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Automaten übernehmen den Wetterdienst

Warnemünde Automaten übernehmen den Wetterdienst

Noch gibt es in Warnemünde einen Dienst rund um die Uhr, doch die Nachtschicht wird demnächst wegfallen. Das spart zwei Mitarbeiter ein. Sie sollen versetzt werden.

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Sabine Neumann von der Warnemünder Wetterwarte im Messfeld in den Dünen. Es wurde 2007 komplett neu aufgebaut, und es ist in Deutschland einzigartig.

Quelle: Thomas Sternberg

Warnemünde. Die Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der Warnemünder Seestraße gehört noch zu den wenigen bemannten Stationen an der deutschen Ostseeküste. „Wir arbeiten hier mit sieben Mitarbeitern in Schichten rund um die Uhr“, bestätigt Sabine Neumann (49). Doch auch beim öffentlichen Wetterdienst kommen immer bessere Computerprogramme, Automaten und Sensoren zum Einsatz.

Die Konsequenz: Die Nachtschicht und damit erst mal zwei Stellen werden demnächst wegfallen. Obwohl der Seehafen, das Wassersportrevier und der Landeplatz für Hubschrauber in Hohe Düne die besondere Stellung der Wetterwarte unterstreichen. Außerdem ist die Station in das Sturmwarnnetz des DWD integriert.

„Die Daten werden weiter zuverlässig erfasst, da gibt es keine Abstriche“, betont Sabine Neumann. Allerdings nehmen die Warnemünder nicht nur die Daten auf und sorgen dafür, dass sie zweimal stündlich in das zentrale Wetterdatennetz eingespeist werden, sondern zu ihren Aufgaben gehört auch die Beobachtung von Wolkenart und -höhe oder Bedeckungsgrad am Himmel. Alles kann die Messtechnik doch noch nicht.

Die DWD-Zentrale in Offenbach hat ihre Zielstellung allerdings klar formuliert: Alle Messstellen bleiben bestehen, werden jedoch schrittweise automatisiert. Die dort nicht mehr benötigten Mitarbeiter — so auch die Warnemünder — sollen umgesetzt werden. Sie sollen verstärkt im wissenschaftlichen Dienst, aber auch an den internationalen Flughäfen zum Einsatz kommen.

In Warnemünde läuft seit 2007 bereits das Messfeld in den Dünen vollautomatisch. Es heißt Automatische Meteorologische Datenerfassungsanlage (Amda) und ist das einzige Dünen-Messfeld, das es in Deutschland gibt.

Weil die Datenerfassung objektiv und unbestechlich ist, wird festgestellt, dass der zu Ende gegangene Jahrhundertsommer gar nicht so grandios war. „Bei den Sommern seit 1946, da zählen immer die Monate Juni, Juli, August, belegen wir bei den Temperaturen lediglich Platz acht, der Sommer war also eher durchschnittlich“, lautet die Analyse von Sabine Neumann. Grandios kann hingegen die Niederschlagsmenge in diesem Monat noch werden. „Wir haben bereits jetzt 95 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge für den September abbekommen“, so Neumann. Am Montag prasselten in Warnemünde 18,3 Liter Regen pro Quadratmeter herunter.

Die höchste Temperatur, die jemals in Warnemünde gemessen wurde, steht mit 36,9 Grad Celsius im Jahr 1992 in den Büchern und die niedrigste Temperatur mit -18,4 Grad stammt von 1956. Als Besonderheit wird die Temperatur von der modernen Technik nicht nur in verschiedenen Höhen über der Erde, sondern auch in zwei Metern Tiefe gemessen.

Die Windgeschwindigkeit wird übrigens auf dem Dach der früheren Fabrikanten-Villa von Conrad Lehment gemessen. Die Radioaktivität, die vom Himmel fällt, erfasst seit 1991 eine Messstation auf dem Hof. „Es hat dabei noch nie relevante Ausschläge gegeben“, bestätigt die stellvertretende Leiterin der Wetterwarte, dass die Radioaktivität über Warnemünde bisher kein Problem gewesen ist.

Viele Aufgaben sind bereits verlagert
Wetterbeobachtungen gibt es in Rostock seit 1832. Die Initiative ging damals vom Physikalischen Institut der Universität aus. 1879 verlegte man die meteorologische Station nach Barnstorf. Ihre Aufgaben übernahm dann 1922 die Universitäts-Luftwarte.


In Warnemünde gab es von 1914 bis 1918 und von 1922 bis 1945 auf dem Flugplatz Hohe Düne eine mit Meteorologen besetzte Wetterwarte. 1946 startete die Meteorologische Station Warnemünde, die bald in die Seestraße verlegt wurde. 1951 kam die Seewetterdienststelle hinzu.


Mit der Neuorganisation der Wetterdienste seit 1990 ging die Seewetterdienststelle nach Hamburg und die Vorhersage nach Potsdam und ebenfalls nach Hamburg. Auch die gesamte Gutachtertätigkeit für Mecklenburg-Vorpommern erfolgt seit 2002 in Hamburg. In Warnemünde blieben die Wettertechniker.

 

Thomas Sternberg

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