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Rostock Vize-Landrat ist im Ruhestand
Mecklenburg Rostock Vize-Landrat ist im Ruhestand
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07:38 01.12.2017
Lachend verlässt Dr. Wolfgang Kraatz nach mehr als 27 Jahren die kommunalpolitische Bühne. Quelle: Foto: Doris Deutsch
Kühlungsborn

Adventskranz basteln, das steht heute auf seinem Tagesplan. „Und dann sind wir in Rufbereitschaft“, sagt Dr. Wolfgang Kraatz, der zusammen mit Ehefrau Gabriele das fünfte Enkelkind erwartet. „Am 7. Dezember ist Entbindungstermin, da müssen wir zu unserer Tochter nach Lüneburg“, erzählt der 63-Jährige, „den Rest ihrer Familie betreuen.“ Zeit hat er nun, denn heute beginnt der Ruhestand. Vize-Landrat ade.

Er verlasse das Landratsamt mit „großer Befriedigung“, sagt Kraatz. Als Dezernent für Wirtschaft und Bau habe er ein großes Portfolio zu verantworten gehabt. Es sei ihm stets wichtig gewesen, private Wirtschaftsinvestoren und -initiatoren schnell und möglichst unbürokratisch zu unterstützen. Zu seinen Highlights auf der politischen Habenseite zählt der SPD-Politiker die erfolgreiche Privatisierung der Mollibahn 1995, mit fast ausschließlich kommunalen Anteilen. Auch die nach der Gebietsreform 2011 gebildete Rebus GmbH stehe inzwischen „auf festen Füßen“ oder, besser, Rädern. Und der lange Kampf um den Flughafen Rostock-Laage trage Früchte. „Die Weichen sind gestellt, dass der Regionalflughafen auch nach den EU-Richtlinien, die ab 2024 keine Zuschüsse der öffentlichen Hand mehr zulassen, eine schwarze Null schreiben kann.“

Kraatz lächelt zufrieden. Sein letzter Bürotag war Dienstag, gestern und vorgestern hatte er seinen letzten offiziellen Auftritt beim Landestourismustag in Linstow. „Ich habe keine großen unerledigten Sachen auf meinem Schreibtisch hinterlassen“, blickt Kraatz zurück. Wohl aber eine große menschliche Lücke im Kollegenkreis. „Wolfgangs ausgleichende, diplomatische Art wird von allen sehr geschätzt“, sagt sein Chef, Landrat Sebastian Constien. „Er war immer ansprechbar, konnte zuhören und hat mit seinen Erfahrungen stets zu einer sachlichen, konstruktiven Diskussion im Kreistag beigetragen.“ Ein Bilderbuch-Mecklenburger, ruhig, bescheiden, sachlich – so kennen ihn die Mitarbeiter, Kreistagsmitglieder, Bürgermeister. „Zu den meisten habe ich ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen können“, sagt Kraatz. Probleme seien gemeinsam gelöst worden. „Und da musste auch ich mal über den Schatten springen.“

Geboren in Neubukow, aufgewachsen in Kühlungsborn, wo er mit Familie noch heute zu Hause ist, hat Wolfgang Kraatz in Rostock Maschinenbau studiert, promoviert und später als Ingenieur auf der Warnowwerft gearbeitet. Ab 1987 war er im Institut für Atmosphärenforschung und ab 1991 in einem Hamburger Ingenieurbüro tätig, wo er am Bau von Seebrücken beteiligt war. „Kühlungsborn, Heiligendamm, Rerik“, zählt er auf. Immer was Handfestes, Greifbares.

Und doch zog es den Sozialdemokraten, der er gleich Ende 1989 wurde, in die Politik. Bis 1994 arbeitete er noch ehrenamtlich im Kreistag Bad Doberan, danach hauptamtlich als Dezernent für Bau, Wirtschaft, Umwelt und Vize-Landrat. „Und in all diesen Jahren hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass der Landkreis Rostock heute so ein aufstrebender Kreis ist“, betont SPD-Kollege Constien.

Langeweile wird Wolfgang Kraatz auch künftig nicht haben. Einige Ehrenämter bekleidet er weiter im Vorstand des Landestourismusverbandes, im Medienausschuss der Medienanstalt MV und im Landesplanungsbeirat. Ab kommendem Jahr übernimmt er außerdem die Präsidentschaft in seinem Rotary-Club. „Und da ist ja auch zu Hause viel liegen geblieben, im Haus, im Garten“, sagt der 63-Jährige.

Viel Zeit will er mit den Enkeln verbringen, drei Jungen und bald zwei Mädchen zwischen null und vier Jahren. Der Winterurlaub in Südtirol ist gesetzt und vielleicht erfüllt er sich mit Ehefrau Gabriele, die noch einige Jahre ihre Arztpraxis weiterführen wird, schon bald den Traum einer Fernreise nach Indien oder Südafrika.

Vom Maschinenbau in die Politik

Wolfgang Kraatz wurde 1954 in Neubukow geboren und wuchs in Kühlungsborn auf. 1973 machte er das Abitur an der EOS Bad Doberan. 1975 bis 1979 studierte Kraatz Maschinenbau an der Universität Rostock, war hier bis 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter und promovierte 1985 zum Doktor-Ingenieur. Weitere Stationen waren die Warnowwerft Warnemünde, das Heinrich-Hertz-Institut für Atmosphärenforschung Kühlungsborn, ein Ingenieurbüro für Bauwesen in Hamburg. 1989 wurde Kraatz Mitglied der SPD. Mit der Wahl zum Kreistagspräsidenten 1991 begann die politische Karriere, zunächst im Ehrenamt. Seit 1994 ist er Beamter im Landkreis Doberan, dann im Landkreis Rostock. Wolfgang Kraatz ist verheiratet mit der Ärztin Gabriele Kraatz, beide haben drei Kinder und vier Enkel.

Doris Deutsch

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