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Rostock Vorhang auf fürs Theater auf dem Wasser
Mecklenburg Rostock Vorhang auf fürs Theater auf dem Wasser
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03:40 07.08.2013
So sieht Harald Lochotzke ein neues Theater am Stadthafen.

Die Hansestadt Rostock prüft ernsthaft die Idee eines Theaters auf dem Wasser. Christinenhafen und Bussebart lauten die Finalisten im Rennen um einen Theaterstandort.

Neu: Für die Variante an der Kaikante schließt die Verwaltung die Warnow nicht aus. „Die Einbeziehung von Wasserflächen“ werde im Zuge der Vorbereitung des städtebaulichen Wettbewerbs derzeit „zwischen den Ämtern diskutiert“, bestätigt Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Hat da die futuristische Vision des Projektentwicklers Harald Lochotzke vom Juni ein bisschen abgefärbt? Dessen Entwurf eines „Zauberhuts“ (die OZ berichtete) auf der Unterwarnow grüßt von der Startseite seiner Homepage. Stadtpolitiker winkten vor Monaten ab. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) nannte es „eine interessante Anregung“, „die möglicherweise Einfluss auf den städtebaulichen Wettbewerb nehmen könnte“. Das scheint gelungen.

Lochotzkes Kuppel aus Stahl, Beton und Glas soll 50 Meter in den Rostocker Himmel ragen und den Spaziergang übers Wasser nach Gehlsdorf ermöglichen. Zunächst hielten die Stadtväter den schwimmenden Theater-Hut für nicht realisierbar. Aber nun zieht die Stadt selbst in Erwägung, einen Neubau abseits des Festlands zu errichten.

Die Reaktionen aus der Kulturszene sind gespalten. „Es muss ja nicht so ausfallen wie die Hut-Variante“, sagt Matthias Dettmann vom Kunstverein. Die Wasser-Option imponiere ihm schon. „Das wäre schön.“ Findet auch der künftige Theaterintendant Sewan Latchinian. Er sei zwar Bussebart-Fan, fände aber ein Theater am oder im Wasser ebenso „reizvoll“. „Hauptsache, der Neubau kommt, und er ist von innen her gedacht.“

Bei aller Euphorie — Antje Jonas vom Theater-Förderverein glaubt selbst bei einem bescheideneren Entwurf nicht an die Realisierbarkeit: „Zu kostspielig.“ Schon bei bisher ins Spiel gebrachten Summen hätten alle die Hände gehoben. „Wie sollte das Geld für einen Bau auf dem Wasser reichen?“ Das neue Gebäude solle ohne Frage Rostock als Hansestadt und Stadt am Meer spiegeln. „Aber warum nicht an Land?“ Dafür sei der leider verworfene Standort Rosengarten ideal gewesen.

Anne Kellner, Leiterin des Lichtspieltheaters Wundervoll (Liwu), hält die Wasser-Nummer zumindest für eine „überlegenswerte Idee“. Sie hat dann aber ebenfalls gleich die minderlaunigen Aspekte im Hinterkopf: Finanzierung, Aufwand, Umweltfolgen. Theater auf dem Wasser? „Die Frage ist verführerisch, aber falsch“, sagt Klaus Blaudzun, Chef des Instituts für Neue Medien. Rostock diskutiere typischerweise stets erst Bau- und Standortfragen, dann erst tauche man ins Konzeptionelle ein. „Die Frage davor lautet: Was will sich eine Kulturstadt Rostock leisten?“ Da gebe es keine Klarheit.

Auch er trauert einer Standort-Idee nach: Ein Bau auf der Mittelmole hätte in seinen Augen ein Mittel sein können, Kreuzfahrer zu halten, die sonst „nur eine Bockwurst essen — und dann ab nach Berlin“.

Begeistert von der Prüfung der Wasser-Option durch die Stadt ist „Zauberhut“-Planer Harald Lochotzke. „Das war ja der Ansatz: Eine Idee zu liefern. Schön, wenn andere sie mittragen.“ Die Achse zwischen City und Gehlsdorf biete „städtebaulich eine völlig neue Dimension“. Er stellt sich für die Jubiläumsfeier der Uni 2019 — ein Jahr nach dem Fest der Stadt — ein buntes Nonstop-Programm vor:

„Tags Uni, nachts Theater — das wäre doch traumhaft!“ Überhaupt findet Lochotzke: „Wenn man für Gänsehaut sorgen will, braucht es ein bisschen Mut.“

Traum vom schwimmenden „Zauberhut“
Mit seinem futuristischen Entwurf vom „Zauberhut“ für ein Theater auf Pfählen mitten auf der Unterwarnow hat Harald Lochotzke die architektonische Debatte um den Theater-Neubau befeuert. Er träumt von einer auf Pfählen stehenden Kuppel aus Beton, Glas und Stahl, die Platz für Einkauf und Gastronomie bietet. Strom soll ein Sonnensegel liefern, Wärme aus vom Warnowwasser angetriebenen Anlagen kommen. Die Finanzierung, so stellt sich

Lochotzke vor, könnte über private Gelder und Landesfördermittel klappen.

Kerstin Beckmann

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