Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Beste Unterhaltung am Wegesrand
Mecklenburg Rostock Beste Unterhaltung am Wegesrand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.07.2013
Warnemünde

Sie spielen am Alten Strom, stehen bemalt auf der Promenade und unterhalten abseits des Bühnenprogramms: Künstler und Musiker am Wegesrand machen die Warnemünder Woche noch abwechslungsreicher und bunter.

Eine Menschentraube hat sich am Alten Strom gebildet. Antonia und Toni Wagner haben ihre Instrumente aufgebaut. Die beiden Musiker fallen auf. Er trägt Hut mit Rose, sie Zylinder mit Feder. Antonia spielt Kontrabass, Toni wechselt zwischen Akkordeon, Gitarre und Posaune. „Wir lassen uns ungern in eine Schublade stecken. Unsere Musik ist ziemlich bluesig, ein bisschen zigeunermäßig“, sagt Toni.

Der 28-Jährige macht schon sein ganzes Leben Musik. Seit drei Jahren bildet er mit seiner Frau das „Lutopia Orchestra“. Die beiden haben Musik in Lübeck studiert, spielen auf Hochzeiten, Geburtstagen, in Kneipen. Sie geben Konzerte und fahren durch Deutschland und Europa, um auf der Straße Musik zu machen. „Wir sind fahrendes Volk“, sagt Toni. Das Ehepaar hat sich einen alten Mercedes ausgebaut und ist damit unterwegs. Überwintern wollen sie in Spanien.

Mehr als 50 Lieder haben sie im Repertoire. „Wir spielen eigene Lieder, aber auch Cover-Songs. Ich finde, Johnny Cash muss gespielt werden“, sagt Toni und stimmt den nächsten Walzer an. „Das ist das i-Tüpfelchen in der Segelwoche. Das ist Kulturmusik“, sagt Dieter Teuber. Dem Groß Kleiner gefällt das Duo. „Die haben Qualität, das ist eine außergewöhnliche Note“, fügt seine Frau Edeltraud hinzu.

Auf der Bühne am Leuchtturm steht Silvio Höfner. In weißer Seemannsjacke mit Vollbart präsentiert sich der 37-Jährige als Kapitän Carlos. Immer bevor das offizielle Bühnenprogramm losgeht, informiert er die Gäste über die Warnemünder Woche und die Wahrzeichen des Ostseebads. Zwischendrin spielt er Seemannsmusik.

„Ich fand die Zeit bis 15 Uhr zu trocken. Erst dann geht das Programm los“, erzählt Höfner. Also kaufte sich der 37-Jährige eine Kapitänsjacke mit passender Mütze und einen Bart aus Naturhaaren. Seit 14 Jahren ist er als Mitarbeiter von FZ-Audiotechnik bei der Warnemünder Woche dabei. „Ich habe das Seebad und die Mitarbeiter hier lieb gewonnen. Alles ist so familiär“, sagt Höfner. Keine Frage also, dass er sich ehrenamtlich engagiert. Und als Kapitän Carlos kommt der Mann aus Seelow (Brandenburg) beim Publikum an. „Viele wollen Fotos machen, und einige Familien kommen immer wieder. Einmal habe ich auch schon mit einer Dame getanzt“, erzählt er. „Komischerweise laufen hier nicht viele Kapitäne mit Uniform rum.“

Für viel Aufsehen und Gelächter sorgen auch Lazi Molnar und seine Kinder. Farbig angemalt und verkleidet stehen sie als menschliche Statuen im Menschenstrom — bewegungslos. Gelegentlich wird jemand angetippt oder festgehalten. Erschrockene Passanten fangen aber meist gleich an, über sich selbst zu lachen, wenn sie sich umdrehen. Fällt eine Münze ins Kästchen, werden die Figuren beweglich und zum beliebten Fotomotiv.

Molnar ist weiß, seine drei Kinder unterstützen ihn während der Warnemünder Woche in Gold, Silber und Weiß. „Zu Hause in der Slowakei gibt es keine Arbeit mehr. Ich bin jetzt seit 20 Jahren Statue“, erzählt der 44-Jährige.

Anja Levien und Ove Arscholl