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Rostock Vergangenheit aus sturmgepeitscher Flut
Mecklenburg Rostock Vergangenheit aus sturmgepeitscher Flut
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00:02 10.04.2018
Jörn Reiche betrachtet zwei Fotos, die seinen Großvater zeigen. Karl Telzerow ist am 1. Dezember 1936 mit der „Elsa“ im Bereich vor Borkum und Norderney während eines Orkans untergegangen. Erst kürzlich konnte ein dort liegendes Wrack zugeordnet werden. Quelle: Foto: Timo Richter
Ahrenshoop

Nachdem am 1. Dezember 1936 ein Brecher die Brücke der „Elsa“ weggerissen hatte, nahm das Unheil seinen Lauf. Mit Kohle im Bauch war das Schiff von Danzig nach Frankreich unterwegs. In Cuxhaven war der Stammkapitän an Land gegangen. Mit zwölf Mann an Bord legte die „Elsa“ bei schwerem Wetter ab. Das Schiff sollte sein Ziel nie erreichen. Erst 2007 wurde das Wrack vor der ostfriesischen Inselkette entdeckt.

Zehn Jahre wurde es betaucht, vermessen – ein ganzes Buch ist über das Wrack erschienen. Aber erst jüngst konnte das Wrack korrekt zugeordnet werden. Es ist Gewissheit: Es ist die „Elsa“.

Gewissheit hat nun auch der Ahrenshooper Jörn Reiche. Sein Großvater Karl Telzerow ist als Erster Steuermann mit der „Elsa“ untergegangen. Gebannt hat das Niehäger Urgestein in der vergangenen Woche im Fernsehen einen Bericht über die Ergebnisse der Wracktaucher verfolgt. Zitiert wurde in dem Beitrag ein Enkel des Kapitäns. Der Großvater Jörn Reiches ist ums Leben gekommen. 58 Jahre alt ist er geworden.

Jörn Reiche hat den Enkel des einstigen Kapitäns, der in Cuxhaven abgelöst worden war, ausfindig gemacht. Jetzt telefoniert er oft mit Ernst Weitendorf in Bremen. Damals konnten nur zwei Besatzungsmitglieder gerettet werden: ein 18-jähriger Matrose und der erst 16 Jahre alte Messejunge.

Der Rest der Mannschaft ertrank. Reiche berichtet von dem Unglück, als zählte er zu den Überlebenden: Die „Elsa“ kämpft sich an jenem Tag durch den Sturm. Der wächst sich zu einem Orkan aus. Ein Brecher reißt mit der Brücke den Kapitän und Rudergänger in die gurgelnde Nordsee. Auch die Holzbohlen, mit denen die Laderäume abgedeckt sind, halten der Wucht der Wellen nicht stand. Die Persenning ist gerissen. Versuche, die Laderäume vor dem Wasser zu schützen, scheitern.

Karl Telzerow übernimmt das Ruder, das was der Brecher gelassen hat. Das Schiff hat Schlagseite, Wasser schwappt in den Laderäumen hin und her. Mit jedem Brecher ergießen sich Massen in den Bauch des Schiffes. Notsignale sind mit der Brücke verschwunden. Mit Flaggen versucht die Mannschaft, auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Ein Schiffsführer erkennt die Notlage. In einer seemännischen Glanzleistung – so wurde es in einer nachfolgenden Verhandlung gelobt – steuert der die „Levensau“ längsseits. Der Matrose, der sich in Todesangst an ein Rettungsboot klammert, kann eine rettende Leine greifen. Auch der Messejunge erreicht die schlingernde „Levensau“. „Nimm die Leine, komm rüber!“ schreit der Kapitän. Doch Karl Telzerow gibt die „Elsa“ nicht verloren. Wenig später sinkt die „Elsa“. Und liegt seitdem 18 Meter tief auf dem Grund der Nordsee vor Borkum und Norderney. An der Oberfläche spielen sich derweil dramatische Szenen ab. Vergeblich hält die Besatzung der „Levensau“ Ausschau nach Überlebenden. Hilflos dreht der Kapitän bei und nimmt Kurs auf Hamburg – und die „Elsa“ gerät in Vergessenheit. Bis zu dem NDR-Beitrag. Es hält Jörn Reiche nicht im Sessel. Noch während der Sendung ruft er in der Redaktion an. In Schwerin erreicht er jemanden. Tags darauf ist der Kontakt hergestellt. Dann klingelt das Telefon im Haus im Ahrenshooper Ortsteil Niehagen. Am anderen Ende ist Ernst Weitendorf aus Bremen. „Inzwischen haben wir tüchtig Kontakt“, sagt Jörn Reiche.

Der Enkel des Stammkapitäns der „Elsa“ hat eine Ferienwohnung in Wieck. Im Mai ist ein Treffen geplant. Auf dem Programm steht ein Besuch auf dem Traditionsschiff „Dresden“ in Rostock. Dort findet ein Vortrag von Wracktauchern statt, die die „Elsa“ betaucht haben. Karl Telzerow stammte aus Anklam. Er studierte in Wustrow und fand wie viele angehende Seeleute eine Frau auf dem Fischland. In Niehagen lebte das Paar in dem Haus, das Jörn Reiche bewohnt. Der hofft, dass sich Nachfahren der Überlebenden des Schiffsunglücks finden lassen.

Kontakt: ☎ 038220 / 314

Zwei Überlebende

12 Mann Besatzung waren auf der „Elsa“, als das Schiff am 1. Dezember 1936 in der Nordsee im Bereich vor Borkum und Norderney sank. Nur zwei Seeleute überlebten das Unglück.

58 Jahre alt wurde der Großvater Jörn Reiches. Als erster Steuermann ist Karl Telzerow mit der „Elsa“ in einem Orkan gesunken. Das Wrack wurde erst im Jahr 2007 zufällig entdeckt.

Timo Richter

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