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Rostock Vom Setzkasten ins digitale Zeitalter
Mecklenburg Rostock Vom Setzkasten ins digitale Zeitalter
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00:00 18.04.2013
Ein Bild aus den 80er Jahren: Druckermeister Horst Hahn am Setzkasten in seinem Warnem�nder Firmensitz. Quelle: privat
Elmenhorst

Drei Millionen Euro. Das Geschenk, das sich die Tradi- tionsdruckerei Hahn zum 125. Geburtstag selbst macht, ist üppig ausgefallen: eine Maschine für den Fünffarbdruck, eine Broschürenstraße, eine Digitaldruckmaschine. Und dazu einen 80 Seiten starken Comic aus der Feder vom Rostocker Karikaturisten Peter Bauer — Firmengeschichte in Hähnchen- Optik, natürlich in den eigenen Hallen in Elmenhorst auf die Bögen gebracht.

Setzkasten, Winkelhaken, Buchstaben aus Blei sind nur noch sepiafarbene Reminiszenz im Familienalbum. „Während meiner Schriftsetzerlehre hatte ich das klassische Werkzeug noch in der Hand“, sagt Norbert Hahn, Jahrgang 1968. Erinnerung an die 80er Jahre, als er in die Fußstapfen von Vater Horst trat. Mit den Geschwistern Torsten und Antje bildet er mittlerweile die Firmenspitze.

Der Vater habe den Generationenwechsel früh vorbereitet. „Der Fall der Mauer war unsere Chance.“ Hahn ging für einen Monat nach Hamburg, machte sich bei der Konkurrenz schlau. „1990 haben wir den Buchdruck gegen den moderneren Offsetdruck ausgetauscht, bestellten schon Monate vor der Währungsunion Maschinen.“ Am Warnemünder Hauptsitz wurde es rasch zu eng. 1993 bauten Hahns eine neue Produktionshalle in Elmenhorst, investierten in weitere Technik. Und ergatterten Aufträge aus ganz Deutschland. Kunden aus Österreich und der Schweiz gehören heute dazu. Die Lust am Neuen sei gelebte Firmenpolitik.

Bis heute erinnert sich Hahn an die bunte Speisekarte, die der Vater vor der Wende von einem Besuch bei der Tante aus dem Westen mit nach Warnemünde brachte. Kein Vergleich mit dem blassen Pendant der HO-Einrichtungen. „Diese satten, leuchtenden Farben, das wollte ich auch aus unseren Maschinen herausholen.“ Illusorisch in der Ära der sozialistischen Mangelwirtschaft. Die Technik habe sich wie im Zeitraffer gewandelt.

Die Wirtschaftskrise von 2008 sei auch an der Druckindustrie nicht spurlos vorbeigegangen, sagt Hahn. Für ihn nicht überraschend: „Es gab Überkapazitäten. Vor zehn Jahren existierten noch 12 000 Druckereien, heute 6000, bald sicher nur noch 4000.“ Hahn konnte sich halten, erlebte auch beim Umsatz von jährlich rund viereinhalb Millionen Euro keinen radikalen Einbruch. Um sich gegen Krisen zu wappnen, hat die Familie den Betrieb auf mehrere Säulen gestellt. Beispiel: „Broschüren und Kundenzeitschriften gibt es bei uns nicht nur als Druckexemplar, sondern auch als elektronische Ausgabe im App-Store.“ Veredelung, Adressenverwaltung, Versand würden aus eigener Hand geboten.

Digitaldruck bestimme das Geschäft, das Internet bekomme immer höheren Stellenwert in der Branche. Trotzdem: Die klassische Werbung — mittels Flyern und Hochglanzprospekten — erlebe eine Renaissance.

„Werbung per E-Mail landet schnell im Spam-Ordner. Das vermitteln wir auch unseren Kunden.“

Statt zehn Mitarbeitern wie zu DDR-Zeiten beschäftigt die Druckerei Hahn heute 40. Und bildet aus. Noch mangelt es nicht an Nachwuchs. Aber: „Sollten wir keine geeigneten Bewerber mehr in der Region finden, denken wir auch an Kräfte aus Polen. Die Motivation zählt.“

125 Jahre Druckerei Hahn
Am 15. Mai 1888 erscheint in der nach Warnemünde verlegten Druckerei Emil Krakow ein Extrablatt mit der Nachricht vom Tod von Kaiser Friedrich — das Datum der Firmengründung. 1912 übernimmt Sohn Willi Krakow die Firma, 1963 der Buchdrucker Groth aus Bad Sülze. Nach dessen überraschendem Tod 1964 führt Horst Hahn als 21-Jähriger — noch während seiner Meisterausbildung — das Unternehmen fort. 1989 gründet der älteste Sohn Norbert Hahn eine zweite Druckerei im Wohnhaus der Familie, Am Strom. Beide Einzelbetriebe werden 1991 zur Druckerei Hahn GmbH zusammengeführt, Torsten und Antje Hahn werden ebenfalls Geschäftsführer. 1993 zieht das Unternehmen nach Elmenhorst.

Katrin Starke

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