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Rostock Tweedback: Eine App macht Schule
Mecklenburg Rostock Tweedback: Eine App macht Schule
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13:25 28.07.2018
Jan Tauer, Marvin Davieds und Marcus Szymanski sind verantwortlich für die App, die an Universitäten, Schulen und auf Events verwendet wird. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Sozialkunde am John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow. Die Schüler schauen gebannt auf ihre Smartphones. Was für viele Lehrer ein Grauen ist, ist bei Julia Hastädt gewünscht. Die Lehrerin nutzt die Software Tweedback und bindet so Tablet und Smartphone in ihren Unterricht ein. Der Clou: Schüler können mit den digitalen Hilfsmitteln Nachfragen stellen, Quizfragen beantworten und in Echtzeit mit der Lehrerin in Kontakt treten – ganz ohne den Unterrichtsfluss zu stören.

Eine Idee aus der Praxis

Die Idee für Tweedback stammt aus einer Notlage: „Als Professor Clemens Cap mal wieder mitbekommen hat, dass die Studenten lieber ihrem Handy als seiner Informatikvorlesung folgten, wünschte er sich ein Werkzeug, um sie wieder für sein Fach zu begeistern. Er hatte die Idee für Tweedback“, sagt Marcus Szymanski, Geschäftsführer des Rostocker Start-ups Tweedback. Von 2012 bis 2015 arbeitet Cap an der praktischen Umsetzung – in Form eines Forschungsprojektes. Er will eine App entwickeln, die es Studenten ermöglicht, während der Vorlesung ein Quiz zu beantworten, Fragen zu stellen oder dem Dozenten zu signalisieren, dass er zu schnell ist.

Aus dem Projekt wird ein Betrieb

Marcus Szymanski und Marvin Davieds programmieren als studentische Hilfskräfte das Programm, welches an der Uni Rostock in vielen Veranstaltungen zum Einsatz kommt. 2015 ist dann jedoch Schluss: Tweedback wird als Forschungsprojekt nicht mehr gefördert. „Um das Programm weiterzuführen, musste daraus ein Unternehmen werden“, erzählt Szymanski. Gesagt – getan: Sie melden Tweedback für das Existenzgründer-Stipendium an und erhalten prompt einen Zuschlag. Nun fehlt es nur noch an betriebswirtschaftlicher Expertise: Szymanski und Davieds lernen Jan Tauer kennen und begeistern ihn für die App. Tauer hat mit seinem BWL-Studium und der Ausbildung als Steuerfachangestellter das nötige Know-how, um Tweedback wirtschaftlich zu lenken. Ideengeber Cap steht den Unternehmern von nun an beratend zur Seite.

Ein Produkt, viele Märkte

Laut den Geschäftsführern gibt es drei große Märkte für die App: Universitäten, Events und Schulen. „Als Tweedback herausgekommen ist, sind Dozenten und Professoren aufgesprungen und wollten das Programm direkt ausprobieren“, sagt Tauer. Die App bewährt sich: Im April 2018 hat die Grundversion von Tweedback schon 10 000 Nutzer an etwa 30 Hochschulen. Auch immer mehr Events entdecken die Möglichkeiten der Software für sich. „Von 250 bis 5000 Euro bieten wir Pakete an, um mit Tweedback Veranstaltungen zu begleiten“, erklärt Tauer. Die Bundesjugendmedienkonferenz der Techniker Krankenkassen oder das Live-Rating-Format „Löwenpitch“ haben die App schon erfolgreich in ihre Veranstaltungen integriert. Weitere sollen folgen.

Tweedback macht Schule

An Schulen biete Tweedback das Potenzial, die Lehre grundsätzlich zu verändern,„denn dort ist es teilweise ja noch so wie vor 50 Jahren. Da gibt es Kreide und vielleicht noch einen Polylux“, sagt Szymanski. Lehrerin Julia Hastädt lernt das Programm während eines Erasmus-Projektes an ihrer Schule kennen. Dort stellen die jungen Unternehmer ihr Start-up vor. „Sie hat uns angesprochen, weil sie so begeistert war“, sagt Jan Tauer. Die Sozialkunde- und Geschichtslehrerin profitiert fortan von dem Werkzeug und Tweedback von den Rückmeldungen und Anregungen aus der schulischen Praxis. So gibt Hastädt die Initialzündung für die Tweedback-Box. Denn viele Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, wie das John-Brinckman-Gymnasium, haben keine oder nur eine schlechte Internetleitung. Tauer, Szymanski und Davieds entwickeln die Lösung: „Die Box stellt ein datensicheres offlinebasiertes Wlan-Netz zur Verfügung, auf dem die Schüler sich anonym einloggen können“, erzählt Jan Tauer.

Überzeugendes Lehrinstrument

Lehrerin Julia Hastädt testet Tweedback seit 2017 und ist überzeugt: „Entscheidend ist, dass die Medienkompetenz gefördert wird und dass es mit Tweedback gelingt, alle Schüler aktiv in die digitale Interaktion im Unterricht einzubinden. Polarisierende Thesen können etwa anonym von allen kommentiert werden“, sagt Hastädt. Darüber hinaus betonen sowohl die Lehrerin als auch die jungen Unternehmer den großen Vorteil des leistungsdifferenzierten Lernens: „Die Software ermöglicht die Bereitstellung von Erklärvideos, die dann von allen Schülern über ihre Geräte abgespielt und in Abhängigkeit von ihrem individuellen Lerntempo beliebig oft angeschaut werden können, um die dazugehörigen Arbeitsaufträge zu bearbeiten“, erklärt Tauer. Voraussetzung für den Einsatz von Tweedback im Unterricht: Jeder Schüler besitzt ein Smartphone bzw. bekommt ein Endgerät gestellt.

Mit Feedback zum Erfolg

In Zukunft will das Rostocker Start up die vielfältigen Möglichkeiten der App weiter ausschöpfen. Ideengeber Clemens Cap sagt: „Wir wollen die exzellenten Rückmeldungen gerade auch aus den Schulen und aus den Anwendungen in der Sitzungs- und Konferenzunterstützung nutzen und hier noch stark ausbauen“. Entscheidend für den Erfolg der App seien Glück, Zufall und vor allem eines: Feedback. „Du benötigst Leute, die das Produkt gebrauchen können. Such dir eine Spielwiese, um die Idee auszuprobieren. Nur so weißt du, ob sie taugt und kannst sie entsprechend den Nutzerbedürfnissen weiterentwickeln“, sagt Szymanski.

Moritz Naumann

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