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Rostock Volkstheater: Rostock schmettert Minister Brodkorbs Pläne ab
Mecklenburg Rostock Volkstheater: Rostock schmettert Minister Brodkorbs Pläne ab
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00:00 07.03.2013
Botschaft an die Politik: Hunderte Kinder machten sich gestern Nachmittag vor dem Rathaus stark f�r ihren Freizeitclub. Quelle: Hannes Ewert
Stadtmitte

Demnach soll die Eigenständigkeit der Spielstätten in der Hansestadt an oberster Stelle stehen, bei weitreichenden Kooperationen mit Schwerin — aber ohne das Dogma einer Fusion.

Das steht im Gegensatz zum Papier, das Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) vorgelegt hatte. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) soll andererseits beim Land 500 000 Euro Hilfsgelder beantragen, um die drohende Schließung des Theaters im Stadthafen abwenden zu können.

„Erpressung, Druck und Drohungen vom Land: Eine derartige Einmischung in kommunale Angelegenheiten hat es bislang nie gegeben“, sagte Sybille Bachmann (Rostocker Bund). Sie griff den Minister an, warf ihm Wild-West-Methoden vor. Hintergrund waren Aussagen Brodkorbs im Vorfeld der Sitzung, dass Rostock keine weiteren finanziellen Hilfen beim laufenden Betrieb und einem etwaigen Theater-Neubau zu erwarten habe, sollte die Bürgerschaft die Absichtserklärung des Landes blockieren.

Die SPD unternahm gestern bis zum Kompromiss vieles, um dem Parteifreund zu helfen. „Wir können die Finanzlage nicht ignorieren. Ein eigenständiges Theater, ein eigener Weg heißt auch, selbst viel mehr zahlen zu müssen“, sagte Ingrid Bacher (SPD). Sie fürchte ein Sterben auf Raten, wenn man nicht „endlich zum Partner und nicht zum Gegner“ des Landes werde. „Nur eine Fusion kann das Theater langfristig sichern. Mindestens aber weitreichende Kooperationen“, sagte Frank Giesen (CDU). Von Schwerin über den Tisch ziehen lassen werde man sich bestimmt nicht, ergänzte Bacher.

Es sei jedoch eine Illusion zu glauben, dass das Land auf die Ansprüche und Wünsche Rostocks eingehe, wenn Schwerin auf seine Sonderrolle als Landeshauptstadt poche, konterte Götz Kreuzer (Linke).

„Bei einer harten Fusion verliert Rostock. Und eine Wischiwaschi-Variante fällt uns in fünf Jahren auf die Füße. Kooperationsformen sind der richtige Weg“, sagte Eva-Maria Kröger (Linke).

Oberbürgermeister Methling begrüßte den Entschluss der Bürgerschaft. Durch eine Prüfung von mehr Strukturmodellen gebe es für Rostock einen größeren Verhandlungsspielraum.

500 000 Euro für den Erhalt des Theaters am Stadthafen soll das Land laut Bürgerschaftsbeschluss trotz des Dissenses lockermachen.

Max- Samuel-Haus und Liwu hoffen
Die Fraktionen in der Rostocker Bürgerschaft richten einen Appell an Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD): Da der Stellenwert des Max-Samuel-Hauses und des Lichtspiel-Theaters Wundervoll (Liwu) in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt für die Kultur, die Integration sowie für das Zusammenleben in der Hansestadt unersetzbar seien, solle das Land die beiden Einrichtungen auch in diesem und den kommenden Jahren finanziell fördern. Das geht aus zwei Schreiben hervor, die während der gestrigen Parlamentssitzung verlesen und verteilt wurden. Zuletzt kündigte das zuständige Ministerium an, die Mittel für die Einrichtungen zu streichen. bw
Stadt will Geld für Schlaglöcher
Die Stadt soll versuchen, Geld vom Land für die Beseitigung von Schlaglöchern zu bekommen. Das hat die Bürgerschaft gestern einstimmig beschlossen. „Die Straßenschäden sind größer als erwartet“, sagt Frank Giesen (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Deshalb sei es notwendig, wie schon 2012 zusätzliche Mittel beim Land einzuwerben. Die Stadtverwaltung begrüßte den Bürgerschaftsbeschluss und kündigte an, entsprechende Gespräche in Schwerin zu führen. Der Versuch des Bauausschusses,auch im städtischen Haushalt zusätzlich 1,5 Millionen Euro für Straße bereitzustellen, fand in der Bürgerschaft aber keine Mehrheit.
Alles zurück auf Anfang: Haushalt 2013 fällt durch
Die Hansestadt Rostock wird auch in den nächsten Monaten ohne beschlossenen Finanzplan dastehen. Eine Mehrheit der Bürgerschaft lehnte den Haushalt ab, lediglich SPD und Grüne stimmten dafür. Die Stadtvertreter hatten den Haushalt bereits im Januar beschlossen, mussten nach dem Widerspruch von Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) gestern noch einmal abstimmen — mit einem komplett anderen Ergebnis.

Ausschlaggebend war das Votum der Linken. Sie wären bereit gewesen, die Kröte Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuer zu schlucken, wenn es denn eine Mehrheit für eine nochmalige Aufstockung der Jugendhilfe um 240 000 Euro gegeben hätte. Steffen Bockhahn (Linke) hatte schon bei der Demonstration der freien Träger angekündigt, den Haushalt abzulehnen, wenn die Kinder- und Jugendarbeit nicht mehr Geld bekommt. So kam es dann auch. CDU und FDP stimmten ebenfalls gegen den Haushalt, weil sie die Steuererhöhungen ablehnen.

Laut Kämmerei wird es noch einmal etwa ein Vierteljahr dauern, bis ein neuer Entwurf steht und durch die Gremien gegangen ist. Möchte die Stadt Rostock in diesem Jahr mehr Grund- und Gewerbesteuern von Hausbesitzern, Mietern und Unternehmern haben, muss das bis zum 30. Juni beschlossen werden. Thomas Niebuhr

Kinder fordern mehr Geld von der Stadt
Es müsse genügend Geld geben, forderte Claudia Lewandowski (12). Sie ist Bürgermeisterin der Rostocker Kinderstadt und kam gestern mit Hunderten auf den Neuen Markt, um zu demonstrieren. „Starkmachen für die Jugendhilfe“ hieß das Motto der Veranstaltung, zu der das Aktionsbündnis freier Träger vor der Bürgerschaftssitzung aufgerufen hatte. Für die Arbeit mit Kindern und Jugendhilfe fehlten 380 000 Euro im Haushalt, sagte Katrin Schankin vom Stadtjugendring. 1400 Unterschriften übergab die Initiative der Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU) — es half nichts, die Bürgerschaft bewilligte am Abend nicht mehr Geld. Thomas Niebuhr

tn Björn Wisker