Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock „Warnemünde ist mindestens so schön wie Nizza“
Mecklenburg Rostock „Warnemünde ist mindestens so schön wie Nizza“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.05.2017

Nächste Woche tagt die UBC – die Union of the Baltic Cities – für drei Tage in Rostock, was steht dabei auf der Agenda?

„Nicht Rostock und Kiel konkurrieren, die Konkurrenz ist global“: Wolfgang Schmidt (50) aus Kiel vom Ostsee-Städte-Verbund UBC. Quelle: Foto: Kiwi

Wolfgang Schmidt: Wir bringen ein internationales Team aus mehr als 70 Wirtschaftsexperten, Stadtplanern und Kreuzfahrtprofis mit in die Hansestadt. Unser Ziel ist es, konkrete Empfehlungen zu erarbeiten, wie Rostock Wachstum mit der Entwicklung zu einer großartigen Ostseemetropole verbinden kann. Wir werden mit vielen Fachleuten aus der Stadt und der Region diskutieren, wie Wirtschaftsentwicklung, Innovationsfähigkeit und Internationalisierung miteinander verbunden werden können.

Das klingt etwas abstrakt, geht es konkreter?

Wir werden uns auf drei Fragen konzentrieren. Erstens: Wie kann Rostock die Erwartungen ihrer Bürgerinnen und Bürger noch besser erfüllen? Wie können Wirtschaftswachstum und Innovationsfähigkeit in Zukunft gesichert werden? Zweitens: Welche konkreten Antworten kann eine ganzheitliche Stadtplanung und Stadtentwicklung geben? Und drittens: Wie kann Kreuzfahrttourismus mit kleinen Schiffen zur Zukunft des historischen Stadthafens beitragen?

Was ist die UBC eigentlich genau und was macht sie?

Unser Verbund, dem fast 90 Städte aus zehn Ostsee-Anrainerstaaten wie zum Beispiel Deutschland, Dänemark, Norwegen, Litauen, Russland oder Polen angehören, bringt kleine Städte wie Bergen auf Rügen, mittelgroße wie Rostock und sehr große wie St. Petersburg zusammen. Die UBC ist eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und Lösungen zu allen Fragen des kommunalen Leistungsangebotes.

So lernt Kiel vom dänischen Aarhus über das Thema Digitalisierung der Verwaltung, Rostock veranstaltet eine internationale Expertenkonferenz zum Thema Flüchtlinge und Malmö und Danzig beantragen gemeinsam EU-Fördermittel.

Wie kann Rostock von der Arbeit Ihres Verbundes noch profitieren?

Einerseits geht es um Knowhow: Der Austausch von Wissen und Erfahrung ist ein ganz wichtiger Wert in Zeiten schneller Veränderung. Die UBC bietet eine ausgezeichnete Plattform, um sich projektbezogen mit ähnlichen Städten auszutauschen. Andererseits geht es um Sichtbarkeit: Alle Städte in Europa konkurrieren weltweit um Arbeitskräfte, Ideen und Unternehmensansiedlungen. Städte wie Rostock und Kiel sind zu klein, um für die genannten Zielgruppen sichtbar zu sein. Die Werbung im Verbund von mehr als 100 Städten ist sehr erfolgversprechend.

Außerdem ist der Ostseeraum mit seiner politischen und wirtschaftlichen Stabilität, dem sehr hohen Bildungsstand und nicht zuletzt dem Thema Gleichberechtigung eine weltweit be- und anerkannte Marke.

Von dieser Stärke profitiert Rostock in seiner Außenwirtschaftswerbung.

Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken der größten Stadt in MV?

Rostock ist eine attraktive Universitätsstadt mit vielen jungen, aufgeschlossenen Menschen. Die Lage am Meer und die exponierte Stellung im Ostseeraum machen die Stadt für Arbeitnehmer, Touristen und Investoren sehr interessant. Und klar: Die Hanse Sail ist ein Imageträger von unschätzbarem Wert und schafft es, Tourismus, Segelbegeisterung, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung zu verbinden.

In Sachen Kreativwirtschaft ist Rostock wie Berlin, die vielen Studierenden erinnern an Münster, der schöne, hanseatisch geprägte Stadtkern weckt Assoziationen zu Danzig. Und Warnemünde ist im Sommer mindestens so schön wie Nizza – ohne die erdrückende Hitze.

Und die Schwächen, an denen Rostock arbeiten muss?

Von Schwächen möchte ich mit Blick auf die wirklich beeindruckende Entwicklung seit der Wende eigentlich gar nicht sprechen. Internationalisierung ist ein zentrales Thema, bei dem Rostock am Ball bleiben muss. Ich würde der Stadt empfehlen, sich systematisch und unter Einbeziehung relevanter Akteure wie Hochschulen, Wirtschaft und Stadtbevölkerung mit der Frage zu beschäftigen: Was bedeutet die fortschreitende Globalisierung für uns und wie können wir ihr erfolgreich begegnen? Denn die Konkurrenz ist global – nicht Rostock und Kiel konkurrieren, sondern Europa und Asien, der Ostseeraum und die Mittelmeerregion.

Womit kann Rostock zum Beispiel gegenüber Ihrer Heimatstadt Kiel punkten?

Mit der historischen Bausubstanz, der großen Hansetradition, dem herrlichen Strand in Warnemünde und mit der sehr starken Verbundenheit der Menschen mit ihrer wunderschönen Stadt. Für welche Stadt gibt es schon einen solchen Liedtext wie den von   Marteria: ,Halte aus, ich bin gleich da, bin aufgeregt wie jedes Mal. Ich komm’ zu dir, und du bist wunderschön.’

Das klingt, als hätten Sie eine persönliche Beziehung zu Rostock?

Ja, ich komme aus privaten Gründen schon seit 20 Jahren regelmäßig und mit zunehmender Begeisterung hierher. Ich bin ziemlich viel unterwegs und habe das große Privileg, beruflich viele tolle Städte in Europa zu erleben. Aber nach Rostock zu kommen, ist mittlerweile viel mehr als ein Businesstrip. Ein Spaziergang in Warnemünde oder ein Bier im Stadthafen fühlt sich für mich ein bisschen so an wie nach Hause kommen.

OB-Empfang im Neptun

Wolfgang Schmidt (50) verantwortet im Büro des Oberbürgermeisters von Kiel die internationalen Wirtschaftsbeziehungen der Stadt. Er ist Vorsitzender des Smart-and-Prospering-Cities-Ausschusses der Union of the Baltic Cities (UBC), die in Rostock tagt. Am Montag empfängt

Oberbürgermeister Roland Methling die Teilnehmer im Hotel Neptun.

Die Union der Ostseestädte (Union of the Baltic Cities) ist eine Vereinigung von derzeit 88 Städten der zehn Ostsee-Anrainerstaaten. Sie dient der Zusammenarbeit im Ostseeraum.

Interview: Sönke Fröbe

Rostock OZ-Schulnavigator Teil 11: Das Schulzentrum Paul-Friedrich Scheel - Beste Bedingungen für jedes Kind

Schulzentrum Paul-Friedrich Scheel legt Schwerpunkt auf körperliche und motorische Entwicklung

02.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 10: Die Werkstattschule in Rostock - Eine Schule zum Wohlfühlen

Werkstattschule vereint pädagogische Ansätze / Fächerübergreifendes Arbeiten in „Werkstätten“

07.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 9: Die Waldorfschule - Epochen, Kunst und Handwerk

Ästhetik und künstlerisches Schaffen prägen Lehreinrichtung / Eltern zeigen viel Initiative

07.02.2018
Anzeige