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Rostock Urlaub für Menschen mit kleinem Geldbeutel
Mecklenburg Rostock Urlaub für Menschen mit kleinem Geldbeutel
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00:00 18.04.2013
St. Ursula liegt in der N�he der Seebr�cke. Quelle: Michael Schißler
Graal-Müritz

„Ostsee für alle“, schreibt die katholische Familienferienstätte St.Ursula in Graal-Müritz auf ihren Werbeflyer. „Genauso meinen wir das auch“, sagt Hausleiter Markus Dupke (37): „Wir machen ein Angebot für kinderreiche Familien, für Menschen mit geringem Einkommen, für Alleinerziehende und für Senioren — das sind die Gäste, die uns in erster Linie wichtig sind“, sagt Dupke. Im vergangenen Jahr wurden im St. Ursula 19 800 Übernachtungen und 3100 Gäste gezählt.

In dieser Woche haben 60 Senioren Unterkunft in der Ribnitzer Straße 1 gefunden. Senioren sind es auch, die im Herbst gern mit den Enkelkindern einen Aufenthalt in der Ferienstätte buchen. „Aber im Sommer sind es ausschließlich Familien, die wir bei uns beherbergen“, sagt Dupke. In den Wintermonaten kommen oft evangelische und katholische Kirchenkreise, Senioren und Behinderte: St. Ursula kennt keine Winterpause.

Denn das Haus, das von der Caritas Mecklenburg getragen wird, arbeitet mit einem Konzept, für das es ganzjährigen Bedarf gibt. „Wir setzen hier auf die Gemeinschaft“, sagt der Hausleiter. Danach ist auch der Tagesablauf ausgerichtet, wobei die Teilnahme an den Angeboten freiwillig ist. „Es wird gemeinsam zu Mittag gegessen“, sagt Markus Dupke. Das kommt bei den Gästen ebenso an wie Abendveranstaltungen für Kinder und für Erwachsene.

„Viele kommen zu uns mit einem Rucksack voller Sorgen, die Menschen finden aber dann Kontakt und können sich darüber austauschen und sprechen. Das trägt auch zur Erholung bei“, schildert der Hausleiter seine Erfahrungen. Und er hat bemerkt: „Der Wunsch nach einer solchen Gemeinschaft wächst immer mehr.“ Deswegen „haben wir auch keine Fernsehgeräte auf den Zimmern, die Gäste finden so schneller zusammen“, sagt Dupke, der die Ausstattung der Räume in St. Ursula als einfach beschreibt: „Aber wir müssen auch darauf achten, dass beispielsweise Rollstuhlfahrer leichter wenden können, Teppichboden ist dabei nur störend.“ Die Mannschaft von St. Ursula denkt schon an ihre Gäste, auch daran, dass eine Mutter auch dafür dankbar ist, wenn sie ihr Kind gut aufgehoben weiß und einfach einmal unbeschwert bummeln gehen oder lesen kann.

Zwischen 16 und 20 Mitarbeiter sind in St. Ursula beschäftigt „in der Saison dann 25 bis 30“, sagt Markus Dupke. Sie sorgen für einen Rundumservice. Die Ferienstätte ist mit einer Vielzahl an Freizeitmöglichkeiten ausgerüstet. Dazu gehören beispielsweise ein großer Spielplatz, ein Fuß- und Volleyballfeld und ein Tischtennisraum. Eigentlich alles da, aber „die Aufenthaltsdauer der Gäste wird kürzer“, bedauert Dupke, „das ist so wie in den Hotels auch“. Er kann sich nicht vorstellen, „dass es dann mit der Entschleunigung klappt“. Und für ihn wird es schwieriger, die Gemeinschaft zu erreichen.

Die Geschichte
Die Familienferienstätte St. Ursula war ursprünglich einmal ein Hotel, das im Jahre 1886 in der Ribnitzer Straße errichtet wurde. Auf dieser Grundmauer steht das Haus heute noch. Im Jahre 1922 übernahmen die Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens das Gebäude. Es war dann während der DDR-Zeit Kinderheim, wurde Zuflucht für Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg und war später Erholungsheim für Kinder mit Asthma. In den Jahren 1993 bis 1995 wurde das Gebäude saniert und zur Familienferienstätte umgebaut. Es befindet sich im Eigentum der Missionsschwestern.

Michael Schißler