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Rostock Viel Krach im Stadtteil der Krähen
Mecklenburg Rostock Viel Krach im Stadtteil der Krähen
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00:40 24.04.2018
Vor allem im Frühjahr sorgen die Krähen im Hansaviertel mit ihrem Krach für Ärger bei den Anwohnern. FOTOS (3): OVE ARSCHOLL

Viel lauter kann es auch nicht sein, wenn auf der gegenüberliegenden Seite der FC Hansa spielt. In den Bäumen auf dem Platz der Freiheit nisten Scharen von Krähen. Noch sind die Nester zu sehen, schon bald sind sie von Blättern verdeckt. „Das ist echt nervig“, sagt Melissa Schlicht, die seit 2015 am Platz wohnt.

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Anwohner im Hansaviertel genervt / Stadt kann nichts machen / Vögel unter Naturschutz

Besonders im Frühling machen die Vögel einen enormen Krach. Melissa Schlicht hatte sich schon an die Wiro gewandt. „Aber dort können sie auch nichts machen.“ Laut seien die Vögel schon, berichtet Mandy Hellwech. „Aber wir hören das schon gar nicht mehr.“ Philip Taufmann wohnt seit sechs Jahren am Platz der Freiheit. „Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt er. Rein gefühlt sei die Zahl der Krähen aber größer geworden.

Das „naturgegebene“ Problem sei der Stadtverwaltung bekannt, teilt Sprecher Ulrich Kunze mit. Die Anzahl der Brutplätze habe in den vergangenen letzten Jahren deutlich zugenommen, bestätigt er Philip Taufmanns Beobachtung. Vor mehreren Jahren siedelten sich die Saatkrähen im Hansaviertel nicht nur am Platz der Freiheit, sondern auch in der Tschaikowskistraße, in der Kopernikusstraße und in der Karl-Marx-Straße mit einer Kolonie an. Die Brutzeit beginnt Anfang März und endet Mitte Juni mit dem Ausfliegen der Jungtiere.

Gegen die Krähen unternehmen lässt sich aus praktischer, aber auch aus naturschutzrechtlicher Sicht nichts. Die zuständigen Ämter sehen keinen Handlungsbedarf. Der Ortsbeiratsvorsitzende Karsten Cornelius (SPD) will das so nicht akzeptieren, schließlich hätten die Menschen, die dort wohnen, auch Rechte. „Das ist ein ungelöstes Problem. Irgendwas muss doch möglich sein, um die Krähen zu vertreiben.“

Es gibt laut Stadt Beispiele, nach denen eine Beseitigung der Nester nicht dazu führte, dass die Krähen ihren Brutplatz verlagerten. Im Gegenteil: Sie bauen Ersatznester am gleichen Standort. „Die Beseitigung der Krähenprobleme wäre folglich nur durch eine Auflösung der Kolonie durch permanente Störungen und Vergrämungsmaßnahmen möglich“, heißt es in der städtischen Stellungnahme. Krähen seien wie alle Rabenvögel hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit und ihres Verhaltens als auffallend intelligente Tiere bekannt. Die Erfahrung in anderen Städten zeigten, dass die Aktionen keine oder nur kurze Wirkung haben. Das Problem werde nur verlagert. Das Aufstellen von Uhu-Attrappen, das Fällen von Bäumen oder das Entfernen von Nestern beeindruckt Krähen wenig, teilt das Rathaus auf OZ-Anfrage mit.

Das Naturschutzgesetz führt die Saatkrähe als besonders geschützte Art auf. Danach ist es verboten „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“. Quartiere, die regelmäßig beziehungsweise in jedem Jahr erneut genutzt werden, unterliegen einem ganzjährigen Schutz.

Das zuständige Grünamt prüfte nach der OZ-Anfrage die Situation am Platz der Freiheit, eine außergewöhnliche Verschmutzung durch Krähen stellten die Mitarbeiter nicht fest. Die öffentlichen Grünflächen werden durch eine Fremdfirma gepflegt. Ende April gibt es die Frühjahrsreinigung des Rasens, einschließlich Beseitigung des Nistmaterials. Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt sieht aus Tierseuchen- und Tierschutzsicht keine Notwendigkeit zum Handeln.

Über konkrete gesundheitliche Gefährdungen durch Krähenkot lassen sich keine Aussagen treffen, da eine direkte Übertragung von Erkrankungen von Krähen auf den Menschen noch nicht nachgewiesen wurde, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Allerdings sei davon auszugehen, dass auch Krähen- wie anderer Vogelkot Keime enthalten kann. Bedenklich sei allerdings eine eventuelle Kontamination von Lebensmitteln auf Märkten. Über körperliche Attacken durch Krähen gegenüber Menschen ist dem Gesundheitsamt nichts bekannt, während Angriffe von Möwen schon öfter beobachtet wurden. Im vergangenen Jahr gab es jedoch Berichte über Krähen-Attacken in Mannheim.

Das Gesundheitsamt rät dazu, essbaren Müll nicht auf die Wege zu werfen und die Mülltonnen verschlossen zu halten. Eine Erweiterung des Fütterungsverbotes von Möwen auf andere Vogelarten wie Krähen würde jedoch nur unwesentlich zu einer Reduktion der Bestände führen und wäre auch nicht kontrollierbar.

Thomas Niebuhr

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