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Rostock Freiwillige aus ganz Deutschland räumen im Hütelmoor auf
Mecklenburg Rostock Freiwillige aus ganz Deutschland räumen im Hütelmoor auf
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00:00 19.04.2013
Christoph Wehner ist Projektleiter im Revier Torfbr�cke. Quelle: Jürgen Falkenberg
Markgrafenheide

Im Naturschutzgebiet Hütelmoor/Heiliger See kreischen Trennschleifer. Eine Hägglunds-Moorraupe der Rostocker Feuerwehr rattert durch das knietiefe Wasser. Männer und Frauen in Wathosen schleppen Sperrmüll. „Wir beseitigen Altlasten. Die Kräfte des Vereins Bergwaldprojekt helfen uns dabei“, sagt Forstamtsleiter Jörg Harmuth. Zwei mal je eine Woche sind 20 junge und alte Naturfreunde aus ganz Deutschland bei der Arbeit im Moor.

Altlasten im Moor, das sind alte Zäune, das ist die Moorhütte, das ist der vor sich hin rottende Wagen, der bis zur Wende den Naturschützern zur Verfügung stand. Die Hinterlassenschaften füllen den Raupenanhänger mehrfach. „Eine Firma mit der Beseitigung zu beauftragen wäre finanziell nicht zu tragen“, sagt der Forstmann. Es fand sich, auch für die Errichtung eines Aussichtpunktes, eine bessere Lösung.

2011 begann Angelika Stoll ihren Dienst im Stadtforstamt Rostock. Die Thüringerin kannte aus ihrer Heimat das Bergwaldprojekt, stellte es dem Leiter vor. Noch im selben Jahr begannen die Absprachen mit dem Projektleiter Christoph Wehner in der Rhön. So entstand das Projekt „10D2013“. Wehner ist selbst Förster und seit 25 Jahren mit der Koordination und Planung von Projekten vertraut. Er sagt:

„Von Anfang März bis Dezember sind 70 Wocheneinsätze in ganz Deutschland organisiert. Zwei davon nun in der Rostocker Heide“. Zumeist ist er selbst dabei. „Meine Ehefrau und die Tochter in Wollbach freuen sich,wenn ich mal zu Hause bin“, sagt er. Dann greift er wieder wie auch Daniel Titze aus Berlin zur Flex.

Daniel, bei der Berliner Müllabfuhr beschäftigt, ist seit zehn Jahren im Urlaub vom Mittelgebirge bis nach Amrum dabei. „Meine Ehefrau sagt, eine Woche ist o.k.“, sagt er lachend. Aus Dortmund kommt Gertrud Conrady. Zum dritten Mal hat sie festgestellt: „Für mich ist diese Arbeit echte Erholung“. So sieht es auch Sarah Stock (22), die Studentin aus dem Hessischen, die einige Vorlesungen sausen lässt. „Ich werde auch im nächsten Jahr dabei sein“, lässt sie wissen. Zwei „Exoten“ sind in der Runde. Carlos aus Barcelona, jetzt in Köln zu Hause, war in den vergangenen vier Jahren schon im Kellerwald und in der Eifel dabei. Der Forstingenieur Jorge aus Malaga macht ein fünfmonatiges Praktikum in deutschen Forsten.

Sie alle finden die Heide und die See prima. Ihr nicht luxuriöses Quartier haben sie alle in der alten Forstbaumschule in Hinrichshagen. Forsthütten und Zelte, Essenraum und Waschgelegenheit: für alles ist gesorgt. Für das leibliche Wohl aber ist Sascha Conrad aus Würzburg verantwortlich. „Es wird jeden Tag frisch vegetarisch gekocht“, sagt er. Am Abend tischt er auf, am Tage erfolgt die Versorgung mit den „Abendresten“. „Heute früh musste ich improvisieren, es war vom Abend nichts übrig. Die Seeluft macht hungrig“, sagt er.

Für Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth, in Wathosen bei der Aktion dabei, gibt es eine eindeutige Einschätzung: „Eine prima Sache, wir werden sie auch in den nächsten Jahren fortführen. Erste Abstimmungen gibt es schon“.

Das Bergwaldprojekt
Einwöchige Arbeitseinsätze für forstliche Laien werden in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Liechtenstein, der Ukraine und Katalonien organisiert. Als Bergwaldprojekt erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Erste Einsätze gab es 1987 in der Schweiz, in Graubünden. Greenpeace und WWF entließen die Initiative in die Selbstständigkeit. 1993 wurde in Deutschland der Verein Bergwaldprojekt gegründet. Seit 1987 arbeiteten etwa 25 000 Freiwillige in ihrem Urlaub in der Waldpflege, beim Erosionsverbau, beim Bau von Wegen oder bei der Jungwuchspflege. Nördlichste Station war bisher Husum. Das Bergwaldprojekt finanziert sich aus Spenden und Beiträgen, aus dem Erlös der Arbeit und aus Kooperationen mit Firmen.

Jürgen Falkenberg

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