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Rostock Strafanzeige: Studenten stellen Uni-Dozenten in die rechte Ecke
Mecklenburg Rostock Strafanzeige: Studenten stellen Uni-Dozenten in die rechte Ecke
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07:42 11.12.2013
Stadtmitte

„Kritische Uni“ nennt sich eine Gruppe unbekannter Studenten, die in einem Flyer mehrere Professoren und Dozenten des Historischen Instituts sowie den Pressesprecher der Universität aus verschiedenen Gründen angegriffen hat. Die Uni wehrt sich jetzt gegen die anonymen Attacken und erstattet Anzeige gegen Unbekannt.

Rektor Wolfgang Schareck bestätigt den juristischen Schritt. „Da sowohl Persönlichkeitsrechte wie Urheber- und Markenrechte der Universität verletzt sein könnten, sind die Ermittlungsbehörden gebeten worden, dieses zu prüfen.“ Innerhalb der Hochschule werde es keine weitere Aktivitäten geben, heißt es von der Leitung. Anonyme Beschuldigungen seien kein hinreichender Grund tätig zu werden.

Der Konflikt, der jetzt die Staatsanwaltschaft beschäftigt, hatte seinen Ausgangspunkt zu Beginn des Semesters mit einem anonymen Flugblatt. Der Titel: „Extremismus der Mitte.“ Die Lehrenden aus dem Historischen Institut werden aus ganz unterschiedlichen Gründen kritisiert. Sie sollen „antiemanzipatorische und autoritäre Positionen“ vertreten. Einigen wird die Nähe zu Landsmannschaften und Burschenschaften vorgehalten. Der Vorwurf lautet: „Pseudowissenschaftlich getarnte rechte Ansichten unter die Leute zu bringen“, wie es im Internetauftritt der Gruppe „Kritische Uni“ heißt.

Namentlich genannt werden die Professoren Egon Flaig, Alexander Gallus und der emeritierte Werner Müller sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter Fred Mrotzek, Ingo Sens und Sven Hartig. Uni-Sprecher Ulrich Vetter wird wegen seiner Arbeit als Journalist im Vorfeld der Ausschreitungen von Lichtenhagen 1992 kritisiert. So ganz unkommentiert bleibt die Veröffentlichung aber nicht. „Mir scheint, dass ihr absolut übermotiviert herangegangen seid“, schreibt ein Student im Internet-Blog der Gruppe. „Bei dem einen oder anderen Dozenten mögen kritische Stimmen sehr wohl angebracht sein. Aber bitte zieht nicht Personen mit hinein, für deren unlauteres Dozenten-Verhalten es keine Beweise gibt“, heißt es weiter.

Die kritischen Studenten wehren sich. Alles lasse sich belegen, sagt einer aus der Gruppe, der sich am Telefon „Frank Schmidt“ nennt. Nicht sein richtiger Name, wie er zugibt. „Wir sind alle Frank Schmidt.“ In einer privaten Runde sei die Idee entstanden, auf bekannte Dinge im Historischen Institut öffentlich hinzuweisen. Man wolle anonym bleiben, weil Repressalien im Studium gefürchtet werden. „Wir wollen alle weiter studieren“, erklärt der Student. Die Strafanzeige fürchte er nicht, so „Schmidt“, da sich alles belegen lasse. Solange es geht, wollen die Mitglieder der „Kritischen Uni“ allerdings anonym bleiben, aus Angst vor Nachteilen. Sollten sie allerdings durch die Ermittlungen auffliegen, würden sie öffentlich zu den Aussagen im Flyer stehen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta), die gewählte Vertretung der Studenten, will sich inhaltlich nicht zur Gruppe „Kritische Uni“ äußern, sagt der Vorsitzende Clemens Schiewek. „Wir können nicht differenzieren, was von den Vorwürfen stimmt.“ Kritisiert wird aber, dass es keine Stellungnahme der Unileitung gibt und Sprecher Vetter ausgerechnet der rechten Zeitung „Junge Freiheit“ ein Interview gab.

Die Uni betont, dass sie offen für jedweden Diskurs sei, zu ihrem Selbstverständnis gehöre der wissenschaftliche Meinungsstreit. Anonyme Flugblätter, E-Mails und Internetseiten mit persönlichen Vorwürfen seien dazu aber nicht geeignet.

Thomas Niebuhr