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Rostock Abwasser: Senator will Rechtsstreit abwenden
Mecklenburg Rostock Abwasser: Senator will Rechtsstreit abwenden
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03:43 28.08.2013
Markgrafenheide

Um Schadensbegrenzung im Streit zwischen der Hansestadt und Markgrafenheider Kleingärtnern ist offensichtlich Rostocks Bausenator Holger Matthäus (Grüne) bemüht.

Gestern unterbreitete er dem Ortsbeiratsvorsitzenden Jürgen Dudek (Rostocker Bund) ein Angebot zu einem Gespräch in Markgrafenheide. „Die Kunst des kulturvollen Miteinanders in unserer Stadtgesellschaft liegt darin, keine Gerichte anzurufen“ — so warb der Senator bei den Gärtnern darum, auf die kürzlich angekündigte Klage zu verzichten.

Die Kleingärtner der Vereine „Am Radelsee“ und „Erlengrund“ bemühen sich seit Jahren vergeblich, ihre Gärten ans öffentliche Abwassernetz der Hansestadt anschließen zu dürfen. Mehrere Abteilungen im Rathaus, darunter auch Matthäus‘ Bereich, lehnen das bislang kategorisch ab. Unter anderem, weil sie meinen, dass ein Anschluss ans Abwassernetz dazu führe, dass die entsprechenden Anlagen die Gemeinnützigkeit verlören. In seinem Gesprächsangebot an Dudek signalisiert Matthäus, dass er einen Anschluss ans Netz nach wie vor ablehne und stattdessen eine zentrale Kläranlage favorisiere.

Beistand erhalten die Markgrafenheider Kleingärtner indes vom Dachverband — allerdings nicht vom Verband der Gartenfreunde der Hansestadt Rostock, dem eigenen Dachverband, sondern vom Vorsitzenden des Kreisverbands Rostock-Land, Gerhard Brackniß. „Wir sind nicht dafür, Kleingartenanlagen generell ans öffentliche Netz anzuschließen“, stellt Brackniß klar. „Doch es gibt durchaus Fälle, in denen dies eindeutig die beste Lösung ist.“ So wie in Rövershagen.

Das zuständige Amt hat dort betroffene Kleingärtner schriftlich darüber informiert, dass die Gemeinnützigkeit durch den Anschluss ans Netz nicht gefährdet sei. Insbesondere dann, wenn die Anlagen mit regelmäßigen Überschwemmungen zu rechnen hätten, so Brackniß, sei so ein Anschluss sinnvoll. In Markgrafenheide werden besonders die Anlagen „Am Radelsee“ und „Markgrafenheide-West“ im Frühjahr von Hochwassern heimgesucht. Kunststofftanks, deren Einbau vom Verband der Gartenfreunde empfohlen wird, werden mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Erdreich gedrückt. Das war Holger Matthäus bisher unbekannt, auch deshalb sucht der Senator das Gespräch.

In diesen Tagen wurde bekannt, dass ein Rentner einen solchen Tank in seinem Garten in der Anlage „Erlengrund“ einbauen wollte. In der Bedienungsanleitung des Flachbehälters las er, dass ein Einbau in von Schicht- und Grundwasser betroffenen Böden verboten sei. „Ich kann das alles einfach nicht glauben“, kommentiert Dudek die Zwickmühle, in der die Kleingärtner stecken.

Achim Treder

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