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Rostock Vom vergessenen Ort zum Kunstquartier
Mecklenburg Rostock Vom vergessenen Ort zum Kunstquartier
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01:04 19.04.2018
Rund 40 Unterstützer und Mitglieder des Altstadtvereins kamen zur Festveranstaltung in die Petrikirche. Für Musik sorgten Thomas Braun und Karl Scharnweber (am Klavier). Quelle: Fotos: Johanna Hegermann, Ove Arscholl

Östliche Altstadt Als sich der Verein zu Förderung der Östlichen Altstadt vor genau 20 Jahren gründete, war ihr Stadtteil ein völlig anderer als heute.

Altstadtverein feiert 20-jähriges Bestehen und bedankt sich bei Sponsoren und Unterstützern

„Wir wollten damals hinter dem Rathaus nicht vergessen werden“, sagt Jürgen Möller. Seit mehr als zehn Jahren ist er der Vorsitzende des aktiven Vereins. Damals löste er Robert Uhde ab.

Beide sprechen bei der gestrigen Festveranstaltung zum kleinen Jubiläum. „Wir wollten die Sponsoren und Unterstützer des Vereins würdigen und einmal Danke sagen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Denn auch dank ihnen sei der Kalender der Östlichen Altstadt jedes Jahr gut gefüllt. Die Kunstnacht, die regelmäßig erscheinende Quartierzeitung „Ostpost“, das Altstadtfest, das Anwohnerfrühstück, der Frühjahrsputz und die Winterserenade sind mittlerweile feste Größen im Stadtteil und teilweise auch in ganz Rostock. „Wir sehen uns als Kunst- und Kulturquartier“, sagt Möller.

Doch das sah in der Vergangenheit noch ganz anders aus. „Es war eigentlich der arme Stadtteil“, erklärt Jürgen Möller. Der Baugrund im Osten sei nicht gut gewesen, also habe sich Rostock eher nach Süden ausgebreitet. „Früher gab es hier vor allem mit Kütern und Gerbern stehendes Gewerbe, das sehr geruchsintensiv war“, taucht Möller in die Geschichte des Stadtteils ein. Doch auch zu DDR-Zeiten sei die Strecke um die Östliche Altstadt für Spaziergänger nicht geeignet gewesen. Schließlich war der Stadthafen nicht frei begehbar.

Ohne die Nördliche Altstadt hätte es den aktiven Verein wohl nicht gegeben, vermutet Jürgen Möller. Damals wurden dort viele alte und historische Gebäude kurzerhand abgerissen. Also haben sich Einwohner der Östlichen Altstadt dafür eingesetzt, dass dies nicht auch in ihrem Viertel passiert. „Die Wende ist rechtzeitig gekommen, dass noch ein paar historische Häuser stehen geblieben sind“, sagt Jürgen Möller. So hatten sich viele Altstädter schon vor Gründung des Vereins für ihr Quartier eingesetzt. Als dann 1998 die Auftaktveranstaltung stattfand, kamen rund 150 Interessierte. 50 von ihnen sind dann dem neuen Verein beigetreten.

„Wir waren vergessen von der Stadt, von der Politik und von den Entwicklungsgremien, also mussten wir eine eigene Stimme finden“, erinnert sich Robert Uhde und bezeichnet die Zeit damals als Notstand für die Altstadt. Mit dem Verein wollte man Kultur und Gewerbe locken und dem Ortsteil eine neue Identität geben. Die Mitglieder engagierten sich in den Gremien der Stadt und für Projekte im Stadtteil.

Nach der Wende habe die Stadt dem Alten Markt schnell eine neue Form und dem Petriturm eine neue Spitze geben wollen. „Dann versank der Stadtteil wieder im Dornröschenschlaf“, sagt Ralf Schinke. Seit Jahren hat der Planer der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) die Entwicklung der Altstadt begleitet. Doch in den 90er Jahren habe Rostock sich eher um die Kröpeliner Tor Vorstadt und den Ausbau des Straßenbahnnetzes gekümmert. „Die Bewohner haben bemerkt, dass sie sich selbst positionieren mussten“, erklärt Schinke. Der Stadtplaner lobt den Einsatz der Altstädter. „Die Anwohner haben sich in der Östlichen Altstadt schon immer wohlgefühlt. Hier leben nicht die Angepassten, sondern Menschen mit Ecken und Kanten.“

Erst durch das neue Petriviertel habe man die Randlage verloren. Spürbar im Viertel sei auch die Ansiedlung der Hochschule für Musik und Theater gewesen, die um die Jahrtausendwende in das alte Katharinenstift gezogen ist. „Durch Aida haben dann auch Familien bezahlbare Wohnungen in unserem Quartier gesucht“, sagt Robert Uhde. Zum Wohnen sei die Östliche Altstadt ideal. „Es ist dicht an der Innenstadt, dicht am Wasser und naturnah“, zählt Jürgen Möller auf. Uhde fasst zusammen: „Es ist ein attraktives Viertel geworden – auch für Touristen.“ Er hätte vor 20 Jahren eine solche Veränderung nicht für möglich gehalten. „Es ist ein lebendiges Quartier, in dem es eine wunderbare bauliche Entwicklung gegeben hat.“ Und das, weiß Schinke, liegt vor allem an den Menschen im Stadtteil. „Sie haben der Östlichen Altstadt eine Seele gegeben.“

Johanna Hegermann

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