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Veranda-Streit: Initiative will bis zur OB-Wahl weitermachen

Rostock Veranda-Streit: Initiative will bis zur OB-Wahl weitermachen

Seit elf Jahren streiten die Warnemünder mit der Stadt um den Preis für ihre Veranden. Am Sonnabend hat es in der Bürgerinitiative nun einen Führerwechsel gegeben.

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Seit elf Jahren streiten die Warnemünder mit der Stadt. Am Sonnabend hat Helmut Bach (Bild) das Zepter abgegeben. Seinen Posten in der Bürgerinitative der Warnemünder Veranda-Besitzer wird Detlef Thomaneck übernehmen.

Quelle: Johanna Hegermann

Rostock. Es sollte die letzte Versammlung der Bürgerinitiative der Warnemünder Verandabesitzer sein. Doch stattdessen hat es beim Treffen am Sonnabend einen Wechsel an der Spitze gegeben. Statt Helmut Bach will in Zukunft Detlef Thomaneck die Arbeit weiterführen. Denn auch nach elf Jahren, seitdem der Veranda- Streit in Warnemünde ausgebrochen ist, gibt es noch nicht für jeden eine Lösung.

Zum Hintergrund: Oberbürgermeister Roland Methling (UfR) hatte auf den Verkaufspreis der städtischen Veranda-Grundstücke an die Hauseigentümer bestanden und für die bisherige Nutzung dieser Grundstücke auf „marktübliche“ Preise gefordert. Die Stadt verlangt je nach Lage rund 500 bis etwa 1600 Euro pro Quadratmeter als Kaufpreis. Für eine Fläche, die sie selbst bei einem Abriss nicht nutzen könnte. Doch das ginge auch nicht, denn die Veranden stehen unter Denkmalschutz. „Es ist eine Ungerechtigkeit. Man ist gezwungen die Veranda zu erhalten, aber muss so oder so dafür zahlen“, sagt Rechtsanwalt Martin Fiebig, der die Bürgerinitiative berät.„Es läuft jetzt schon alles lang genug“, sagt Manfred Scholwin, der ebenfalls betroffen ist. „Wir sind ja Willens zu zahlen, aber doch nicht diese horrenden Summen“, betont der 75-Jährige. Ursprünglich wollten die Warnemünder rund 120 Euro je Quadratmeter zahlen. Denn die Veranden wurden zum Teil vor 100 Jahren erbaut. Seit dem sind die Quadratmeterpreise in Warnemünde jedoch explodiert.

Dabei ging der Streit schon über mehrere Instanzen. Anstatt eine schnelle, politische Lösung zu finden, mussten die Mitglieder den juristischen Weg gehen. „Wir sind aber nicht gescheitert. Die Katastrophe wurde abgewendet“, betont Fiebig. Denn das hohe Nutzungsentgelt ist vom Tisch. Die Betroffenen hätten rückwirkend rund 12 000 bis 16 000 Euro zahlen müssen. Stattdessen rede man nun von einer Überbaurente. Also müssten sie in regelmäßigen Abständen rund fünf bis sieben Prozent des Gesamtwertes der Fläche zur Zeit der Bebauung zahlen. „Im Detail ist die Stadt bei den Vergleichen vor Gericht kompromissbereit.“ Das sei auch dem politischen Druck geschuldet. Ein Risiko ist jedoch die Instandhaltung der Veranden. „Wer sich auf die Überstandrente einigt und die Veranda abreißt und wieder neu aufbaut, muss den aktuellen Preis zahlen.“

Helmut Bach hat genug davon. „Es wird gehandelt wie auf einem marokkanischen Markt“, sagt er erbost. Es gebe eine klare gesetzliche Regelung, aber scheinbar würde sich keiner daran halten. Auch von den Entscheidungen des Oberlandesgerichts sei er enttäuscht.

„Das Problem ist eine einzelne Person. Nicht die Stadt und nicht die Amtsleiter“, sagt hingegen der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel (CDU) und bezieht sich auf den Oberbürgermeister. „Sein einziges Ziel ist ein ausgeglichener Haushalt und dafür ist ihm jedes Mittel Recht.“ Dabei habe die Hansestadt bisher vor allem Geld in den Streit investiert. „Die Stadt wird nicht einmal die schwarze Null erreichen. Mit der Vielzahl an Prozessen haben sie rund 70 000 Euro versenkt“, sagt Rechtsanwalt Fiebig. Damit hätte man seiner Meinung nach auch eine mittelgroße Kita renovieren können.

Prechtel und Bach bezeichnen den OB als „beratungsresistent“ und auch die Mitglieder der Initative stimmen zu. „Aber die Zeit des OBs ist möglicherweise endlich“, betont Prechtel. Schließlich gebe es 2019 die nächste Oberbürgermeister-Wahl. Diese wolle man nun abwarten. Lange wurde in der Sitzung diskutiert, ob und in welcher Form man die Bürgerinitiative erhalten möchte. „Ich nehme erst einmal den Druck vom Kessel“, sagt Thomaneck, als er sich bereit erklärt, die Rolle von Bach zu übernehmen. Doch noch sucht er mindestens zwei Mitstreiter. Denn auch Ekkehard Romeike will aufhören. Für die getane Arbeit will sich die Initiative bei Bach und Romeike bedanken. Nach einigen Diskussionen einigte man sich darauf, Romeike 200 Euro und Bach mit 1500 Euro für ihren Einsatz zu entschädigen. „Wir wollen damit Danke sagen“, erklärt Thomaneck.

Johanna Hegermann

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