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Angebliche Tierschützerin kidnappt Min Herzings Hund

Warnemünde Angebliche Tierschützerin kidnappt Min Herzings Hund

Tochter Ellen kann Bobby von der fremden Leine befreien und die mutmaßliche Diebin fotografieren. Der Tierschutzverein distanziert sich.

Warnemünde. Opfer einer Hundediebin ist gestern um ein Haar die Warnemünderin Margot Thielk (79), besser bekannt als „Min Herzing“, geworden. Familienhund Bobby hing plötzlich an einer fremden Leine. Die Entführung geschah in Sekundenschnelle.

Mit Tochter Ellen Keck (56) genießt „Min Herzing“ auf der Terrasse des Fischrestaurants „Stromblick“ die Frühlingssonne. Die Gaststätte am Alten Strom ist noch nicht geöffnet, und der zehn Jahre alte Shih-Tzu-Rüde läuft zwischen den Tischen frei umher. „Für ihn ist das sein Zuhause“, so Ellen Keck. Plötzlich springt der Hund auf den Gehweg. Die beiden Frauen sehen nur noch, wie er von einer Hundeleine aus ihrem Blickfeld gezogen wird.

„Bobby hat oft Kontakt zu Fremden“, erzählt Margot Thielk. „In Warnemünde kennt ihn fast jeder. Und er weiß, dass die Warnemünder ihn mögen. Er kennt halt nur liebe Menschen.“ Für Tochter Ellen ist dies der Grund, warum sich der Familienhund ohne weiteres von einer Fremden anleinen ließ. „Bobby wollte offenbar zu einem Baum, den er vor geraumer Zeit für sich entdeckt — und wohl markiert hat“, mutmaßt sie.

„Wir sind sofort hin und haben die Dame angesprochen“, erzählt Ellen Keck weiter. Diese habe behauptet, ehrenamtlich für den Tierschutz zu arbeiten und den „herrenlosen Hund“, wie sie meinte, zum Tierheim bringen zu wollen. „Sich auszuweisen, lehnte die Frau ab“, so Ellen Keck. Geistesgegenwärtig habe die Wirtin jedoch ihr Handy gezückt und die vermeintliche Diebin fotografiert. Den Hund habe diese wieder herausgerückt.

Mit dem Foto will Ellen Keck nun Anzeige bei der Polizei erstatten. „Und die Leute müssen auch wissen, dass in Warnemünde Hunde geklaut werden“, sagt sie.

Für Polizeisprecherin Yvonne Hanske ist dieser Fall sehr untypisch. „Mir ist nicht bekannt, dass es so etwas Ähnliches bei uns schon einmal gab“, sagt sie. Einmal habe eine Frau vermutet, dass im Nordwesten der Stadt Hunde, die vor Discountern angebunden waren, gestohlen und die Rückgabe gegen Lösegeld angeboten wurde. „Wie sich aber herausstellte, hatte die Frau ihre Geschichte aus dem Fernsehen“, so die Polizeisprecherin.

Wolfgang Horn, Vorsitzender des Rostocker Tierschutzvereins, beteuert, dass ein Vorgehen, wie es die vermeintliche Diebin praktizierte, vom Tierschutzverein nicht gebilligt werden. Andererseits könne er aber nicht für jedes einzelne Mitglied seine Hand ins Feuer legen. Korrekt wäre es, wenn ein herrenloser Hund, der entdeckt wird, dem Verein oder der Rostocker Tierrettung gemeldet werde. Sollte diese zum Einsatz gelangen, könnten Ehremamtler deren Arbeit gern unterstützen.

Achim Treder

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