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Rostock Zukunftspläne und schwarze Zahlen: Rostocker Uni-Rektor im Interview
Mecklenburg Rostock Zukunftspläne und schwarze Zahlen: Rostocker Uni-Rektor im Interview
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20:03 11.02.2019
Rostock Universität Interview Rektor Prof. Wolfgang Schareck (66) Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Am Mittwoch vor genau 600 Jahren gab der Papst grünes Licht für die Gründung der Rostocker Universität. Im Vorfeld des Jubiläums sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit Rektor Prof. Wolfgang Schareck.

OZ: Prof. Schareck, Sie sind ein gebürtiger Düsseldorfer, der 1994 nach Rostock kam. Wie sehr betrifft dieses Jubiläum Sie persönlich?

Prof. Schareck: Sehr –  nicht nur beruflich, auch familiär. Meine Mutter stammte aus der Rostocker Reederfamilie August Cords. Der 1903 in Rostock gebaute Dampfer, der als erstes DDR-Handelsschiff und später als Pionierschiff „Vorwärts“ bekannt wurde, hieß einst „Grete Cords“ und gehörte meinem Urgroßvater, August Cords. Als ich vor 25 Jahren das Angebot bekam, als Chirurg von Tübingen nach Rostock zu gehen, bin ich gern hierhergekommen. Und ich bin gern geblieben, auch als später Angebote aus anderen Städten folgten.

Worauf freuen Sie sich im Jubiläumsjahr am meisten?

Auf die Festtage rund um das Gründungsjubiläum im November und das Sommerfest am 22. und 23. Juni, mit dem wir in den 801. Stadtgeburtstag hinein feiern. Natürlich auf akademische Höhepunkte, internationale Symposien, das Bachfest. Sehr gespannt bin ich auf die Ausstellungen „Menschen – Wissen – Lebenswege“ im Kulturhistorischen Museum und „Experiment Zukunft“ in der Kunsthalle, wo ab 22. März Wissenschaft und Kunst zusammen wirken. Das wird eine Science Fiction-Ausstellung, inspiriert durch unsere Forschungsschwerpunkte am Standort an der Ostsee.

Es gibt schon in dieser Woche einen historisch bedeutsamen Tag: Am 13. Februar 1419 hat Papst Martin V. dem Antrag  auf Gründung einer Universität an der Warnow zugestimmt. Verdient nicht auch dieser Tag eine Würdigung?

Unbedingt. Deshalb eröffnen wir jetzt im Februar schon die erste Ausstellung des Jubiläumsjahres. In der Schatzkammer des Uni-Hauptgebäudes werden Gegenstände aus dem studentischen Leben des 16. Jahrhunderts gezeigt, vom Bierfässchen über Essgeschirr bis zu Schreib- und Spielutensilien. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin unterstützt uns dabei mit Leihgaben aus der Landesarchäologie. Auch Zepter, Siegel und wertvolle Dokumente aus vergangenen Jahrhunderten können in der Schatzkammer bewundert werden, so das älteste Vorlesungsverzeichnis und eine Kopie der Gründungsurkunde der Theologischen Fakultät. 1432 wurde sie als vierte Fakultät von Papst Eugen IV. eingerichtet. Angefangen hatte 1419 ja alles mit der Juristischen, der Medizinischen Fakultät und der Facultas Artium mit dem Trivium aus Grammatik, Dialektik, Rhetorik sowie dem Quadrivium mit Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musiktheorie.

Die Rostocker „Leuchte des Nordens“ gilt als älteste Universität im Ostseeraum. In Zukunft soll sie sich als deutsche Ostsee-Universität weiter profilieren. Was bedeutet das?

Bildung kennt keine Grenzen, Wissenschaft ist global. Die Ostseeregion ist unser gemeinsamer Lebensraum. Hier haben wir bereits viele Jahre Partnerschaften, so mit Hochschulen im lettischen Riga, finnischen Turku, im polnischen Danzig, im estnischen Tallinn. Die wollen wir festigen und weiter ausbauen, auch mit St. Petersburg und der Leningrader Region in Russland. Vor einem Jahr besuchte ich Turku. Der dortige Rektor hat großes Interesse an unserem Leibniz Campus Phosphorforschung mit ähnlichen lokalen Problemen im Turkuer Archipel, so beim Phosphatrecycling.

Wie profitieren Studierende von dieser Internationalität?

Der Anteil ausländischer Studierender an unserer Universität hat sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt, von knapp sechs auf mehr als elf Prozent. Wir bieten Doppelabschlüsse an Hochschulen im Ausland an, die Interdisziplinäre Sommerakademie, außerdem Sommerschulen in vielen Fakultäten. Internationalität und Kulturkontakt tragen dazu bei, dass Toleranz wächst, die Voraussetzung für Vielfalt und Frieden.

Wird 2019 auch spürbar, dass der Uni-Geburtstag Teil des Doppel-Jubiläums 800 Jahre Hansestadt/600 Universität Rostock ist?

Wir feiern mit unserem Sommerfest am 22. und 23. Juni in den 801. Stadtgeburtstag hinein. Außerdem öffnen wir bis in den Dezember hinein viele Veranstaltungen für die Stadtgesellschaft. Es wird Führungen, Konzerte und Schauvorlesungen geben. Höhepunkt im April wird die besonders interessante, lange Nacht der Wissenschaft. Die Stadt begleitet unsere Veranstaltungen mit Aktionen, die im vorigen Jahr viel Zuspruch fanden. So soll das große Singen im Stadthafen, die singende Zeitreise durch Rostocks Geschichte, im August wiederholt werden.

Zur Festwoche im November: Wie wird da gefeiert?

Höhepunkt wird am 12. November der akademische Festakt sein – genau dort, wo 1419 die Universität eröffnet wurde, in der Rostocker Marienkirche. Vom 8. bis 12. November wird in der Stadt ganz viel los sein: ein Jubiläumsmarkt, ein Festumzug, Poetry Slam, eine Neuaufführung des Cornelius relegatus als Oper im Katharinensaal der HMT, ein Jubiläumsball, ein Konzert-Abend im M.A.U. Club, eine Matinée im Volkstheater, eine große Party im Peter-Weiss-Haus, Alumni-Treffen, Exkursionen zu den Fakultäten, ein Internationales Symposium zur interdisziplinären Forschung, ein Festival der Sinne in der Südstadt-Mensa - für jeden etwas.

 Für Universitätsangehörige gibt es aber auch den normalen Arbeitsalltag. Trübt es die Stimmung im Jubiläumsjahr, dass die Universitätsmedizin immer wieder in der Kritik steht?

Ich bin mit Leidenschaft Arzt und Chirurg. Was da in der Öffentlichkeit diskutiert wird, kann mich nicht unberührt lassen. Denn es trifft auch die vielen Mitarbeiter in den Kliniken, die sich jeden Tag um Patienten kümmern und bemüht sind, ihre Arbeit gut zu machen.

Zu Defiziten und Missständen haben Sie sich bisher selten geäußert – warum?

Missstände in unserem System sollten wir offen und ehrlich miteinander austragen. Jedoch öffentlich mit dem Finger auf Kolleginnen und Kollegen zu zeigen, muss negative Auswirkungen auf das Vertrauen unserer Patienten in die universitäre Hochleistungsmedizin haben. Vor Absolventinnen und Absolventen unserer Medizinischen Fakultät habe ich kürzlich zu der Problematik Stellung genommen.

Was haben Sie dort gesagt?

Da Universitätsmedizinen in Deutschland überwiegend in den roten Zahlen sind, ist die Freude darüber, dass unsere Universitätsmedizin schwarze Zahlen erreicht hat und sogar ein siebenstelliges Plus verzeichnen konnte, erst einmal mehr als verständlich. Insbesondere, wenn dieses Ergebnis durch Prozessoptimierungen, ein gutes Betriebsorganisationskonzept und differenzierte Dienst- und Notfallplanungen erreicht wurde. Denn der Gewinn kann und muss zur Verbesserung der Personalsituation, zum Abbau des Investitionsstaus und für dringend benötigte Baumaßnahmen verwandt werden.

Fließen Krankenhaus-Gewinne nicht auch in Spitzengehälter des Vorstandes?

Dass zur Gewinnung von Spitzenkräften für Chefarztpositionen in Deutschland inzwischen Gehälter gezahlt werden, die an die Fußballbundesliga erinnern, ist eine mehr als bedauerliche Entwicklung, die die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch Forschung und Lehre beeinträchtigen können. Denn anderenorts wird noch weit mehr bezahlt. Der Verdacht eines direkten Zusammenhanges mit der an sich erfreulichen Bilanz des Uniklinikums ist schwer zu entkräften.

Für junge Ärzte könnte die Aussicht auf hohe Gehälter doch aber recht verlockend sein?

Ich habe ihnen den Rat gegeben, nicht das Geld zum Gradmesser ihres beruflichen Glücks zu machen. Junge Mediziner sollten nicht zulassen, dass Geld zum Kriterium ihrer Leistungen und ihres Könnens gemacht wird.

Zurück zum Jubiläum: Wir feiern die 600, es gibt 2019 in Rostock aber noch weitere Jubilare...

Ja, es gibt geradezu eine Fülle von Co-Jubilaren – 450 Jahre Unibibliothek, 100 Jahre Mensa, 120 Jahre Zoo, 80 Jahre Botanischer Garten, 15 Jahre Seniorenakademie. Die Kunsthalle wird 50 und die Hochschule für Musik und Theater 25 Jahre alt und – auch ganz wichtig – der Studentenkeller wird 50. Wir gratulieren und freuen uns auf ein gemeinsames Festjahr!

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Elke Ehlers

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