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Volkstheater Promis erheben ihre Stimme bei Demo für das Volkstheater
Mecklenburg Rostock Volkstheater Promis erheben ihre Stimme bei Demo für das Volkstheater
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00:25 15.01.2015
„Initiative Volkstheater“: Uwe Flachsmeyer (47, Grüne, l.) und Eva-Maria Kröger (32, Linke) unterstützen die Initiative von Jan Ziegeler (41), Thomas Kunzmann (45) und Malte Rüther (44, v. l.) zur Demo am 28. Januar. Höhepunkt soll einer Rednergala mit Prominenten sein. Quelle: Ove Arscholl

Rostocker wehren sich gegen eine mögliche Schließung von Sparten am Volkstheater: Wenn die Bürgerschaft am 28. Januar über die künftige Struktur der Bühne entscheidet, sollen Tausende Menschen vor dem Rathaus für den Erhalt aller vier Sparten demonstrieren. Initiatoren der Demo sind Jan Ziegeler (41), Malte Rüther (44) und Thomas Kunzmann (45) aus Rostock als „Initiative Volkstheater“. Unterstützung erhalten sie von Promis wie den Schauspielern Charly Hübner („Polizeiruf“), Peter Sodann („Tatort“) und Peter Bause („Polizeiruf“).

„Rostock ist eine Stadt mit großer bürgerlicher Tradition, größer als die maritime Tradition“, sagt Rüther. Seit Tagen bereitet er mit Ziegeler und Kunzmann Aktionen für den Demo-Tag vor. Ein Rechtsanwalt, ein Braumeister und ein Mitarbeiter von Aida. Sie eint die Liebe zum Theater. „Man darf jetzt nicht den Startschuss zulassen“, sagt Ziegeler. Er sei überzeugt:

Spartenschließung wäre der Anfang vom Ende des Theaters. Kulturschaffende aus ganz Deutschland blickten derzeit gen Rostock.

Das Land fordert seit Langem einen Strukturwandel am Volkstheater. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) positionierte sich für die Schließung von Musik- und Tanztheater. Es blieben Schauspiel und Orchester in Rostock. Über einen Kompromiss beraten gerade die Fraktionen der Bürgerschaft (die OZ berichtete). Ziegeler, Kunzmann und Rüther planen auf der Demo viele Aktionen. 30000 Flyer der „Initiative Volkstheater“ sollen verteilt werden. Auf der Internetseite bei Facebook werde ständig informiert. Dort hatten sich bis gestern Abend 440 Mitglieder angemeldet — darunter Künstler wie Larry Harms und Janka Simowitsch, Staatsanwalt Peter Lückemann und der neue Rostocker Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Der geplante Höhepunkt am 28. Januar sei eine Rednergala. Ab 15 Uhr sollen auch viele Prominente für das Volkstheater sprechen. „Ich habe 120 Mails an Prominente geschrieben, dazu 130 Mails an Theaterintendanten und andere“, sagt Ziegeler. Viele hätten Unterstützung zugesagt.

Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin, warnt in einem Brief an die Bürgerschaft vor „einer Massakrierung des Volkstheaters“ — ähnlich wie am Berliner Schillertheater vor 20 Jahren.

Khuon: „Wir können nur auf die Klugheit und das Engagement der Rostocker Bürgerschaft hoffen und möglicherweise auf die Einsicht von Minister Brodkorb. Was jetzt zerstört wird, ist unwiderruflich verloren.“

Schauspieler Peter Sodann (78, „Tatort“), will auf dem Neuen Markt seine Stimme erheben: „Wir müssen etwas tun für Poesie, gute Musik und politisch denkendes Schauspiel“, sagte Sodann gestern.

Überall werde „ernst zu nehmende Kultur“ eingespart. Seine Kritik: „Die Gesellschaft denkt nur noch eventbezogen, aber nicht kulturbezogen. Kultur ist aber eine Frage von Stetigkeit.“ Da spiele gutes Theater eine wesentliche Rolle. Andere Prominente wie Peter Bause und Charly Hübner sollen persönlich sprechen oder per Video-Botschaft zugeschaltet werden.

Sewan Latchinian, Intendant des Volkstheaters, ist berührt: „Da nicht klar ist, wie die Bürgerschaftssitzung ausgeht, müssen wir immer noch das Schlimmste, die Schließung von Sparten, befürchten. Da ist eine solche Demo erfreulich und nötig.“ Auch Eva-Maria Kröger (Linke) und Uwe Flachsmeyer (Grüne) als Mitglieder der Bürgerschaft unterstützen die Aktion. Kröger: „Ich freue mich, dass die Initiative mitten aus der Stadtgesellschaft kommt.“ Aktive Unterstützerin ist auch Christina Lucyga (SPD), früheres Mitglied des Bundestages. Sie störe vor allem, dass immer das Geldargument gegen das Theater benutzt werde. 16,6 Millionen Euro zahlen Stadt und Land pro Jahr. Lucyga: „Dass die Impulse der Hochkultur hier so in den Hintergrund geraten, ist unerträglich.“



Frank Pubantz

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