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Rostock Vom Lehrjungen zum Verleger
Mecklenburg Rostock Vom Lehrjungen zum Verleger
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00:01 08.09.2018
Grevesmühlen

Hätte Heinrich Hinstorff (1779-1842), ein Weber aus Brüel (heute Landkreis Ludwigslust-Parchim), nicht die Begabung seines Sohnes Dethloff Carl (1811-1882) erkannt und gefördert, gäbe es wohl kaum den Verlag, der bis heute Hinstorffs Namen trägt, immer noch der bedeutendste in Mecklenburg-Vorpommern ist – und mit über 180 Jahren auch einer der ältesten in Deutschland.

Carl Hinstorff baute auf seiner Liebe zu den Büchern eine erfolgreiche Laufbahn auf

300 lieferbare Titel

Hinstorff ist heute eines

der führenden Verlagshäuser

Norddeutschlands.

Im Programm stehen über 300 lieferbare Titel, und jährlich kommen etwa 50 Neuerscheinungen auf den Markt.

Publikationen gibt es zum 800-jährigen Rostocker Jubiläum, so werden beispielsweise elf historische Stadtrundgänge vorgestellt und erklärt.

Zunächst aber hatte Vater Hinstorff seinen Sohn in Brüel auf eine einfache Schule gegeben. Doch als er feststellte, dass der Junge sehr begabt und vor allem ehrgeizig war, schickte er ihn auf die Bürgerschule in Wismar. Dort, so war der Vater überzeugt, würde der Sohn seine Talente besser entfalten können. Er sollte recht behalten. Nach erfolgreichem Schulabschluss begann Dethloff Carl mit 15 Jahren 1826 in der alten Hansestadt eine Lehre als Kaufmann. Doch schon bald wechselte er als Lehrjunge in eine dortige Buchhandlung. Eine Tätigkeit, die dem lese- und bildungshungrigen jungen Mann mehr lag. Nach Abschluss der Ausbildung zog er nach Parchim und eröffnete dort mit nur 20 Jahren am 2. September 1831 die erste Buchhandlung. Seine Wahl fiel auf diese Stadt, weil dort das Oberappellationsgericht seinen Sitz hatte und im benachbarten Ludwigslust ein Lehrerseminar existierte. Genau das Lesepublikum, auf das er setzte. Aufgrund seiner erfolgreichen buchhändlerischen Tätigkeit, die Dethloff Carl Hinstorff stets als Bildungsaufgabe begriff, ernannte ihn Großherzog Friedrich Franz I. 1836 zum Hofbuchhändler. Schon ein Jahr zuvor hatte Hinstorff eine Druckerei in Ludwigslust eröffnet. Jetzt konnte er die Bücher, die er verkaufte, auch selbst drucken. Dabei konzentrierte er sich auf Werke des Rechts- und Schulwesens sowie der Theologie. 1849 übersiedelte das Unternehmen nach Wismar. Gründe dafür waren der Umzug des Oberappellationsgerichtes nach Rostock und die Verlegung der großherzoglichen Residenz nach Schwerin. Außerdem verfügte Wismar bereits über eine Bahnverbindung.

Hinstorffs Verlagserzeugnisse, darunter Kalender und Periodika, fanden viele Käufer, was letztlich auch zur guten Auslastung seiner Druckerei führte. Mit diesem Erfolg im Rücken eröffnete er 1864 in Zusammenhang mit der Herausgabe des „Rostocker Tagesblattes“ eine Druckerei in der Hansestadt an der Warnow. Von diesem Jahr an erschien auch der legendäre „Voß-und-Haas-Kalender“. Diesen Namen gab ihm der Volksmund wegen der beiden Kalenderfiguren Fuchs und Hase. Die enge Beziehung des Verlegers zu Fritz Reuter führte dazu, dass Hinstorff ab 1856 die Werke des bedeutendsten niederdeutschen Dichters Mecklenburgs verlegte und damit erstmals in größerem Umfang Belletristik auf den Markt brachte. Bis zum Jahr 1881 erschienen 156 Auflagen von Reuters Schriften mit fast 500 000 gedruckten Exemplaren. Schon früh begann Dethloff Carl Hinstorff, seine Geschäfte an die nachfolgende Generation zu übertragen. Er übergab die Druckereien an seinen Sohn Carl und seine Schwiegersöhne Louis Eberhardt und Heinrich Witte und konzentrierte sich von nun an auf die reinen Verlagsgeschäfte. Nach dem Tod des Vaters am 11. August 1882 leitete Carl Hinstorff neben der Druckerei in Ludwigslust auch die Niederlassung in Rostock. Nur zwei Jahre später starb jedoch auch er. Der Verlag verlor danach stark an Bedeutung. Das änderte sich erst, nachdem 1907 der 26-jährige Buchdrucker Peter E.

Erichson das Unternehmen erwarb. Allerdings betrieb er zunächst nur die Rostocker Druckerei. Als Verleger trat er erst ab 1925 auf.

Mit der Machtübernahme des Nationalsozialismus veränderte sich die Situation jedoch auch für den Hinstorff Verlag dramatisch. In wachsendem Maße nahmen die Nazis direkten Einfluss auf die Verlage oder verleibten sie sich ein. Der Krieg tat sein auch im Fall des Himstorff Verlages sein Übriges. Während der schweren Bombenangriffe 1942 auf Rostock wurden die Betriebsgebäude in der Lagerstraße 4/5 und in der Langen Straße 87 völlig zerstört.

Am 13. Dezember 1946 erteilte die sowjetische Militäradministration dem Carl Hinstorff Verlag eine Druckgenehmigung. 1947 erhielt er die Verlagslizenz und meisterte mit Heimatliteratur und Belletristik den Neuanfang. In den 1950er Jahren war der Sitz des Verlages am Rostocker Schröderplatz. Ab 1959 wurde er als VEB Hinstorff Verlag weitergeführt. Die Leitung übernahm Konrad Reich (1928-2010). Unter seiner Führung richtete der Verlag sein Wirken auf regionale Autoren, maritime Themen und Literatur der nordeuropäischen Länder aus. 1990 entstand die Hinstorff Verlag GmbH mit Sitz in der Lagerstraße 7. Die Heise Gruppe aus Hannover übernahm 1992 den Verlag.

Viele Gründungen nach 1990

Nach 1990 kam es in Mecklenburg zur Gründung von Verlagen. Zu ihnen zählt auch der BS-Verlag mit Sitz in Bargeshagen bei Rostock. Seit dem Jahr 2000 widmet er sich unter der Leitung von Angelika Bruhn schwerpunktmäßig der zeitgenössischen Belletristik und Lyrik sowie der Geschichte und Literatur Mecklenburg-Vorpommerns. Das Verlagsprogramm gliedert sich vorrangig in die Reihen MV-Taschenbuch, MV-Wissenschaft und Das verbrannte Buch. Zwischen März 2000 und Ende 2017 wurden über 720 Bücher verlegt. Zu den Autoren zählen unter anderem Kurt Biesalski, Elfriede Brüning, Klaus Frühauf, Wolfgang Held, Fritz Meyer-Scharffenberg, Hans Schulmeister und Rudi Czerwenka.

Der Demmler Verlag wurde 1990 von Margot Krempien in Schwerin gegründet. Im Sommer 2009 verlegte der Verlag seinen Sitz von der Landeshauptstadt nach Ribnitz-Damgarten. Zu den ersten Autoren des Verlages zählten unter anderem Tom Crepon, Brigitte Birnbaum und Herbert Ewe. Der Verlag setzt auf ein regionales Programm. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind Kultur- und Landesgeschichte, Belletristik, Sachbücher, Natur und Umwelt sowie Reisetitel mit regionaler Ausrichtung. Der Verlag wurde nach dem bekannten Mecklenburger Architekten Georg Adolf Demmler (1804-1886) benannt. Seit 2002 bildete der Demmler Verlag zusammen mit dem Verlag grünes herz aus Ilmenau die Verlagsgruppe grünes herz. Zum Programm gehören Bildbände zu Küstenlandschaften, -regionen, -städten und zu Themen wie Tiere und Vögel der Ostsee. Weiterhin legt der Verlag eine kulturhistorische, mehrbändige Reihe mit Werken wie „Alexandrine“, und „Mecklenburgs Großherzöge“ auf.

Am 1. Juli 1992 gründeten Achim Schade und Dr. Matthias Redieck das Büro „Redieck & Schade GbR. Journalisten & Publizisten“. Zielstellung war es, Stadttagebücher zu verfassen und eigene, selbst geschriebene, Buchprojekte redaktionell vorzubereiten. Am 2. Februar 1999 entstand der regional geprägte Verlag Redieck & Schade GmbH. Rund 800 Publikationen, Flyer, Zeitschriften, Broschüren und Bücher wurden in über 25 Jahren vorgelegt. Mehr als 400 Autoren waren in dieser Zeit für den Verlag tätig.

Der Klatschmohn Verlag ist ein regionaler Zeitschriften- und Buch- und Kalender-Verlag mit Sitz in Bentwisch bei Rostock. Er wurde 1995 von Angelika Kleinfeldt gegründet. Nachdem bis 2012 regelmäßig Bücher verlegt wurden, konzentriert sich der Verlag seither auf die Herausgabe von Periodika als Hauptgeschäftsbereich. Bekanntes Druckerzeugnis ist der „Kulturkalender – Unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern“, der monatlich erscheint. Jährlich werden zwei Kunst-Wandkalender und ein Werbekalender herausgebracht. Werner Geske

Lesestoff aus NWM

Die Nordwest Media Verlagsgesellschaft (NWM- Verlag) wurde 1995 in Grevesmühlen gegründet. Jagdgeschichten, Chroniken aus Grevesmühlen und dem Nordwestkreis oder die faszinierende Lebensgeschichte(n) von Karin Haß, einer Norddeutschen, die seit einigen Jahren in Sibirien lebt – bei Ulf-Peter Schwarz gibt es jede Menge zu lesen. Seit mehr als 20 Jahren führt er den NWM-Verlag in Grevesmühlen. Schwarz, leidenschaftlicher Jäger, Pressesprecher des Landesjagdverbandes, Tier-Maler und Nordwestmecklenburger mit viel Empathie, füllt mit seinen Büchern jene Lücken, die die großen Verlage scheuen. Im Verlagsgebäude im ehemaligen Schützenhaus in Grevesmühlen hat der Verlag inzwischen seinen Sitz. Und die Geschichte, die dieses Gebäude hat, sie spiegelt sich auch in der Arbeit des Verlegers wider, der die großen und kleinen Geschichten der Region in seinen Büchern festhält. Bundesweit bekannt wurde Schwarz mit Büchern von Karin Haß. Die Hamburgerin mit familiären Beziehungen in den Nordwestkreis lebt in einem kleinen Dorf in der sibirischen Tundra. proch

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