelt. Die 13 Grundstücke für eine Wohnbebauung im erschlossenen Wohngebiet „Am Hengstenplatz“ sind komplett verkauft, teilt Bauamtsleiter Detlef Pigorsch mit. Sonst habe die Stadt keine weiteren Flächen, daher sei die Ausweisung weiterer Gebiete notwendig. Mit dem Bebauungsplan 11 entsteht am alten Spriehusener Landweg ein neues Wohngebiet, erst einmal sollen 15 Grundstücke erschlossen werden. Dafür muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Zudem soll eine Fläche in Spriehusen, auf der bereits gebaut wird, als Wohngebiet neu ausgewiesen werden. Zügig voran geht es auch im Satower Baugebiet „Niederhagen“: Insgesamt 54 Baugrundstücke zu einem Preis von 85 bis 95 Euro pro Quadratmeter werden hier vergeben. Bis auf eine Handvoll Parzellen sind bereits alle Flächen verkauft oder reserviert.

Günstiges Bauland im Westen

Grevesmühlen platzt aus allen Nähten. Rund 10 500 Einwohner hat die ehemalige Kreisstadt aktuell. Nach der Wende sind zahlreiche Baugebiete neu ausgewiesen worden. Und die Zeichen stehen auch weiterhin auf Wachstum. Grevesmühlen plant in Neu Degtow, auf dem alten Sägewerksgelände sowie auf der Industriebrache der Getreidebetriebe neue Wohnsiedlungen. Wer aktuell ein Grundstück sucht, der wird beim kommunalen Wohnungsbauunternehmen Wobag fündig. „Am Mühlenblick“ sind noch einige Grundstücke frei. Der Quadratmeterpreis liegt bei knapp über 100 Euro, die Grundstücke sind zwischen 700 und 850 Quadratmeter groß.

In Dassow bietet die LGE Mecklenburg-Vorpommern Grundstücke in einem landschaftlich reizvoll gelegenen Baugebiet. Sechs Parzellen sind nach Auskunft des Geschäftsführers Robert Erdmann noch zu haben. Die Grundstücke in dem kleinen Baugebiet für Einfamilien- und Doppelhäuser sind zwischen 640 und 800 Quadratmeter groß. Die Preise beginnen nach Auskunft des landeseigenen Unternehmens bei 115 Euro pro Quadratmeter Bauland.

Im Amtsbereich Klützer Winkel hat die Gemeinde Damshagen gerade ein Neubaugebiet erschlossen. Im Bebauungsplan „Gutshof“ rund um das Gemeindezentrum „Alte Schmiede“ werden elf BauGrundstücke über die Amtsverwaltung in Klütz angeboten. Der Quadratmeter kostet hier 90 Euro. Die voll erschlossenen Grundstücke haben eine Größe von 780 bis 940 Quadratmetern.

Ebenfalls über die Amtsverwaltung in Klütz werden zwei Grundstücke im Ortsteil Hohen Schönberg in der Gemeinde Kalkhorst angeboten. Die Grundstücke sind etwa 800 Quadratmeter groß, der Kaufpreis pro Quadratmeter beträgt 60 Euro. 19 Grundstücke im Ortskern von Kalkhorst werden von der LGE Mecklenburg-Vorpommern vermarktet. Sie sind zwischen 550 und 952 Quadratmeter groß. Pro Quadratmeter wird ein Kaufpreis von 99 Euro verlangt.

In Planung sind außerdem Vermarktungen von Wohnbaugrundstücken in Klütz am Lindenring und am Ortseingang von Boltenhagen. Diese Grundstücke sollen dann auch von der LGE verkauft werden.

Wismar: Bald 50 000 Einwohner

Die Hansestadt gleicht einer Baustelle. Gleich mehrere Wohngebiete befinden sich im Bau. Im Stadtteil Friedenshof wurden gegenüber dem Klinikum 48 neue Grundstücke für Einfamilienhäuser geschaffen. Alle bereits verkauft. Der Preis für den Quadratmeter beträgt 110 Euro. Das Besondere: Zu DDR-Zeiten standen auf dem Gelände Plattenbauten. Nach der Wende zogen immer mehr Mieter aus. Der Leerstand wurde für die großen Vermieter zum Problem. Sie einigten sich auf den Abriss. Nach jahrelangem Stillstand wird die Fläche jetzt neu bebaut. Wismar wächst stetig. Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) spricht schon von 50 000 Einwohnern. Noch (Ende 2017) sind es 42 864. Die Werft, die insgesamt gute wirtschaftliche Lage und die Nähe zur Ostsee sprechen für die Hansestadt als Wohnort.

Im Seebad Wendorf werden derzeit 87 neue Grundstücke geschaffen. Die Preisspanne für den Quadratmeter reicht von 90 bis 190 Euro, mit Grundstücksgrößen zwischen 1000 bis 2042 Quadratmetern verspricht das neue Wohngebiet eine gewisse Exklusivität. 25 Parzellen sind schon verkauft.

Nur noch ein Grundstück von insgesamt 80 ist an der Lübschen Burg frei. Die ersten Häuslebauer haben gegenüber den Technischen Landesmuseum „Phantechnikum“ bereits losgelegt. Der Quadratmeter Bauland kostet hier zwischen 120 und 180 Euro. Reihen- und Mehrfamilienhäuser sollen hier folgen. Am Klußer Damm laufen die Erschließungsarbeiten auf Hochtouren. 19 Eigenheimgrundstücke entstehen im ersten Bauabschnitt. Ein weiteres Wohngebiet wird am Schwanzenbusch erschlossen. Etwa 50 Einfamilienhäuser sind geplant (Preise stehen noch nicht fest), hinzu kommen fünf Mehrfamilienhäuser. Die Erschließung soll noch in diesem Jahr beginnen. Und auch in Redentin Ost, am Wismarer Stadtausgang in Richtung Insel Poel, sind weitere 27 Grundstücke für Einfamilienhäuser erschlossen. Nur für ein Baugrundstück liegt noch keine Bewerbung vor.

Auch im weiteren Umfeld der mecklenburgischen Hansestadt wird Platz für neuen Wohnraum geschaffen. So zum Beispiel in Neukloster, Neuburg, Bad Kleinen, Metelsdorf, Karow und Groß Stieten.

Neue Förderinstrumente: Baukindergeld und Mietpreisbremse

Die Große Koalition unterstützt nach Abschaffung der Eigenheimzulage vor mehr als zehn Jahren wieder bauwillige Familien. Eine Reaktion auf die anhaltend große Nachfrage nach den eigenen vier Wänden als Altersvorsorge und den damit verbundenen steigenden Baulandpreisen.

Das Baukindergeld richtet sich an geschätzt bis zu 200 000 Familien mit mittlerem Einkommen, die sonst nicht genug Eigenkapital haben, um sich den Traum vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung zu verwirklichen. Damit soll den gestiegenen Immobilienpreisen Rechnung getragen werden. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen Familien 1200 Euro pro Kind und Jahr erhalten, also 12 000 bei einem Kind, 24 000 bei zwei und 36 000 Euro bei drei Kindern. Das Geld soll bis zu einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von 75 000 Euro plus 15 000 Euro Freibetrag je Kind gewährt werden. Mit einem Kind dürften Eltern also rund 90 000 Euro im Jahr verdienen. Die Förderung kann rückwirkend zum 1. Januar 2018 beantragt werden.

Von 1996 bis 2005 gab es die Eigenheimzulage als staatliche Förderung. Über einen Zeitraum von acht Jahren bekamen Familien einen Zuschuss von bis zu 800 Euro pro Kind.Die Bundesregierung fördert zudem mit Steueranreizen (Sonderabschreibungen) der Bau von Mietwohnungen. Für den sozialen Wohnungsbau sollen bis zu zwei Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Das erklärte Ziel der Koalition ist es, dass bis zu 1,5 Millionen neue Wohnungen bis 2021 in Deutschland entstehen.Auch den weiteren Anstieg der Mieten will die Große Koalition künftig abmildern, vor allem durch schärfere Regeln für Vermieter, zum Beispiel durch die Verpflichtung, vorherige Mieten offenzulegen, um übermäßige Mietsteigerungen zu unterbinden.

Beim Anteil des selbst genutzten Wohneigentums holt Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Bundesländern langsam aber stetig auf. 2014 wurden knapp 39 Prozent der Wohnungen von ihren Eigentümern selbst genutzt. 2010 waren es noch zwei Prozentpunkte weniger. Bei Wohnungen ab dem Baujahr 1991 ist die Eigentümerquote besonders hoch. Sie lag 2014 bei 69 Prozent.

Den höchsten Anteil an Wohneigentum im bundesweiten Vergleich haben das Saarland (63 Prozent), Rheinland-Pfalz (58 Prozent) und Niedersachsen (55 Prozent). Die Daten sind Ergebnis einer Befragung im Rahmen des Mikrozensus, die alle vier Jahre durchgeführt wird und zuletzt 2014 stattfand.

2338 Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser wurden laut Statistik 2017 in Mecklenburg-Vorpommern erteilt. Das ist ein neuer Rekord. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Baugenehmigungen stetig gestiegen. Zum Vergleich: 2007 wurden 1974 Genehmigungen für Neubauten mit einer Wohnung im Nordosten erteilt.

Bauboom und Lohnkosten treiben die Preise nach oben. Rund 30 Prozent mehr werden Bauherren in MV nach Schätzung des Landesbauverbandes in den kommenden Jahren bezahlen müssen.

 C. Milbrandt/H. Hoffmann/L. Plottke/M. Prochnow

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