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Rostock Trotz Glyphosat-Verbots: RSAG setzt umstrittenes Unkrautgift ein
Mecklenburg Rostock Trotz Glyphosat-Verbots: RSAG setzt umstrittenes Unkrautgift ein
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14:53 07.12.2018
Symbolbild: Eine Straßenbahn hält Am Kabutzenhof. Haltestellen und Gleise mit Betonuntergrund werden laut RSAG nicht mit Glyphosat behandelt. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Pleite für Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne): Sein neues Bodenschutzkonzept ist am Mittwoch in der Bürgerschaft durchgefallen. Erst im Oktober haben die Stadtvertreter auf Geheiß der Grünen beschlossen, dass Pächter auf landwirtschaftlichen Flächen kein Glyphosat mehr einsetzen dürfen. Im neuen Bodenschutzkonzept sollten nun jedoch plötzlich Ausnahmeregelungen für andere städtische Flächen etabliert werden. Grund: Es gebe keine Alternativen zu dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel. So ist zum Beispiel die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) bei der Gleispflege nach eigenen Angaben auf Glyphosat angewiesen.

Bei der Rostocker CDU sorgt das für Kopfschütteln. Einerseits sollen glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel so gefährlich sein, dass sie auf städtischen Äckern wie in Torfbrücke nicht verwendet werden dürfen – obwohl dort kaum Menschen unterwegs seien. Auf der anderen Seite sollen diese Mittel nun aber für Straßenbahn-Trassen erlaubt bleiben, die mitten durch die Stadt führen, wo sich viele Menschen tummeln. Das passt aus Sicht der Konservativen nicht zusammen.

Wird Beschluss zurückgezogen?

„Wenn durch den Einsatz von Glyphosat eine Krebsgefahr und ein entsprechendes Kontaminationsrisiko besteht, dann ist dieses auf innerstädtischen Flächen wohl um ein Vielfaches höher“, sagt Bürgerschaftsmitglied Berthold Majerus (CDU). Er ist beruflich Geschäftsführer der LMS Agrarberatung GmbH. Für ihn ist es unverständlich, dass Pächtern von landwirtschaftlichen Flächen der Einsatz von Glyphosat untersagt wird, die Stadt in eigener Verantwortung aber weiter genau zu diesem Mittel greift.

Auf Initiative der Linken ist das neue Bodenschutzkonzept nun vorerst zurückgestellt worden. „Der zuständige Senator muss jetzt Möglichkeiten aufzeigen, wie der Einsatz von Glyphosat generell vermieden werden kann“, sagt Linken-Fraktionschefin Eva-Maria Kröger. Sie fordert Antworten. „Sollte sich zeigen, dass eine vollständige Vermeidung auf städtischen Flächen nicht möglich ist, müssen gefasste Beschlüsse im Zweifel zurückgezogen werden“, so Kröger.

RSAG nutzt Glyphosat zweimal im Jahr

Die RSAG setzt Glyphosat nach eigenen Angaben seit Anfang der 1990er Jahre ein. Es diene der Anwuchsbekämpfung und werde zweimal im Jahr ausschließlich im offenen Schottergleis aufgetragen. „Haltestellenbereiche werden mit dem Mittel nicht bearbeitet“, sagt RSAG-Sprecherin Beate Langner.

Laut dem städtischen Unternehmen gibt es für den Einsatz von Glyphosat in offenen Gleisen bisher keine annähernd gleichwertige Alternative. „Deshalb erteilt das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei regelmäßig die erforderlichen Genehmigungen“, sagt Langner. Ohne eine wirksame Anwuchsbekämpfung würden die Gleisanlagen in wenigen Jahren irreversibel geschädigt werden. „Die Stabilität der Gleisanlagen und damit die Sicherheit des Bahnbetriebs würden ernsthaft gefährdet“, betont die Sprecherin.

Der Einsatz von Glyphosat erfolge ausschließlich in eng begrenzten Bereichen und durch eine sachkundige Firma mit besonders geschultem und unterwiesenem Personal, so Langner. „Menschen sind nicht betroffen, da ein Aufenthalt von Personen im offenen Gleiskörper ohnehin verboten ist.“ Auch Kulturpflanzen oder Biotope blieben unberührt.

Grüne weisen Kritik zurück

Die Grünen halten trotz der Kritik an dem Glyphosat-Verbot fest. „Es handelt sich bei der RSAG um Schottergleise und nicht wie bei den Landwirten um Flächen, auf denen Nutzpflanzen angebaut werden, die wir essen wollen. Das ist schon ein Unterschied“, sagt Grünen-Fraktionschef Uwe Flachsmeyer. Generell setze die Stadt auf keiner einzigen Grünfläche Unkrautvernichter ein. Trotzdem müsse die RSAG langfristig eine Alternative finden. „Das ist ein bundesweites Problem, dem sich auch die Deutsche Bahn stellen muss, zum Beispiel am Hauptbahnhof“, so Flachsmeyer.

Die Bahn bestätigt den Einsatz von Glyphosat. Das Unternehmen halte sich strikt an die Anwendungsvorschriften, sei jedoch auf die chemische Vegetationskontrolle angewiesen. „Da es alternative Verfahren für den Gleisbereich im Moment noch nicht gibt“, heißt es auch hier. Gleichzeitig weist die Bahn daraufhin, dass die Zulassung von Glyphosat Ende 2017 durch die EU-Kommission um fünf Jahre verlängert wurde.

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André Wornowski

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