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Trotz Rückgang: Trinkgeld bleibt wichtig

Wird ein Trinkgeld Trotz Rückgang: Trinkgeld bleibt wichtig

Onlinezahlungen, Kartenrechnungen und Mindestlohn – die meisten Rostocker geben zwar Trinkgeld, die Summe ist in den vergangenen Jahren aber stark gesunken.

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Im Rostocker Greifclub wird das Trinkgeld am nächsten Morgen gerecht aufgeteilt. So können Bar- und Garderobenmitarbeiter gemeinsam anstoßen – wie Josephin Schütz (21, li.) und Anita Rasche (33).

Quelle: Fotos: Ove Arscholl (1), Dana Frohbös (2)

Wird ein Trinkgeld. Gastronomen, Handwerker oder Taxifahrer – sie alle erhalten Trinkgeld. Knigge empfiehlt es in einer Höhe von fünf bis zehn Prozent. Die Statistik sagt, dass etwa 90 Prozent ein Trinkgeld zahlen – die große Mehrheit also. Und dennoch herrscht viel Unsicherheit.

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Onlinezahlungen, Kartenrechnungen und Mindestlohn – die meisten Rostocker geben zwar Trinkgeld, die Summe ist in den vergangenen Jahren aber stark gesunken.

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Daniela Olschewski ist Restaurantmanagerin im Steakhouse Leon's in der Innenstadt. Bereits seit 20 Jahren ist sie in der Gastronomie tätig. „Früher waren die Leute spendabler, da gibt es definitiv einen Wandel“, sagt die 38-Jährige. „Inzwischen bekommen wir etwa fünf Prozent, früher waren es noch zehn“, sagt Daniela Olschweski. Manchmal werde man aber auch positiv überrascht. „Von einer Familie mit zwei Kindern erwartet man nicht unbedingt ein Trinkgeld, da man davon ausgeht, dass sie das Geld eher selbst brauchen.“

Kaum Trinkgeld bei Kartenzahlung

 

Vor allem die immer häufiger genutzte Zahlung per Karte spiele eine Rolle für den Rückgang. „Dadurch gibt es manchmal sogar gar kein Trinkgeld mehr“, sagt Daniela Olschewski. „Das wurmt einen dann zwar kurz, aber nachfragen, woran es liegt, das macht man nicht“.

Viele Restaurants bieten inzwischen an, die Summe bei einer Kartenzahlung um das Trinkgeld zu erhöhen. Doch dies zieht etwas Aufwand mit sich, denn der Betrag ist erst einmal in der Buchhaltung drin und muss nachträglich wieder herausgerechnet werden.

Viel Unsicherheit bei den Gastronomen

Etwa 70 bis 90 Prozent der Gastronomen wüssten gar nicht, wie sie mit dem Thema Trinkgeld umzugehen haben. Das behauptet zumindest ein Junggastronom aus Rostock, der nicht namentlich genannt werden möchte. „Das ist ein heikles Thema“, sagt er. „Trinkgeld gilt als Umsatz, wenn es auf der Rechnung drauf ist, das ist den Gastronomen oft nicht bewusst“. Das Einkommen müsse dann als Gewinn versteuert werden und von zwei Euro blieben beispielsweise nur 60 Cent übrig. Er selbst hat früher in einer Bar gearbeitet und an guten Abenden bis zu 100 Euro in der Tasche gehabt. „Heutzutage gibt es höhere Löhne und das ist den Kunden auch bewusst, daher zahlen sie weniger Trinkgeld“. Vor allem die Einführung des Mindestlohns und die vermehrten Onlinezahlungen würden die Gesichter der Pizzafahrer oft lang werden lassen.

Früher wurde oft ein Stundenlohn von 4,50 Euro gezahlt. Hat sich der Arbeitnehmer darüber beschwert, hieß es „heul nicht rum, du hast ja noch Trinkgeld“, sagt der Gastronom.

Kein Trinkgeld für Unternehmer

In diesem Zusammenhang ist es sehr wichtig, zu unterscheiden, wer das Trinkgeld erhält. „Ich bekomme gar kein Trinkgeld“, sagt Konrad Engelmann von Konni's Fahrdienste – denn er ist Unternehmer und nicht Angestellter. Alle Einnahmen, die ein Unternehmer erhält, sind nämlich automatisch Betriebseinnahmen und gehen ins Geschäft, also auch das Trinkgeld. „Meine Fahrer dürfen es aber natürlich behalten“, sagt der Taxiunternehmer aus Evershagen.

Auch auf Schiffen der Aida gibt es gern und oft Trinkgeld von Urlaubern. „Wir überlassen es unseren Gästen selbst, guten Service mit einem freiwilligen Trinkgeld zu honorieren“, sagt Pressesprecher Alexander Christen. „Sie geben es entweder an einzelne Crewmitglieder persönlich, an einen Fachbereich oder der gesamten Crew“, sagt er. Im letzten Fall entscheide dann das sogenannte Speakers Committee über die Verwendung der Trinkgelder. Oft werde es für besondere Anlässe zu Nationalfeiertagen der Crewmitglieder, zu Weihnachten oder für Grillabende eingesetzt.

Abends und am Montasanfang gibt es mehr Trinkgeld

Geteilt wird allerdings nicht überall. Judith Baloi arbeitet im italienischen Restaurant L'Osteria in der Steinstraße und darf ihr Trinkgeld für sich behalten. Die Restaurantfachfrau stellt vor allem auch Unterschiede zwischen den Tageszeiten fest. „Mittags sind die Leute oft kurz angebunden, abends hingegen sitzen sie länger und wollen sich wohlfühlen“, sagt die 28-Jährige. Da gebe es dann auch mehr Trinkgeld. Zudem gebe es in hochklassigen Restaurants mehr Trinkgeld als in niedrigpreisigeren. Wichtig sei ihr die Summe aber nicht. „Ich frage auch nicht nach, wenn mal jemand gar nichts gibt, das ist dann halt so. Kommt aber selten vor“.

Oliver Schubert ist einer der Betreiber des Greifclubs im Hansaviertel. Er bemerkt immer wieder, dass das Geld bei den Gästen am Monatsanfang lockerer sitzt als am Ende. „Da beobachtet man schon einen Unterschied“, sagt der gebürtige Rostocker. Zudem käme es auch auf die Rechnungssumme an, wie viel Trinkgeld am Ende herausspringt. „Bei einer Summe von 9,50 Euro ist die Hemmschwelle relativ gering, einen Zehner zu geben“, sagt der 41-Jährige. „Ist die Summe mehr als zehn Euro, zögern die Leute schon eher“.

Ähnlich wie Judith Baloi geht es aber auch Oliver Schubert weniger um das zusätzliche Geld, sondern eher um die Geste. „Mit der Gabe von Trinkgeld wertschätzen die Gäste die Arbeit der Angestellten“, sagt Oliver Schubert. Trinkgeld diene als Motivation und Ansporn. Im Greifclub wird es dann jeden Morgen unter den Angestellten aufgeteilt. „Wir handeln hier nach dem Solidarprinzip, damit auch die etwas abbekommen, die keinen direkten Kontakt zu den Gästen haben.

Trinkgeld und Steuerpflicht

nicht an einen Mitarbeiter persönlich, sondern in einen Spielbanktronc (Trinkgeldkasse beim Roulette) eingezahlt, unterliegt es der Steuerpflicht.

Ähnlich könnten Richter im Falle eines Sparschweins in einem Friseursalon entscheiden, denn ein Trinkgeld erfordert ein Mindestmaß an persönlicher Beziehung, welches bei einem Sparschwein nicht immer gegeben ist. Gibt ein Unternehmer gar kein Trinkgeld in seinen Betriebseinnahmen an, obwohl sie in seiner Branche üblich sind, kann er Pech haben und das Finanzamt macht eine Schätzung, die dann zu versteuern ist. Trinkgeld, das freiwillig anlässlich einer Arbeitsleistung direkt an einen Arbeitnehmer gezahlt wird, muss nicht versteuert werden.

Dana Frohbös

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