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Rostock Vom alten ins neue Lehramt: Junge Mutter sorgt sich ums Studium
Mecklenburg Rostock Vom alten ins neue Lehramt: Junge Mutter sorgt sich ums Studium
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00:00 09.05.2017
Doppelbelastung Kind und Studium: Kristin Bartens (25) blickt sorgenvoll in die Zukunft. Quelle: Foto: Paulina Rabe

Die Umstellung vom alten ins neue Lehramt läuft für viele Studenten der Universität Rostock reibungslos. Für einige Ausnahmefälle wird sie jedoch zur Belastungsprobe, so auch für Kristin Bartens. Die 25-Jährige hat während ihres Studiums zwei Kinder bekommen. „Und beide waren geplant. Dass die doppelte Belastung zu so einem großen Problem wird, hätte ich niemals gedacht.“ Unmöglich scheint es, ihr Staatsexamen fristgerecht bis Anfang nächsten Jahres einzureichen. Die unausweichliche Lösung: Ein Wechsel ins neue Lehramt. „Dieser würde aber einen enormen Mehraufwand bedeuten. Das finde ich ungerecht“, so die junge Mutter.

Die Geschichte von Anfang an: Kristin Bartens beginnt 2010, Latein und Evangelische Religion auf Lehramt zu studieren. Zu diesem Zeitpunkt galten noch die alten Studienordnungen. „Das bedeutet vor allem keine Modularisierung. Unsere Leistungen mussten lediglich abgelegt werden.“ Noten gab es nicht. 2012 wurde im Rektorat der Universität eine Umstellung beschlossen, die das Auslaufen des alten Lehramts bis 2018 beinhaltete. „Wir wurden sehr viel später darüber informiert“, erinnert sich die 25-Jährige. „Damals schien alles noch so weit weg und wir wussten nicht, was die Abschaffung überhaupt bedeutet.“ Auch als klar wurde, dass der letzte Termin für die Anmeldung des Staatsexamens im Mai nächsten Jahres sein wird, bestand die Sorge,bis dahin nicht fertig zu sein, lange Zeit nicht. „Es lässt sich leider nur schwer kalkulieren, was in Zukunft passiert.“

Kristin Bartens bekam zwei Kinder. Ihr Sohn ist mittlerweile zweieinhalb, ihre Tochter kaum älter als ein Jahr. „Das ist nicht einfach so passiert. Mein Mann und ich wollten beide“, erzählt die junge Mutter. Doch ihre Freude wurde schnell getrübt. Verschiedene Umstände wie ein längerer Krankenhausaufenthalt der Tochter führten immer wieder zu Fehlzeiten in Vorlesungen und Seminaren. Bereits angefangene Hausarbeiten blieben ebenfalls liegen. „Ein großes Problem ist, dass wir keine Kindergartenplätze für unsere beiden finden. Derzeit sind sie bei einer Tagesmutter untergebracht, die leider häufig ausfällt.“ Trotz Kooperationsvertrag und mehrerer Anfragen ließ sich keine Lösung mithilfe der Uni finden. „An dieser Stelle fühle ich mich im Stich gelassen. Es wird doch immer so betont, wie familienfreundlich die Hochschule sei“, sagt die junge Mutter. Durch die Schwierigkeiten zog sich das Studium länger als erwartet: „Und nun stehen noch so viele offene Veranstaltungen und Hausarbeiten aus, dass ich nicht weiß, wie ich diese bis nächstes Jahr bewältigen soll.“

Eine Umschreibung ins neue Lehramt kam für die 25-Jährige bisher nicht infrage, auch wenn dies der einzige Ausweg scheint. „Aufgrund der eingeführten Modularisierung müsste ich viele Leistungen nachholen. Das wäre ein deutlicher Mehraufwand, der wieder eine Verzögerung bedeuten würde.“

Dabei hätte jeder das Recht, sein Studium unter den Regelungen zu beenden, mit denen er auch angefangen hat. „Studenten, die wie ich schon eine Familie haben, oder auch Kommilitonen mit Krankheiten oder Behinderungen fallen einfach raus“, sagt Kristin Bartens. Es werde nicht bedacht, dass diese Gruppe generell länger für ihr Studium brauche. „Das ist ungerecht und wird still und heimlich verschwiegen.“ Eine der wenigen Unterstützungen fand sie beim Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta).

„Ich will mir gar nicht vorstellen, in welch dramatischen Situationen manche Studenten stecken“, sagt Katrin Bartel, Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung. Dennoch könne sie manche Beschwerden nicht nachvollziehen. „Aktuell befinden sich noch ungefähr 900 Studenten im alten Lehramt.“ Nur zwei akute Fälle sind ihr darunter bekannt, die im Zuge der Umstellung mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. „Wir sprechen hier demnach nicht von der Masse.“ Es seien Einzelfälle, für die sich die Geschäftsführerin aber viel Zeit nehme. So fasste auch Kristin Bartens nach einem Gespräch mit ihr das erste Mal seit Langem wieder Mut. „Wir sind selbstverständlich daran interessiert, dass alle Studenten es schaffen“, betont Katrin Bartel. Es sei jedoch fragwürdig, warum manch einer sich jetzt erst melde. „Wir kündigen die Umstellung seit 2015 an. Es gab immer wieder Erinnerungsmails, die auch auf die Beratungsangebote vom Lehrerprüfungsamt über die einzelnen Fachberater hingewiesen haben.“ Auch Informationsveranstaltungen habe es gegeben. „Da frage ich mich: Wo wart ihr in den vergangenen zwei Jahren? Es entsteht einfach schnell ein Gefühl der Ungerechtigkeit“, so die Geschäftsführerin. Dabei sei das neue Lehramt durch die Modularisierung generell fairer. Die Kompetenzen der Studenten könnten nun miteinander abgeglichen werden.

Der Wechsel ins neue Lehramt

900 Studenten befinden sich derzeit noch in Studiengängen des alten Lehramts. Bis Mai 2018 haben sie Zeit, ihr Staats- examen anzumelden. Schaffen sie dies nicht, besteht die Möglichkeit, sich in das neue Lehramt umschreiben zu lassen. Die neuen Studienordnungen sind modularisiert. Das bedeutet, dass die Leistungen der Studenten mit Noten bewertet werden. Vorher mussten die Studenten nur bestehen.

2012 beschloss das Rektorat das Auslaufen der alten Lehramtsstudiengänge.

Die Studenten werden seit dem Jahr 2015 über die Umstellung regelmäßig informiert.

Beratungsstellen sind das Lehrerprüfungsamt, die Fachberater und die allgemeine Beratung der Philosophischen Fakultät. Im Notfall können sich Betroffene auch beim Zentrum für Lehrerbildung melden.

Pauline Rabe

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