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Rostock Urlauber will Rostocker Straßenbahn verklagen
Mecklenburg Rostock Urlauber will Rostocker Straßenbahn verklagen
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12:02 09.01.2019
Im Gleisbett vor dem Steintor gibt es einen leichten Höhenunterschied an den Schienen. Hier stürzte die Urlauberin. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Der Urlaub in Rostock – er wird ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen noch lange beschäftigen. Doch das, was bei Manfred Galka und seiner Ehefrau Renate in Erinnerung bleiben wird, sind nicht die schönen Ansichten der Hansestadt – sondern Schmerzen: Renate Galka hat sich nämlich bei einem Sturz schwer verletzt. Und die Schuld daran gibt sie der Rostocker Straßenbahn AG. Die Urlauber wollen nun juristisch gegen die RSAG vorgehen – weil die ihre eine Baustelle am Steintor nicht ausreichend gesichert habe.

Sturz vor dem Steintor

Renate Galka befindet sich derzeit noch in einer Klinik in Neuss. Ihr Mann erzählt ihre Geschichte: „Wir haben den Jahreswechsel an der Ostsee verbracht.“ Ausspannen, frische Luft, Meer. „Und wir wollten uns die Hansestadt ansehen.“ Doch ein Stadtführung auf eigene Faust endet am Steintor abrupt und schmerzhaft. „Wir waren auf dem Weg zur Stadtmauer, querten vor dem Steintor die Straßenbahngleise“, erzählt Galka. In der Mitte der Trasse – zwischen den beiden Gleis-Strängen – fehlen aber seit Wochen Betonplatten. Sie sollen offenbar ausgetauscht werden. „Mein Frau ist an der Kante gestolpert – und gestürzt.“ Die 69-Jährige verletzt sich am Kopf, an der Schulter und an der Hand. „Ein komplizierter Bruch im Handgelenk. Das ist völlig zertrümmert.“

Manfred Galka rief den Notarzt, seine Frau kam in Rostock ins Krankenhaus. In der Uni-Medizin wurde sie behandelt. Nun – daheim in Neuss – muss der Bruch operiert werden. „Die Sanitäter haben uns noch erzählt, dass sie oft zum Steintor gerufen werden. Weil dort immer wieder Menschen stürzen und sich verletzen“, berichtet Galka. Ähnliches hätten ihm auch Mitarbeiter in der Klinik berichtet.

Immer wieder achten Autofahrer in Rostock nicht auf die blauen Straßenbahnen. Es kommt zu schweren Unfällen, bei denen die Autos meist stärker beschädigt werden als die Bahn selbst. In der Galerie sehen Sie Bilder von Straßenbahn-Unfällen in Rostock. Fahren Sie bitte vorsichtig.

Anzeige gegen die RSAG

Während seine Frau in Krankenhaus behandelt wird, hat Manfred Galka einen Anwalt eingeschaltet. Er will juristisch gegen die Rostocker Straßenbahn AG vorgehen. Denn er ist überzeugt: „Die RSAG trägt eine große Mitschuld am Unfall meiner Frau. Die Schienen dort sind nicht abgesenkt, eine Gefahren- und Sturzquelle.“ Die Arbeiten vor dem Steintor würden seit Monaten andauern. „Doch richtig abgesperrt sind die Bereiche nicht.“ Die RSAG habe es versäumt, die Baustelle richtig zu sichern und würde damit fahrlässig in Kauf nehmen, dass sich Menschen verletzen. Galka: „Wir prüfen deshalb auch eine Anzeige gegen das Unternehmen und die Stadt.“ Möglicher Vorwurf: Fahrlässige Körperverletzungen.

Straßenbahn kennt Unfall nicht

Die RSAG reagiert auf die Anschuldigungen aus Neuss überrascht: „Wir wissen von diesem Unfall nichts. Bei uns hat sich noch niemand diesbezüglich gemeldet“, sagt Unternehmenssprecherin Beate Langner. Sie können deshalb auch keinerlei Angaben zu dem Unglücksfall des Urlauberpaares machen. „Wir wissen ja noch nicht mal, wo und wie genau die Frau gestürzt ist.“ Sobald sich Familie Galka bei der RSAG melde, würde der Vorfall aber genau untersucht. Nur so viel sagt sie dann doch zu dem Steintor-Unfall: „In Höhe der Industrie- und Handelskammer gibt es einen gekennzeichneten Überweg über die Gleise.“ Dort seien die Bordsteine und Schienen abgesenkt, es gibt Orientierungshilfen für Blinde und Sehbehinderte. „Direkt zwischen den Haltstellen queren die Menschen die Gleise auf eigene Gefahr.“

Dass sich Menschen in Bussen und Bahnen, aber auch an Haltestellen der RSAG verletzen – ja, das komme leider immer wieder vor. Die RSAG führe sehr genau Statistiken zu den Unfällen und zu den Ursachen. Die Zahlen nennen will Langner aber nicht. „Es passiert beispielsweise häufig, dass unsere Bahnen oder Busse eine so genannten Gefahrenbremsung vornehmen müssen.“ Soll heißen: Wenn Fußgänger oder Radfahrer plötzlich vor eine Straßenbahn laufen, legen die Fahrer eine Vollbremsung hin. „Dabei stürzen oder verletzen sich leider auch Passagiere in unseren Fahrzeugen.“ Auch an den Haltestelle komme es immer wieder mal zu Stürzen: „Für die Straßenbahn-Haltestellen sind wir zuständig, die Bushaltestellen gehören hingegen der Hansestadt.“ Die RSAG würde Unfälle stets der Versicherung melden: „Die prüft dann die Ansprüche.“

Andreas Meyer

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