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Volkstheater Mit Herz und Frechheit: „Miss Allie“ überzeugt die Jury
Mecklenburg Rostock Volkstheater Mit Herz und Frechheit: „Miss Allie“ überzeugt die Jury
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00:30 16.10.2017
Die Festival-Siegerin Elisa Hantsch (r.) mit den Zweitplatzierten Franziska Hoffmann und Joel Grip. FOTOS (2): THOMAS NIEBUHR
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Mit einem energiegeladenen „Kirschgarten“ von Anton Tschechow über den Untergang der russischen Aristokratie ist gestern Abend das Theaterfestival Freisprung in der Bühne 602 in Rostock zu Ende gegangen. Acht Produktionen junger Theaterleute waren für das Festival ausgesucht worden, das erst zum dritten Mal stattfand. Nach intensiver Diskussion entschied sich die Jury, Elisa Hantsch mit dem ersten Preis auszuzeichnen.

Elisa Hantsch gewinnt ersten Preis beim Festival für den Theaternachwuchs

„Miss Allie – Mein Herz und die Toilette“ heißt das Programm aus selbstgeschriebenen und vorrangig deutschen, aber auch englischen Texten. „Das ist ja völlig abgefahren“, sagt Elisa Hantsch, als sie den „Applausomat“, eine Skulptur der Künstlerin Barbara Wetzel sowie ein Preisgeld von immerhin 1000 Euro, in den Händen hält. Die junge Frau stammt aus Mecklenburg, lebt jetzt in Lüneburg und macht etwas, was nach ihrer eigenen Aussage nur am Rande mit Theater zu tun habe.

Elisa Hantsch sei schon eher eine Singer-Songwriterin, erklärt Christoph Gottschalch, Schauspieler, Regisseur und Sprecher der fünfköpfigen Jury. Aber, fügt er gleich hinzu: „Wer für das Festival zugelassen ist, darf auch gewinnen.“ Elisa Hantsch habe es verstanden, den Zuschauer von der ersten Sekunde an in den Bann zu ziehen. „Sie ist ein zartes Wesen, das mit Herz und Frechheit überzeugt“, sprach Jurysprecher Gottschalch von einer mitreißenden Bühnenpräsenz.

Festivalleiter Jörg Hückler, der zum zweiten Mal die künstlerische Leitung hatte, war zufrieden mit den Produktionen, die von Freitag bis gestern Abend im Theater Bühne 602 gezeigt wurden. Es sei die ganze Bandbreite von freiem Theater zu erleben gewesen. In der Jury hätte er schon deshalb nicht sitzen wollen. Die einzige Voraussetzungen für die Bewerbungen: Die Künstler sollten nicht älter als 35 Jahre sein und einen Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern haben.

Platz zwei und 750 Euro wurden Franziska Hoffmann und Joel Grip am Kontrabass überreicht, die mit „Däumelinchen (4+)“ einen „Blues nach Andersen“ inszeniert hatten. Die Kirschgarten-Produktion von Studenten aus dem dritten Studienjahr der Theaterakademie Vorpommern musste sich den dritten Platz und 500 Euro mit den Kollegen aus dem zweiten Studienjahr teilen. Die hatten mit „Amors Dilemma“, ein Stück für Puppen und Menschen auf die Bühne gebracht.

Der Sonnabend stand ganz im Zeichen des experimentellen Theaters. Doch so richtig trafen die Produktionen nicht den Geschmack der Jury. „Junges Theater soll unkonventionell und schräg sei“, forderte Christoph Gottschalch die jungen Leute auf, mutig zu sein. Nur eines dürften sie nicht machen: beim Besucher Ratlosigkeit hinterlassen.

„Wir haben alle Stärken und Schwächen von freien Truppen gesehen, die mit wenig Geld auskommen müssen.“ Auch im nächsten Jahr werde es wieder ein Festival geben, kündigt Jörg Hückler an. Das Land habe bereits die Förderung zugesagt. Neben mehr Bewerbungen hat Hückler noch ein weiteres großes Anliegen: „Ich würde mir mehr Zuschauer wünschen.“ Vielleicht brauche es ja einen langen Atem, um das Publikum zu überzeugen, dem Theaternachwuchs die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Nachwuchsförderung

8 Produktionen wurden dem Publikum von Freitag bis Sonntag in der Rostocker Bühne 602 präsentiert. Der Landesverband der Freien Theater Mecklenburg-Vorpommern (LAFT MV) möchte mit dem Nachwuchs-Theaterfestival „Freisprung“ die freien jungen

Theatermacher im Bundesland fördern.

Die Schauspieler, Tänzer, Sänger, Puppenspieler, Regisseure oder Autoren sowie Studenten der entsprechenden Fachrichtungen sollten nicht älter als 35 Jahre sein.

Thomas Niebuhr

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