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Forscher: Sand am Strand enthält Plastik

Warnemünde Forscher: Sand am Strand enthält Plastik

Warnemünder Wissenschaftler untersuchen das Problem. Vortrag informiert darüber.

Warnemünde. Winzige Plastikteilchen, zum Teil gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen, zum Teil wiederum kleiner als ein Bakterium, bedrohen mehr und mehr die Ostsee. Sie gelangen mit angeblich geklärtem Abwasser ins Meer, werden von Fischen und Krebsen gefressen — und gelangen so in die Nahrungskette. Mit ihnen befassen sich Warnemünder Foscher.

„Die Wissenschaft hat über dieses Phänomen zwar schon länger eine gewisse Grundkenntnis“, erklärt Matthias Labrenz vom Warnemünder Institut für Ostseeforschung (IOW). „Doch ein ernstzunehmendes Problem ist die Mikroplastik in den Weltmeeren vielleicht seit zehn Jahren.“ Wie viele solcher Mikropartikel im Wasser und am Boden der Ostsee schlummern, ist zurzeit noch nicht bekannt. Da jedoch fast alle Abwässer der Ostseeanwohner ins Meer fließen, gehen die Forscher von einer höheren Konzentration aus.

Heute Abend wird Labrenz im Rahmen der Vortragsreihe Warnemünder Abende über dieses Problem sprechen. Was er am liebsten noch nicht preisgeben möchte, ist ein großes Projekt, für das sich mehrere Disziplinen aus zehn Instituten zusammengeschlossen haben. Über dessen Bewilligung jedoch könne, wie er sagt, erst in vier Wochen gesprochen werden.

Sollte es aber die notwendigen 1,4 Millionen Euro geben, dann wird der Ostseeraum vor Rostock ein zentrales Untersuchungsgebiet werden. Großstadt, Hafen, Tourismus — das alles produziert Emissionen aller Art. Eine Situation, in der Mikropartikel aus Kunststoff viele sehr unmittelbar betreffen können, schildert Labrenz so: „Wir wissen, dass in Einzelteile zerfallener Plastikabfall jede Größe, jede Form und jede Farbe annehmen kann.“ Wer beim Sonnenbaden am Strand Sand durch seine Hand rieseln lasse, könne demnach nicht mit Gewissheit sagen, wie groß der Anteil sei, der tatsächlich aus Sandkörnern bestehe. Inzwischen sei die Technik aber so weit entwickelt, dass sie eine entsprechende Analyse leisten könne.

Ursula Karlowski, für die Grünen im Landtag und Vorstandsmitglied des Bundes für Umwelt und Naturschutz, begrüßt die Initiative der Wissenschaftler. „Es ist dringend geboten, das Thema anzugehen“, sagt sie. Sie habe sich in der Vergangenheit mit Einzelfragen des Lebensraums Ostsee befasst. „Als wir uns den Schweinswalen zugewandt haben, standen für uns zwar Munitionsaltlasten im Mittelpunkt.

Doch das Problem der immer stärkeren Vermüllung der Ostsee ist mir damals deutlich vor Augen geführt worden.“ Dass sich mehrere Institute zusammentun wollen, um die Fragen, die damit im Zusammenhang stehen zu beantworten, begrüßt die Rostocker Politikerin ausdrücklich.

Vortrag: 18.30 Uhr, großer Vortragssaal des IOW, Seestraße 15, Eintritt frei

Müll in den Weltmeeren
In den Weltmeeren treiben 142 Millionen Tonnen Müll. Drei Viertel davon sind Plastikabfälle.


Beim Zerfall der Kunststoffabfälle entstehen immer kleinere Partikel. Wenn sie kleiner als fünf Millimeter sind, sprechen die Wissenschaftler von Mikroplastik.


Einige Organismen absorbieren die winzigen Teilchen. Beim Abbau der

Partikel können die giftigen Stoffe ins Nahrungsnetz gelangen. Mögliche

gesundheitliche Folgen sind zurzeit noch nicht abschätzbar, aber sehr wahrscheinlich.

 

Achim Treder

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