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Rostock Überraschende OB-Kandidatur: Siebter Bewerber diskutiert mit
Mecklenburg Rostock Überraschende OB-Kandidatur: Siebter Bewerber diskutiert mit
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23:10 12.03.2019
Ein Abend mit den Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister 2019 in der Bühne 602. Im Bild: Uwe Flachsmeyer (stehend), Dirk Zierau, Tom Reimer, Steffen Bockhahn, Chris Müller-von Wrycz Rekowski, Claus Ruhe Madsen und Sybille Bachmann. Foto: Thomas Mandt Quelle: Thomas Mandt
Rostock-Stadtmitte

Die größte Überraschung des Abends war der siebte Stuhl auf der Bühne: Neben den sechs bisher bekannten Oberbürgermeisterkandidaten warb am Dienstagabend auch der parteilose Neurobiologe und Kabarettist Tom Reimer für seine Ideen zur Rostocker Kulturpolitik. In der bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Bühne 602 am Stadthafen sprach er sich für ein Kulturkonzept aus, das auch unabhängig von einem neuen Theater umgesetzt werden könnte. Die bisherige Politik konzentriere sich zu sehr auf das Theater und den Neubau: „Kultur muss aber nicht groß aufgezogen werden, sondern muss auch kleine Initiativen im Blick haben“, so der 42-Jährige.

Zuvor hatte die „Stadtgespräche“-Redakteurin Kristina Koebe zur Eröffnung der Debatte unter anderem die Finanzpolitik der Hansestadt kritisiert: „Das Mantra der ,schwarzen Null’ tut der Kultur nicht gut.“ Unter dem Sparzwang der vergangenen Jahre hätten die Kreativen besonders zu leiden gehabt: „Für Kulturschaffende in Rostock ist es schwer, von ihrer Kunst zu leben“, sagte Koebe. Gerade für neue Projekte gebe es zu wenig Unterstützung und es sei schwer, an Fördermittel zu kommen.

Kultur braucht Raum

Dann durften die einzelnen Kandidaten ihre Vorstellung von einer Kulturpolitik für Rostock präsentieren. Uwe Flachsmeyer (Grüne) betonte: „Geld für die Kultur ist keine Subvention, sondern eine Investition.“ Die Kulturförderung müsse jedes Jahr mindestens an die Inflationsrate angepasst werden. „Kultur braucht Raum“, fügte Flachsmeyer hinzu. Dafür könnten etwa leerstehende Geschäfte genutzt werden. Oder auch – und dafür erntete der Grünen-Kandidat Gelächter – ungenutzter Wohnraum.

UFR-Bewerber Dirk Zierau stimmte Kristina Koebe zu, dass die Sparpolitik der Rostocker Kultur geschadet habe. Der Theaterneubau am Bussebart müsse zwingend kommen, „und zwar ganz oder gar nicht“, sagte Zierau mit Blick auf die CDU, die die Bürger über die Maximalkosten des Neubaus abstimmen lassen will.

Podiumsdiskussion zur OB-Wahl

Am 16. Mai um 18 Uhr laden der NDR und die OSTSEE-ZEITUNG zu einer Podiumsdiskussion zur Wahl des Oberbürgermeisters in Rostock ein. Themen werden unter anderem Wohnungsbau, Tourismus und Großprojekte in der Hansestadt sein. Andreas Meyer, Leiter der OZ-Lokalredaktion Rostock, und Stefan Horn, Redakteur im NDR-Ostsee-Studio, werden diese Veranstaltung moderieren. Veranstaltungsort ist das OZ-Verlagsgebäude. Der Eintritt ist frei.

Obergrenze für Förderung anheben

Nach Tom Reimer war Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) an der Reihe. Er forderte vor allem, dass sich Kultur nicht nur im Stadtzentrum abspielen dürfe: „Sie muss die ganze Stadt zusammenbringen, hier gibt es noch Defizite.“ Dabei dürften es auch gerne kleine Projekte sein. Die Förderung dafür müsse verbessert werden: Die bisherige Obergrenze von 5000 Euro für ein Projekt sei überholt, Bockhahn sprach sich für 10 000 Euro aus.

Kultur wächst nicht mit

Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) nahm die Kritik an: „Für jemanden, der für die Stadt arbeitet, tut es teilweise weh, aber ich teile manche Kritikpunkte.“ Rostock habe sich wirtschaftlich sehr gut entwickelt, aber: „die soziokulturelle Infrastruktur ist inzwischen zu klein geworden.“ Hier gebe es Nachholbedarf. Am beschlossenen Theaterneubau werde er nicht rütteln, so Müller-von Wrycz Rekowski: „Darauf können sie sich verlassen.“

Kein geiler Ruf

Der von CDU und FDP unterstützte IHK-Chef Claus Ruhe Madsen forderte die Rostocker auf, zu ihrem neuen Theater zu stehen: „Was wir brauchen, ist Stolz – Stolz auf das Volkstheater.“ Neben den Finanzen sei das Image eines Theaters wichtig für seine Attraktivität. „Wir diskutieren seit Jahrzehnten darüber, da kann das Theater keinen geilen Ruf haben.“ Ähnlich äußerte sich Sybille Bachmann (Rostocker Bund): „Es gibt in der Rostocker Kulturpolitik einen Wettbewerb, wer zuerst auf die Bremse tritt.“ Stattdessen müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten, um die Fördermöglichkeiten von Stadt, Land und EU optimal auszuschöpfen.

Madsen siegt

Am Ende der Veranstaltung durften die Besucher schon mal zur Probe über ihren „Kulturbürgermeister“ abstimmen. Dabei erreichte Madsen 44 Stimmen, vor Bockhahn (34) und Flachsmeyer (27). Die anderen Kandidaten fielen deutlich ab.

Elf Kandidaten

Insgesamt streiten sich elf Kandidaten um das Erbe von OB Roland Methlings (UFR), der aus Altersgründen bei der Wahl am 26. Mai nicht mehr antreten darf. Am Dienstag, Punkt 16 Uhr, war Schluss: Bis dahin konnten Bewerber ihre Unterlagen einreichen. Wer die vier übrigen Kandidaten sind, verrät die Stadtverwaltung aber nicht. Denn ob die Bewerber auch zugelassen werden, entscheidet am 28. März der Gemeindewahlausschuss in einer öffentlichen Sitzung. Die Kandidaten müssen zwingend die Voraussetzungen für die Ernennung zum Beamten auf Zeit erfüllen. Darüber hinaus streben mehr als 200 Rostocker einen Platz in der 53-köpfigen Bürgerschaft an.

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