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Vermieter stellen sich auf Singles und Senioren ein

GÜSTROW Vermieter stellen sich auf Singles und Senioren ein

Die Güstrower Unternehmen mussten sich den Veränderungen in der Bevölkerung anpassen. Durch Abriss konnte die Leerstandsquote gesenkt werden.

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Viele B�rger wohnen schon seit Jahrzehnten in ihrer Wohnung. Auch hier in der S�dstadt in der Friedrich-Engels-Stra�e. Fotos (4): Mathias Otto

Quelle: Mathias Otto

Güstrow. Der Güstrower Wohnungsmarkt hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten stark verändert. War das Angebot zu DDR-Zeiten auf kinderreiche Familien ausgerichtet, sind heute Singlewohnungen oder Wohngemeinschaften immer häufiger gefragt. Auch für die wachsende ältere Bevölkerungsschicht mussten Lösungen gesucht werden.

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Zur Jahr- tausendwende hatten wir Leerstand im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen.“ Jürgen Schmidt (58), WGG-Chef

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Die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft Güstrow (AWG) lässt derzeit in der Altstadt 45 altersgerechte Wohnungen bauen. „Es gibt viele ältere Menschen, die in ihrer Wohnung allein nicht mehr zurechtkommen, die aber ungern weggehen. Warum also nicht altersgerechtes Wohnen", sagt der Vorstandsvorsitzende Norbert Karsten (65). Das Wohnungsunternehmen musste sich den Gegebenheiten in der Stadt und ihr Angebot vor allem für ältere Bürger anpassen. 2005 ließ die Genossenschaft die Seniorenresidenz „AWG-Rosenhof“ bauen. Oder es wurden vorhandene Wohnungen in Plattenbauten altersgerecht saniert.

Auch die Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) reagierte. Durch Umbaumaßnahmen sind in den vergangenen sechs Jahren 69 altersgerechte und barrierefreie Wohnungen entstanden. „Wir haben zudem einen großen Bestand an seniorengerechten Wohnungen übernommen, so dass wir jetzt 373 Objekte zur Verfügung haben“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Schmidt (58). Das entspricht umgerechnet 8,5 Prozent des Komplettbestandes.

„Es ist jetzt nicht so, dass wir uns komplett umorientieren mussten nach der Wiedervereinigung, aber genügend Änderungen gab es dennoch“, so der 58-Jährige. Junge Leute etwa, die aus ihrem Elternhaus ausziehen, bevorzugen oft kleine Wohnungen. Ebenso Studenten oder Lehrlinge, die eine kostengünstige Bleibe suchen. „So haben wir 30 Wohnungen zu Wohngemeinschaften umgebaut. 87 Zimmer haben wir derzeit zur Verfügung“, sagt Jürgen Schmidt. Jedoch entscheiden sich viele Paare oder Familien mit Kindern weiterhin für großen Wohnraum. Die größten Bestände ihrer Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen kann die WGG in der Südstadt (1700), Nordstadt (1400) oder im Stadtkern (150) verzeichnen.

Es gibt in der Barlachstadt viele, die schon lange in ein und derselben Wohnung wohnen. Laut AWG und WGG nimmt ein direkter Ansprechpartner des jeweiligen Unternehmens eine wichtige Rolle ein. „In Gesprächen erfahren wir, dass nicht nur die gewohnte Umgebung, sondern auch der Kontakt zu uns enorm wichtig ist“, erklärt Brigitte Kornmesser (60) vom AWG-Vorstand. Mit besonderen Aktionen wirbt die AWG regelmäßig um die Gunst zukünftiger Mieter. Sie lockt mit Werbeprämien oder Nachlässen für junge Leute. Auch eine Babyprämie wird gezahlt. Bekommt ein Mieter Nachwuchs, wird der neue Erdenbürger automatisch Mitglied der Genossenschaft und bekommt 160 Euro geschenkt.

Mittlerweile hat sich der Wohnungsmarkt in Güstrow für knapp 30 000 Einwohner eingependelt. Fast 40 000 konnte die Stadt noch gegen Ende der DDR-Zeit zählen. Bevölkerungsrückgang gab es wie in vielen mecklenburger Städten auch hier. Damit wurde eine Situation geschaffen, an der sich Wohnungsunternehmen gewöhnen mussten. Die WGG besitzt heute nur noch fast die Hälfte ihres Bestandes von vor 25 Jahren. Auch die AWG hatte Mieterschwund zu verzeichnen.

Die Unternehmen standen nach der Wiedervereinigung zuerst vor anderen Aufgaben. Kommunale oder genossenschaftliche Wohnungsunternehmen mussten ihre Altschulden loswerden, was zu einer verbesserten Kredit- und Investitionsfähigkeit führen sollte. 15 Prozent des Wohnungsbestandes musste privatisiert werden.

Dazu kam der Rückbau von Wohngebäuden, erläutert Jürgen Schmidt. Von fast 8000 Wohnungen — vorrangig in der Nord- und der Südstadt sowie im Bärstämmweg und im Stadtkern — wurden viele Häuser abgerissen. Heute bleiben 4400 Wohnungen übrig. „Zur Jahrtausendwende hatten wir den höchsten Leerstand im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen", sagt der WGG-Chef. Mittlerweile hat sich der Bestand beruhigt. 2012 waren im gesamten Bestand nur 2,2 Prozent nicht bewohnt.

Mathias Otto

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Weitere 45 Wohnungen für Senioren entstehen in der Güstrower Innenstadt. Zu einem ersten Rundgang lädt die „AWG Sonnenhof“ am 27. April um 13 Uhr ein.

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