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Volkstheater Tanzdrama: Zwischen Strenge und Mutterliebe
Mecklenburg Rostock Volkstheater Tanzdrama: Zwischen Strenge und Mutterliebe
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00:00 28.03.2014
Die Tänzer Linda Kuhn (30) und Daniele Varallo (31) sind am 5. April als Adela und Amme im Stück „Bernarda Albas Haus“ im Volkstheater zu sehen. Quelle: Sophie Pawelke

Es ist ein düsteres Drama, mit dem sich die Tanzcompagnie des Rostocker Volkstheaters derzeit beschäftigt. Tyrannei, traditionelle Sittenstrenge und der Tod als einziger Ausweg aus auferlegten Vorschriften — „Bernarda Albas Haus — Die Tragödie von den Frauen in den Dörfern Spaniens“ feiert am 5. April Premiere im Großen Haus.

Gemeinsam mit dem Orchester der Norddeutschen Philharmonie werden die neun Tänzer das Stück von Federico Garcia Lorca auf die Bühne bringen.

Es ist der Tod ihres Mannes, der Bernarda in die Tyrannei treibt. Um die Fassade nach außen und die Familienehre aufrecht zu erhalten, zwingt sie ihre fünf Töchter zur traditionellen Trauerzeit — acht Jahre lang sollen sie weder Haus noch Hof verlassen. „Es ist ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen den Töchtern und der Mutter“, erzählt Daniele Varallo. Der 31 Jahre alte Tänzer spielt die Amme, das Kindermädchen, welches zwischen den Fronten vermittelt. „Doch am Ende hält auch sie immer wieder zur strengen Mutter.“ Einzig Adela, die jüngste der fünf Töchter und gespielt von Linda Kuhn, lehnt sich gegen die strenge Mutter auf — mit verheerenden Folgen.

Das Drama, 1936 geschrieben, spiegelt die Unterdrückung der Frauen im damaligen Spanien wieder. Gewisse Parallelen zum eigenen Leben gebe es dennoch, berichtet Tänzer Varallo. Jahrelang stand er im Konflikt mit seinen Eltern, die das Tanzen als „brotlose Kunst“ ansahen. Der Auszug mit 17 — die Flucht aus dem Elternhaus und dem kleinen Heimatdorf — waren für ihn die einzige Konsequenz.

Doch um Geld zu verdienen geht er den klassischen Weg, macht eine Ausbildung zum Krankenpfleger. „Meine Eltern waren damit zufrieden.“ Mit 26 Jahren, nach einer Facharbeit und einer Stelle am Münchner Uniklinikum, schmeißt Varallo alles hin, kündigt sogar seine Wohnung. Er bekommt einen Platz an der Iwanson International School for Contemporary Dance in München und beginnt eine Ausbildung zum Bühnentänzer.

„Meine Eltern waren geschockt“, erinnert er sich. Erst mit seinem Wechsel zur Londoner Contemporary Dance School ändern die Eltern langsam ihre Meinung. „Sie haben gemerkt, dass ich es schaffen kann“, erzählt der Tänzer. Beim Spielen des Stückes denke er an all das aber nicht. „Da entwickelt jeder Tänzer einen eigenen Subtext für sich“, so Varallo.

Chefchoreografin Katja Taranu geht in ihrer Inszenierung noch einen Schritt weiter als das Werk von Lorca. Sie beantwortet die Frage „Was wäre wenn?“ in einem zweiten Teil.

Uraufführung mit der Philharmonie
Die Tragödie von den Frauen in den Dörfern Spaniens wurde 1936 — nur zwei Monate vor seinem Tod — von Federico Garcia Lorca fertiggestellt. In einer Uraufführung wird das Werk gemeinsam vom Tanztheater und der Norddeutschen Philharmonie präsentiert. Die Premiere von „Bernarda Albas Haus“ feiert am Sonnabend, 5. April, um 20 Uhr Premiere im Großen Haus, Doberaner Straße 134.
Bereits am Mittwoch findet im Intendanzfoyer eine Einführung in das Stück, inklusive Probenbesuch statt.



Sophie Pawelke

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