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Uni-Projekt hilft Flüchtlingen bei der Existenzgründung

Rostock Uni-Projekt hilft Flüchtlingen bei der Existenzgründung

Ehrenamtliche organisieren an der Universität Rostock ein außergewöhnliches Integrations-Projekt. In einem siebenmonate langen Training soll Flüchtlingen der Weg in die Selbstständigkeit geebnet werden.

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Bisher gibt es allerlei Möglichkeiten, Flüchtlinge in Rostock zu integrieren. Auch im AFZ im Fischereihafen trafen Flüchtlinge und mögliche Arbeitgeber aufeinander. Nun will ein Projekt an der Uni Rostock ausgewählten Teilnehmern jedoch die Möglichkeit geben, auch in die Selbstständigkeit zu gehen.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. Es ist ein einzigartiges Projekt: An der Universität Rostock startet derzeit eine Initiative, die ausgewählte Flüchtlinge auf ihrem Weg in die berufliche Selbstständigkeit begleiten will. „Politik und Wirtschaft suchen intensiv nach Lösungen, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, dabei wurde die Gruppe selbstständiger Unternehmer bisher vernachlässigt“, sagt Gerald Braun von der Initiative „Existenzgründung für Flüchtlinge“.Rund zwei Jahre wurde die Initiative vorbereitet. „Ausgangspunkt für das Projekt ist die triviale Erkenntnis, dass Flüchtlinge eigentlich ausschließlich auf unselbstständige, abhängige Arbeit vorbereitet werden“, erklärt Braun. Das sei ein großes Defizit, da diese Menschen oft aus Ländern mit einer lebendigen „Basar-Ökonomie“ kämen. „Unsere Idee ist es, diejenigen mit unternehmerischer Erfahrung in die Lage zu versetzen in Deutschland – insbesondere in MV – ein Unternehmen zu gründen.“ Der pensionierte Professor Braun leitet das ehrenamtliche organisierte Projekt an der interdisziplinären Fakultät der Uni Rostock gemeinsam mit weiteren Freiwilligen. „Insgesamt engagieren sich zwölf bis 15 Ehrenamtliche in der Initiative. Der harte Kern besteht aber aus vier Leuten.“ Auch Jutta Reinders, Gründerin der Rostocker Initiative „Füreinander da sein“, ist seit Beginn an der neuen Start-Up-Initiative beteiligt. „Wir setzen für unsere Teilnehmer gute Deutschkenntnisse und eine ernsthafte Geschäftsidee voraus. Außerdem müssen sich die Flüchtlinge hier selbst bewerben“, erklärt das Bürgerschaftsmitglied. Braun ergänzt: „Wir wollen die Flüchtlinge fördern und fordern. Wir bauen dieses Unternehmer-Projekt nicht wie ein Sozial-Hilfe-Projekt auf.“

Sieben Monate Training

20 Bewerbungen sind bisher eingegangen. 15 von ihnen bekommen die Chance an dem Training teilzunehmen. „Unter den Bewerbern sind relativ viele Handwerker: Maler, Schneider und ein Stuckateur“, zählt der 75-Jährige auf. Doch auch Künstler, Musiker und Autoren, ein Herzchirurg und ein Apotheker hätten sich für den Lehrgang interessiert. „Wer letztendlich in das Projekt kommt, wird in den nächsten Tagen entschieden“, sagt Jutta Reinders. Am 9. Januar startet dann der Lehrgang mit einem Workshop im Uni-Hauptgebäude. Insgesamt umfasst das Training der angehenden Entrepreneure rund sieben Monate.

Eine Win-win-Situation

Der Weg der Geflüchteten in die Selbstständigkeit soll gleich mehrere Vorteile mit sich bringen. „Wenn ein Unternehmen gegründet wird, wird zum einen häufig mehr als nur ein Arbeitsplatz geschaffen“, sagt Professor Braun. Zum anderen könne hier auch eine Wertschöpfung durch neue Produkte und hier zulande unbekannte Verfahren entstehen. Als Beispiel nennt er die Idee eines syrisch-libanesischen Restaurants in Warnemünde. „Wir schaffen damit Neuerungen und eine gewissen Internationalisierung unserer Ökonomie“, erzählt der Experte. Es sei eine Win-win-Situation für die Flüchtlinge selbst und für die Ökonomie in MV. „Es hilft, die Unternehmerlücke in der Region zu schließen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“ Außerdem sei es für die Teilnehmer eine einmalige Chance, sich hier weiter zu integrieren. „Auch, wenn die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren, erwerben sie hier Kompetenzen, die ihnen dann bei der Reintegration helfen.“

Ein ambitioniertes Projekt

Die Chance auf eine erfolgreiche Existenzgründung sei natürlich nicht gewiss. „Es ist ein sehr ehrgeiziges, ambitioniertes Projekt ist.“ Braun betont, dass Existenzgründung im Allgemeinen ein langwieriger und schwieriger Prozess sei. Bei vergleichbaren Kursen mit deutschen Teilnehmern liege die Chance auf Erfolg zwischen 40 und 60 Prozent. Es gebe mehrere Hemmfaktoren, wie mangelndes Startkapital oder fehlende Konsumentenkenntnisse. „Wir alle wissen, es ist ein langer Weg, aber wir glauben, dass es sein wichtiger Weg ist“, sagt Gerald Braun. Ziel des Seminars sei es, einen belastbaren Geschäftsplan aufzustellen. „Die eigentliche Arbeit fängt dann erst an.“

Johanna Hegermann

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