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Rostock Treff der Hochseefischer vor dem Aus?
Mecklenburg Rostock Treff der Hochseefischer vor dem Aus?
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00:00 15.05.2017
Der Shantychor „De Klaashahns“ sorgte für Stimmung. Minister Till Backhaus (SPD) und Roland Methling (UFR) eröffneten das Fest. Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

Das Treffen der Hochseefischer ist wieder ein Erfolg gewesen, da waren sich am Sonnabend die meisten einig: Rund 6000 Besucher sind zu dem Traditionsfest in den Rostocker Fischereihafen geströmt. Ehemalige Mitarbeiter des Rostocker Fischkombinats und Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet ließen die Erinnerungen an die Hochseefischerei der DDR aufleben.

Tausende strömten am Sonnabend zum Traditionsfest in den Fischereihafen – es könnte das letzte gewesen sein / Organisatoren fehlt Geld / OB Methling und Minister Backhaus versprechen Hilfe

Doch es könnte das letzte Treffen gewesen sein.

„Wir werden weniger und wir bekommen weniger Geld zusammen“, sagt Hermann Cziwerny, Leiter der Arbeitsgruppe „Traditionspflege Fischkombinat Rostock“. Die neuen Betriebe im Hafen würden die alten Hochseefischer nicht mehr kennen – und entsprechend auch kein Geld mehr geben. „Wir sterben zudem aus, haben in dem Sinne keinen Nachwuchs“, so Cziwerny. Es gebe daher Überlegungen, das Treffen einzustellen. Noch sei aber nichts entschieden.

Landesfischereiminister Till Backhaus (SPD) und Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) sprechen sich für eine Fortsetzung aus. „Ich würde auch einen Beitrag dafür leisten, dass es weitergeht. Wir alle werden älter. Da ist es wichtig, in Erinnerungen zu leben und diese an die Nachwelt weiterzugeben“, sagt Backhaus. Zumal die Hochseefischer der DDR ausgezeichnete Arbeit geleistet hätten. Gleichzeitig fördere das Treffen die Diskussion untereinander und beeinflusse die Stimmung in der Fischwirtschaft positiv, so der Minister.

Methling blickt bereits in die Zukunft. „Im Jahr 2020 wird das Fischkombinat 70 Jahre alt. Das muss man einfach feiern“, betont Rostocks OB. Cziwerny hört das gern. „Wenn uns Land und Stadt finanziell unterstützen, wäre eine Hürde genommen“, so der frühere Fischgroßhändler. Der Enthusiasmus für die Sache sei ungebrochen. In vielen Städten, wie Dresden oder Berlin, hätten sich längst Stammtische gebildet, die weiter an die Tradition erinnerten, so Cziwerny.

„Es war eine schöne Zeit“, blickt Backhaus zurück. Der Minister betont an dieser Stelle, dass die DDR nie pleitegegangen sei. „Die DDR hat bis zum Ende alle Rechnungen bezahlt.“ Dazu hätten die Hochseefischer ihren Beitrag geleistet. „Ohne euch hätte es den Fisch im Westen nicht gegeben“, sagte Backhaus am Sonnabend zu den ehemaligen Mitarbeitern. Dafür gabs viel Applaus.

Dass die Hochseefischer einen guten Ruf genossen, dafür sorgten auch Karl Seifert (77) aus Sassnitz und der Rostocker Werner Langner (77). Beide gehörten zur Schiffsbesatzung, die im Jahr 1961 entscheidend mithalf, einen Großbrand in der norwegischen Stadt Egersund zu löschen. Mehr als 55 Jahre später sind sie dafür am Sonnabend mit dem Ehrendiplom Egersunds ausgezeichnet worden.

„Ohne euch hätte unsere Altstadt in Schutt und Asche gelegen“, sagte Autor Sigmund Rodvelt bei der Ehrung zu den beiden. Bis heute würde ihnen das hoch angerechnet werden. Rodvelt schildert die Episode in seinem Buch „Fisch für das Volk“. Der 70-Jährige beleuchtet hier die Geschichte der DDR-Hochseefischerei. „Ein tolles Buch“, sagt der frühere Kapitän Seifert. Sein damaliger Maschinenassistent Langner hat es auch schon gelesen. „Aber auf den Bildern habe ich mich nicht mehr erkannt“, sagt er und lacht.

Gründung im Jahr 1950

4000 Seeleute waren vor der Wende allein in der Großen Hochseefischerei des Fischkombinates Rostock tätig – und noch einmal so viele arbeiteten hier an Land. In Spitzenzeiten wurden mit rund 100 Fangeinheiten Jahresanlandungen von mehr als 220000 Tonnen Fisch erzielt. 1989 verfügte das Fischkombinat noch über rund 30 Fangeinheiten. Heute kommen auf den fünf im Heimathafen registrierten Hochseefischereifahrzeugen etwa 180 Seeleute zum Einsatz. Gegründet wurde der volkseigene Betrieb Hochseefischerei Rostock 1950.

André Wornowski

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