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Rostock Vorreiter: Rostock plant Stadtgrün der Zukunft
Mecklenburg Rostock Vorreiter: Rostock plant Stadtgrün der Zukunft
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00:01 07.06.2017
Urbanes Grün macht Rostock lebenswert. 880 Hektar öffentliche Grünanlagen gibt es derzeit in der Stadt. Pro Jahr kommen durch die Erschließung neuer Wohnstandorte etwa 15 Hektar hinzu. Viele Kleingärtner müssen für geplante Bauvorhaben allerdings ihre Parzellen räumen. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Stadtmitte

Rostock wird zum Forschungsfeld: In den kommenden drei Jahren wollen Stadtplaner und Kleingärtner innovative Ansätze zur urbanen Grünentwicklung finden, die als Vorbild für Deutschlands Städte taugen. Wie lassen sich Kleingartenkultur und wachsender Wohnraumbedarf miteinander vereinbaren? Eine Antwort darauf verspricht sich das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vom Projekt „Grüne Welle – Stadtgarten Rostock“. Das ist eines von bundesweit zwölf Modellvorhaben, sogenannten „Green Urban Labs“, die vom BBSR mit 158000 Euro bezuschusst werden. Gestern trafen sich Rostocks Akteure zum Auftakt im Rathaus.

Neues Konzept soll Wohnraumbedarf und Interessen der Kleingärtner vereinen

„Wir haben jetzt die einmalige Chance, gemeinsam ein Kleingartenentwicklungskonzept zu erarbeiten“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Er hoffe auf ein friedliches und konstruktives Miteinander von Verwaltung und Kleingärtnern. Zwischen diesen Parteien gab es bis dato so manchen Zoff. Darüber, wie Rostock in Zukunft aussehen soll, waren sie sich zuletzt meist nicht sonderlich grün. Grund: In der Stadt wird’s zunehmend eng. Immer mehr Menschen wollen in Rostock leben. Um für sie Wohnraum zu schaffen, sollen etliche Parzellen weichen. Bundesweit müssen Kommunen diesen Spagat zwischen Wohnungsneubau und Begrünung meistern. Rostock wolle Nutzungskonflikte mit dem Projekt „Grüne Welle“ ausräumen, sagt Grünamtschefin Ute Fischer-Gäde. „Wir wollen einen breiten, öffentlichen Dialog anstoßen.“ Kleingärtner, aber auch alle anderen am Stadtgrün interessierten Rostocker sollen ihre Ideen einbringen können.

Zunächst steht allerdings eine Bestandsaufnahme an: Wie sind die Gartenvereine aufgestellt? Wo stehen Parzellen gut da, wo stehen sie leer? Das wollen Landschaftsarchitekten der Lübecker Firma TPG, die Rostocks Modellprojekt betreut, mit Fragebögen, in Gesprächen mit Vereinsvorsitzenden und bei Gartenbegehungen herausfinden. Das werde im Juli und August passieren, kündigt Maria Julius von TPG an. Ende des Jahres sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Daten dienen dann als Basis dafür, Ziele und Leitlinien für die Entwicklung der Kleingärten festzulegen. Aus diesen wiederum soll in Workshops bis Ende 2018 ein Konzept entwickelt werden. Steht das, könnte die Bürgerschaft im Sommer 2019 konkrete Maßnahmen beschließen, umreißt Julius den Zeitplan.

Was aber passiert mit jenen Anlagen, deren Zukunft aktuell zur Diskussion steht? Wegen Bauvorhaben wie dem Quartier „Groter Pohl“ oder dem geplanten Stadtteil „Groß-Biestow“ bangen tausende Pächter um ihre Parzellen. Die Ungewissheit konnte ihnen Umweltsenator Matthäus gestern nicht nehmen. „Aber wir nehmen Ihre Sorgen um Ihre Schollen ernst. Es ist nichts endgültig entschieden. Lassen Sie uns gemeinsam diskutieren“, bot er den vielen Kleingärtnern, die im Rathaus ihre Bedenken äußerten, an.

Christian Seifert, Vorsitzender des Verbandes der Gartenfreunde., geht das Projekt „Grüne Welle“ trotz jüngster Querelen optimistisch an. Er hoffe, dass es, wie kürzlich ein ähnliches Entwicklungskonzept in Kiel, untermaure, „dass wir Kleingärtner unverzichtbar für die Stadt sind“. Rostocks Pächter seien durchaus bereit, für Wohnbebauung Kompromisse zu machen. Um attraktive Anlagen wie etwa die des Vereins „Pütter Weg“ wolle der Verband aber kämpfen. Dass es sich lohnt, sich einzubringen, zeigt sich am Beispiel des Vereins „Satower Straße“: Um den neuen Stadtteil „Groß-Biestow“ zu erschließen, sollte eine Trasse mitten durch die bestehende Laubenkolonie führen. Zwar müssten immer noch einige Gärten weichen. Die Teilung der Sparte sei aber jetzt vom Tisch, sagt Christian Seifert. Stadt und Kleingartenverband hätten sich darauf verständigt, dass die Trasse um die Anlage herumführen wird.

Antje Bernstein

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