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Theater: Methling will jede Rechnung sehen

Stadtmitte Theater: Methling will jede Rechnung sehen

Der Oberbürgermeister plant absolute Kontrolle, er möchte sogar Besetzungen abnicken. Intendant und Geschäftsführer schäumen.

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Das verstößt gegen das Recht auf künstlerische Freiheit und ist nicht vertretbar.“Rolf Bolwin, Direktor Deutscher Bühnenverein

Stadtmitte. Kaum hat er die Hoheit über das Kulturressort an sich gerissen, geht Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) in die Vollen. Neues Ziel: Seine „Kontrollrechte bei der Volkstheater Rostock GmbH mit sofortiger Wirkung verstärken“. Das hat er Mitte Februar in einem Schreiben an Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski und Intendant Peter Leonard angekündigt. Die schäumen. Der Briefwechsel liegt der OZ vor.

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In meinem Vertrag steht, dass niemand die Fachaufsicht über mich hat.“Peter Leonard, Theater-Intendant

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Keine Bitten, keine Fragen: In knappem Stil listet Methling seine Forderungen auf. Jeder Zahlungsvorgang sei ihm „innerhalb von drei Werktagen“ vorzulegen, lässt er die Theaterführung wissen.

Außerdem verlangt er Nachweise zu jedem einzelnen Mitarbeiter: Dienste-Zahl, Gehalt, Zuschläge, Nebenverdienste. Dazu eine Aufstellung zu Kartenverkäufen und -erlösen, Kosten für Gastspiele. Und — ein besonders heikler Punkt — zu jeder „Neueinstellung ab drei Monaten“ müsse eine „Vorabgenehmigung des Gesellschafters“ eingeholt werden.

Das widerspreche seinem Vertrag, schimpft Theaterintendant Peter Leonard. „In dem steht, dass im künstlerischen Bereich niemand die Fachaufsicht über mich hat.“ Er lasse sich vom Deutschen Bühnenverein beraten, auch von diesem Vorgang habe der Kenntnis. Rolf Bolwin, der Direktor des Deutschen Bühnenvereins, stärkt Leonard den Rücken. „Mit Rechtsaufsicht hat das nichts mehr zu tun.“ Und Fachaufsicht „verstößt gegen den Paragraf im Grundgesetz, der künstlerische Freiheit garantiert“, so Bolwin. Derart in die Arbeit eines Kulturträgers einzugreifen, sei „weder zulässig noch vertretbar“. Sieht auch Peter Winkler von Mohrenfels so, der im Aufsichtsrat des Theaters sitzt und Jurist ist. „Damit geht Herr Methling über das Auskunfts- und Einsichtsrecht, das ihm als Gesellschafter-Vertreter zusteht, weit hinaus. Ein Kontrollrecht hat er nicht“, sagt er. Gestern ließ er dem OB ein Schreiben zukommen. Tenor: Methlings „Weisung“ sei unangemessen. „So ein Vorgehen würde ich als Aufsichtsratsmitglied auf keinen Fall mittragen“, so Winkler von Mohrenfels. „Jeden Beleg innerhalb von drei Tagen in Kopie haben zu wollen, über 300 Mitarbeiter regelmäßig Berichte zu verlangen, eine Vorabgenehmigung für Stellenbesetzungen erteilen zu wollen — das geht zu weit.“

Drei Wochen nach dem ersten Schreiben, das Theater ist seinen neuen Pflichten offenbar nicht nachgekommen, sendet Methling einen weiteren Brief. Die ersten Kopien und Belege habe man erwartet, aber nicht erhalten. Eine neue Frist wird gesetzt. Stefan Rosinski reagiert nun. In der Verwaltung gebe es einen hohen Krankenstand, Methlings Wünsche könne man momentan nicht erfüllen. In der Finanzbuchhaltung seien von vier Mitarbeitern nur zwei da. Zudem hätten sich Überstunden angesammelt, die „kaum mehr abzuarbeiten sind“. Er bittet darum, die Berichtspflicht auszusetzen, bis die Personallage sich entspannt, und um eine Lösung, die nicht zu einer „massiven“ Mehrbelastung in der Abteilung führe.

Doch Methling bleibt stur, teilt in einem weiteren Brief vor zwei Tagen mit: Wenn die Personallage die Berichterstattung unmöglich mache, „hätten Sie längst die notwendigen Veränderungen in eigener Zuständigkeit vornehmen müssen“. Er verlangt „unverzügliche Umsetzung“, beruft sich auf einen Auftrag der Bürgerschaft an ihn. Auch der OZ gegenüber, die nachfragte: Er habe Controlling-Maßnahmen angeordnet, um „die Einhaltung des Budgets der Gesellschaft zu gewährleisten“. Um die Unterlagen zu kopieren, stellt der OB sogar Verwaltungskräfte ab. Heute Nachmittag will Methling sich selbst „ein Bild von den Arbeitsanforderungen der Finanzbuchhaltung“ machen. Er hat sich großzügig angekündigt: Für die Zeit zwischen 14 und 17 Uhr.

Kerstin Beckmann

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