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Rostock Händler hoffen auf Ende der Bauzeit
Mecklenburg Rostock Händler hoffen auf Ende der Bauzeit
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02:20 22.08.2014

Mehrmals täglich muss Sabine Sandig mit dem Staubtuch durch die Buchhandlung Krakow Nachf. gehen. Seit Monaten befindet sich vor dem Geschäft eine Großbaustelle, der gesamte Kirchenplatz wird seit April umgestaltet. Im November sollen die Arbeiten im südöstlichen Teil abgeschlossen sein. Man liege voll und ganz im Zeitplan, heißt es aus der Stadtverwaltung. Für die Gewerbetreibenden am Platz wird es Zeit. Denn sie klagen nicht nur über Dreck und Baulärm. Auch finanziell gibt es Einbußen.

Fast jeden Tag bekommt die Buchhandlung Krakow Bücherlieferungen. Schwere Kisten, bis zu zehn Stück. Da sich die Baustelle fast täglich ändere, sei es schwierig für den Fahrer, möglichst dicht am Geschäft zu parken. Viel schlimmer aber seien die fehlenden Einnahmen. „Ich weiß nicht, ob es nur an der Baustelle liegt, aber dieses Jahr läuft nicht so, wie es sollte“, sagt Sandig. Vor der Buchhandlung kann derzeit nur wenig Ware präsentiert werden. Der enge Gehweg vor dem Geschäft bietet kaum Platz. „Viele Fußgänger wollen einfach nur schnell weiter“, erklärt Sonja Hulka vom Pelz- und Ledergeschäft gegenüber. „Uns fehlt so vor allem die Laufkundschaft.“ 15 Prozent Umsatzeinbußen habe sie, — „wenn das mal reicht.“ Um dennoch Einheimische und Touristen in ihren Laden zu locken, bietet Hulka seit Mittwoch „Baustellenrabatt“ an. Ein Versuch, wie sie sagt.

Dreck ohne Ende — so beschreibt Ralf Reichel die vergangenen Wochen. Erst Ende Juli hat das Textilgeschäft „Pauli“ am Kirchenplatz eröffnet. Ein schwieriger Start. „Teilweise standen die Baumaschinen direkt vor dem Schaufenster. Zeitweise mussten wir für drei Tage sogar schließen.“ Er sei mehr als froh, wenn bald alles fertig ist.

Dass die Bauarbeiten nervig, aber notwendig sind, darin sind sich die Gewerbetreibenden am Kirchenplatz allerdings einig. Mit der Fertigstellung wird es neben neuen Bäumen und Laternen auch breitere Gehwege und weniger Parkplätze auf dem Areal geben. „Der Platz wird so attraktiver, auch wenn das Parkproblem dadurch verstärkt wird“, sagt Sandig.

Auch Guido Eicher, Betreiber von „Guidos Coffeebar“, hofft, dass es mit der Umgestaltung ruhiger auf dem Kirchenplatz wird und somit angenehmer für seine Gäste. Seit sechs Jahren existiert die kleine Gastronomie. In diesem Jahr sind auch hier die Einnahmen um knapp 15 Prozent gesunken. Keiner wolle nun einmal seinen Kaffee vor einer Baustelle trinken. „Aber natürlich freuen wir uns auch, wenn danach alles schön ist.“

Dass es das wird, verspricht der Leiter des Tief- und Hafenbauamtes Heiko Tiburtius. Die ersten Gehwege seien bereits erkennbar, und auch so gehe es gut voran. Das Ziel, Mitte November den östlichen Abschnitt abzuschließen, sei realistisch. „Dann werden wir gleich mit dem Kanal- und Medienbau am westlichen Ende weitermachen“, so Tiburtius. Da in der Tiefe gearbeitet wird, sei eine Winterpause nicht zwingend notwendig.

„Je schneller, umso besser“, sagt Guido Eicher, denn mit den Arbeiten im westlichen Ende erreicht die Baustelle dann auch den Platz genau vor seinem Café. „Vielleicht schaffen es die Baufirmen ja, die Gehwege schnell fertigzubekommen, damit die Plätze draußen nicht verloren gehen.“ Ihm sei eine Baustelle im Winter aber lieber als erneut im Sommer.



Sophie Pawelke

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