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Volkstheater Planer setzt der Stadt den Zauberhut auf
Mecklenburg Rostock Volkstheater Planer setzt der Stadt den Zauberhut auf
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00:00 01.06.2013
Eine Fu�gängerbrücke übers Wasser soll Stadthafen und Gehlsdorfer Ufer verbinden, eine Zugbrücke Seglern die Durchfahrt ermöglichen. Quelle: HRO Mustermann
Stadthafen

Futuristische Vision: Eine schimmernde Kuppel aus Stahl, Beton und Glas soll sich auf 50 Metern Höhe über der Unterwarnow erheben. Platz für Appartements, Restaurants, Entertainment, vor allem aber pompöse Kulisse für ein modernes Volkstheater. Visionär dahinter: der Rostocker Projektentwickler Harald Lochotzke (57), der mit „Strandläufer“ und „Deutscher Med“ der Hansestadt bereits seinen Stempel aufgedrückt hat. Der neue Stoff in der Debatte um Standort und Aussehen eines Theaterneubaus kommt in der Bürgerschaft an. Ideen, so der Tenor der Stadtparlamentarier, seien willkommen.

Lochotzke will sich als Magier verstanden wissen, der der Stadt mit seiner Vorstellung vom Theaterbau den „Zauberhut“ aufsetzt. Am Sinn fürs Praktische fehle es ihm aber keineswegs. „Unweit des Aida-Sitzes soll das Gebäude auf Pfählen ruhen“, beschreibt Lochotzke. „Bei niedrigem Wasserstand an dieser Stelle kein Problem“, sagt er und verweist auf seine Kenntnisse als Paddler.

Strom soll ein bewegliches Solarsegel liefern, Wärme aus vom Warnowwasser angetriebenen Anlagen kommen. Der Sympathie der Rostocker glaubt er sich sicher, will er doch den Wunsch vieler aufgreifen, trockenen Fußes über dem Wasser vom Stadthafen zum Gehlsdorfer Festland zu spazieren. „Um Seglern die Durchfahrt zu ermöglichen, wird der Fußweg über den Wellen mit einer Zugbrücke versehen“, erklärt der Planer. Boote könnten an den am Rundpalast integrierten Stegen anlegen. Der Boulevard solle sprühen vor Leben. „Dieser Satellit ist die ganz große Chance für Rostock, sich eine einmalige Identität zu schaffen.“

Die, davon ist Lochotzke überzeugt, auch auf internationales Echo stoßen würde. „Das Projekt ist schnell umgesetzt, wenn es gesellschaftlich und wirtschaftlich gewollt wird.“ Finanziert werden könne es, so der Entwickler, aus privatem Geld und Fördermitteln des Landes. Die Stadt sieht er in der Rolle des Theaterbetreibers, dem die äußere Hülle gestellt werde. Den Innenausbau könne Rostock bei Bedarf selbst ausführen. Für Lochotzke steht fest: „In der Summe brauchen wir weniger als für die Reparatur eines Theaters, das wieder wie ein Stern glitzern soll.“

Die Stadtpolitik ist gespalten. Zweifel an der Realisierbarkeit des Entwurfs hegt Simone Briese-Finke (Grüne): „Ein Gebäude dieser Ausmaße kann die Stadt nicht refinanzieren.“ Der Koloss toppe die Elbphilharmonie in Hamburg. Trotzdem: „Die Wasserfläche zu bebauen, ist möglich, wenn an die Ökologie gedacht wird.“ Der Schutz der Altstadtsilhouette dürfe nicht vergessen werden, warnt Sybille Bachmann (Rostocker Bund). „Warum den Bau nicht auf dem Wasser vor der Neptunwerft hochziehen?“, führt sie Lochotzkes Idee fort. Der Haken: „Wer trägt die Kosten?“ Eine Frage, die auch Eva-Marie Kröger (Linke) umtreibt. „Die Vision klingt abenteuerlich, lädt zum Schmunzeln ein“, sagt sie. „Vielleicht Größenwahn, aber Einfälle sind gefragt“, sagt Malte Philipp (Für Rostock).

„Die Bürgerschaft hat einen städtebaulichen Wettbewerb beschlossen“, verweist Steffen Wandschneider (SPD) auf eine geeignete Diskussionsplattform. Beifall zollt er dem Mix aus Kultur, Einkauf und Gastronomie. Auch Frank Giesen (CDU): „Das ist eine gute Basis, um das Projekt zu finanzieren.“

Reizvoll ist das Schauspiel auf dem Wasser auch für den künftigen Intendanten Sewan Latchinian. Was er ausschließt: Wohnungen und Theater unter einem Dach. „Der Tempel muss heilig sein, Wohnnutzung würde ihn entweihen.“ Der Einwand des Theater-Geschäftsführers Stefan Rosinski lautet: „Theater muss man zuerst von innen heraus denken.“

Den ersten Punkt hat Lochotzke schon gemacht: „Die Schausteller sind von meinem Plan so begeistert, dass sie mir Freifahrtscheine fürs Riesenrad geschenkt haben.“

Deutsche Med
Der Rostocker Projektentwickler Harald Lochotzke hat neben dem „Strandläufer“ auch das gläserne Bürohaus „Deutsche Med“ Am Vögenteich entwickelt. Auf 2000 Quadratmetern wollte der 57 Jahre alte Investor niedergelassenen Ärzten vom Chirurgen über Kardiologen bis zum Neurologen Raum zum Praktizieren geben, Beauty-Farm und ambulante Operationsräume installieren.

Eine Offerte, die anfangs nur zögerlich ankam. Das für rund 30 Millionen Euro errichtete Gesundheitszentrum, das 2004 gebaut wurde, ist in der Hansestadt optisch umstritten.

Katrin Starke